Donnerstag, 23. Juni 2011

Kinoreview - WERNER EISKALT (Kritik)


KINO: Werner Eiskalt
Ein Relikt trägt sich selbst zu Grabe - und die deutsche Animationsbranche gleich mit... 3/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film



Werner Eiskalt
Erst war er beinhart, dann wurde gekesselt, dann gab er volles Rooää, später überkam ihn schließlich das Kotzen - und mit ihm den Zuschauer. Das ist die Odyssee des Werners, wie wir ihn aus seinen Filmen kennen. Und wenn man von Werner spricht, so ist gleichzeitig natürlich auch von seinem Schöpfer und Alter Ego in Fleisch und Blut Rötger Feldmann alias “Brösel“ die Rede. Er ließ es sich nicht nehmen, bei der ersten Verfilmung des Kultcomics aus den 80er Jahren, eine tragende Rolle - nämlich sich selbst - zu spielen. Trotz oder gerade wegen den unfreiwilligen Trashqualitäten von Brösels „Schauspiel“ wurde „Werner Beinhart“ zum Publikumsrenner schlechthin. Die nachfolgenden Filme dagegen verkamen zusehends zu anachronistischen Blödel-Relikten einer längst zum Aussterben freigegebenen Art. Doch nun möchte Brösel mit „Werner Eiskalt“ den Beweis antreten, dass Werner den Sprung ins 21. Jahrhundert schaffen kann. Mangas mögen hipp sein, Superhelden cool, doch nur Werner ist...ja, was denn eigentlich?

Eines muss man vorweg „Werner Eiskalt“ lassen, den unfreiwillige Charme der Liveactionszenen, die nun wieder ihren Weg zurück in die Filmreihe fanden, wurden bis ins Letzte ausgereizt. Die Botschaft des Films ist unmissverständlich: Mit „Werner Beinhart“ hatten sie über 5 Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt, mit derselben Mixtur aus trotteligen Realszenen und zusammenhangslosen Blödelsketchen liegen weitere Millionen drin. Also tut Brösel wieder das, was er am besten kann: Brösel sein. Der Film besteht aus einer autobiografischen Rahmenhandlung, die Brösels tatsächliche Existenz widerspiegelt und zeigt, wie er von der Realität eingeholt wird. Werner als ein Comic-Dinosaurier, den niemand mehr lesen will. Erst als der große Meister stirbt, entdeckt die Welt wieder ihre Lust an den norddeutschen Großnasen, was eine erschütternde „Immer Ärger mit Harry“-Parodie in Gang setzt. Doch wo der erste Film noch echte zeichnerische Handarbeit bot, wird einem nun das Fürchten gelehrt. Die Animationen und der Look wirken wie keimfreie Flashanimationen mit aufgedrückten 3D-Elementen. Zugegeben, „Werner Beinhart“ glänzte anno dazumal auch nicht mit Technik und schauspielerischem Talent. Aber wie die Macher es schafften, diesen Film so unglaublich unlustig - man möchte fast sagen „Eiskalt“ - zu gestalten, bleibt wohl ein ewiges Rätsel des plattdeutschen Humors. Es beschleicht einem eine Ahnung, warum der Film vom Sommer 2010 auf 2011 verschoben wurde...

„Werner Eiskalt“ ermöglicht einen traurigen Einblick in die deutsche Animationsbranche. Die deutsche Trickompany Filmproduktion, die alle vorherigen Werner-Filme produzierte und sich auch für „Das kleine Arschloch“ verantwortlich zeichnete, ging während der Produktion des Films insolvent. Die Realität gönnte den Verantwortlichen kein glorreiches Comeback, wie es Brösel in seinem filmgewordenen Wunschtraum widerfährt. Warum sollte sie, anstatt mit deutscher Handarbeit, besticht „Werner Eiskalt“ durch budgetbedingte Stillosigkeit, das halbe Dutzend chinesischer Animationsfirmen, das am Film beteiligt war, unterstreicht den Eindruck und sorgt für die letzten Nägel im Sarg der deutschen Animationsbranche. Ironie der Geschichte, Werner erlebt im Film einen feuchten Albtraum aus Angst, von modernen Mangas verdrängt zu werden und wird von der Prämisse gerettet, solange Produzenten Geld wittern, ist selbst ein Werner nicht Tod zu kriegen. Scheinbar haben Film und Realität doch was gemeinsam... (Originalkritik für KultHit.de)

3/10

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