Mittwoch, 31. Dezember 2014

Kurzreview: MOMMY (2014)

"Mommy" ist inhaltlich wie visuell einer der prägendsten Filme 2014, der mit seinem 1:1 Bildformat eine teils unerträgliche Nähe zu den Figuren erzeugt und gleichzeitig mit der Durchbrechung die Katharsis der Figuren auf den Zuschauer überträgt. Dazu ein einzigartiger Soundtrack aus alten nicht selten kitschigen Songs, die durch die Figuren emotional neu aufgeladen werden und einen Metakontext für Film und Zuschauer erzeugt. Regisseur Xavier Dolan gelang eine unverblümte Ode an die unermüdliche Mutterliebe, wie man es ihm kaum zugetraut hätte. Eine leise, kraftvolle Abbitte als Gegengewicht zu seinem zynischeren Erstlingswerk. Fast.
Wieso Dolan, das Regiewunderkind von einst, am Ende des Films sich aber dazu verleiten lässt, seine Mutterfigur endlos über Hoffnung reden zu lassen statt den Film einfach zehn Minuten früher inmitten ihrer hoffnungsschwangeren, tragisch-ehrlichen Fantasiewelt auszublenden, das blieb mir verborgen und hinterlässt bei mir einen unerwartet negativen Eindruck. Dolan konstruiert ein bizarres Bild von einem fiktiven Kanada um der Mutter auf der Zielgeraden doch noch den Boden unter den Füßen weg zu ziehen. Was willst du mir damit sagen, Xavier? Denn ohne den Hoffnungsmonolog, ohne Toronto, ohne Steves irritierend-banalen, weil bedeutungsschwangeren Ritt in den Sonnenuntergang wäre "Mommy" soviel stärker in seiner Aussage, in seiner Wirkung, in meinem Wunsch, den Film uneingeschränkt zu lieben. Vielleicht mein Fehler, denn ich hatte während des Films echte Hoffnung für die Familie Després. (8.5/10, Trailer)



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