Donnerstag, 18. Juli 2013

Filmreview - PACIFIC RIM (Kritik)


Film: Pacific Rim
Die Neon Genesis Evangelion-Verfilmung, die wir nie bekommen werden. Del Toro mag sich seinen eigenen, persönlichen Anime-Kaiju-RipOff zusammengebastelt haben, aber das auf so fesselnde Weise, dass man ihm am Ende seine Füße küssen möchte. 8/10

> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film



Pacific Rim
Fallen wir gleich mit der Tür ins Haus. Pacific Rim stellt die Neon Genesis Evangelion-Verfilmung dar, die wir nie bekommen werden. Selbst wenn, wird sich diese mit Guillermo Del Toros Kaiju-Epos messen lassen müssen. Der Regisseur versteht es gekonnt das Gefühl zu beschreiben, in solchen Blechmonstern sich wahr gewordenen H.P. Lovecraft Kreaturen entgegen zustellen und für das Überleben der Menschheit zu kämpfen. Del Toro mag sich seinen eigenen, persönlichen Anime-Kaiju-RipOff zusammengebastelt haben, aber das auf so packende Weise, dass man ihm am Ende seine Füße küssen möchte. Ein weiteres Kunststück des Regisseurs ist sein Prolog. Die gesamte Vorgeschichte wird als eine eigenständige Filmstruktur im Schnelldurchlauf erzählt. Andere Filmemacher hätten daraus den eigentlichen Film gestrickt und sich den Rest für einen potentielle Fortsetzung aufgehoben. Del Toro weiß jedoch um die Konventionalität dieses Grundplots und setzt stattdessen nach dessen offensichtlichen Ende an und sorgt damit ab der ersten Minute für Spannung.

Man schmeckt den Rost, spürt die Motoren, fühlt das Gewicht. Jeder Schritt, den die Piloten in ihren Cockpits machen, überträgt sich auf die Jäger und damit direkt in den Kinosaal. Del Toro entfesselt wortwörtlich die Elemente, um seinem Filmungetüm Leben einzuhauchen. Ausserhalb der gigantischen Maschinen beherrscht die Computeranimation die Szenen, aber in den Cockpits wird mit klassischen, greifbaren, animatronischen Tricks gearbeitet. Draussen herrscht die Hektik und die Action, bei den menschlichen Piloten das Drama und die Tragödie. Diese Kraft, diese Dynamik und dieses Wechselspiel mit den Emotionen der Figuren machen den Film erst lebendig und bewahren ihn davor, zur reinen Materialschlacht zu verkommen.

Die Stereoskopie gehört zum Besten, was man bislang in der 3D-Konvertierung sah. Das Problem mit der Miniaturisierung haben Del Tor und seine Artists gekonnt gelöst, anstelle der befürchteten Power Rangers-Optik gibt es tonnenschwere Ungetümer, die sich in stereokopisch echt wirkenden Metropolen die Köpfe einschlagen. Einige der Shots in 3D sind schlicht fantastisch. Aber zugegeben, könnte das an der generellen, sehr beeindruckenden Szenengestaltung liegen, die von der Stereoskopie nur noch unterstrichen werden musste.

Abseits der Actionszenen schwankt die Qualität jedoch zusehends. Einige der Szenen und Dialoge sind für den pathetisch-militanten vorgeschädigten Magen nur bedingt verträglich. Generell ist der Film abseits der Kämpfe zwar nicht so einfältig und dumm wie es ähnlich gelagerte Blockbuster waren. Aber einem selbstreflexiven und smarten Umgang mit Drehbuchklischees, wie es heutzutage in solchen Eventfilmen wünschenswert wäre, fehlt es leider dennoch. Pacific Rim fußt auf einem ur-konventionellen Blockbusterscript, bei dem Del Toro die schlimmsten Mängel ausmerzen konnte, aber eben nicht alle.

Nichtsdestotrotz, ich persönlich saß lange nicht mehr so nägelkauend im Kino und hatte mit der Menschheit auf solche Weise mitgefiebert wie in Pacific Rim. Das ist, was einen guten Blockbuster auszeichnet. Emotionen und Spektakel in gesunder Balance. Der Film ist nicht perfekt, aber die Fehler sind in einzelnen Szenen zu suchen, nicht in der Struktur an sich. Die Welt steht erneut kurz vor ihrem Untergang, doch endlich geht es dem Zuschauer nicht mehr am Allerwertesten vorbei. Man möchte bis zum Ende hin bei jedem Faustschlag, den die Jäger landen, vor Begeisterung aufschreien - und das allein ist Auszeichnung genug.

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