Donnerstag, 4. Oktober 2012

Kinoreview - LOOPER (Kritik)


Kino: Looper
Das Zeitreisegenre wird von Rian Johnson auf unverbrauchte Weise wieder reanimiert. Die Vereinigung von Bruce Willis und Joseph Gordon-Levitt ist dabei nur ein Beispiel für die ungewöhnliche Art, wie dieser Film tickt 9/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


Looper
Rian Johnsons Filme sind weder neu noch besonders innovativ, aber entwickeln in ihrer Vermischung von bestehenden Genreelementen die Fähigkeit, frisch und neuwertig zu wirken. Wie bei seinem Erstlingswerk Brick stellt der Regisseur auch bei Looper ein klar definiertes Genre erst Kopf, schüttelt alle überflüssigen Elemente aus ihm heraus und setzt die übrigen Teile auf ironisch-selbstreflexive Art zusammen. In diesem Fall hat man lange keine so kompromisslose und wohltuend unverbrauchte Interpretation der alten Zeitreiseklischees gesehen. Besonders in der ersten Hälfte bietet Looper für Sci-Fi-Nerds und Gelegenheitszuschauer gleichermaßen exzellent, smart und unterhaltsam erzähltes Spannungskino nah am Puls von Blade Runner. Die zweite Hälfte dagegen fokussiert sich ausschließlich auf seine Charaktere. Persönliche Fragen treten in den Mittelpunkt trotz des globalen, gar Raumzeit gefährdenden Konflikts. In dieser Hinsicht ist Looper ein klassischer Vertreter moderner Zeitreisestoffe, die weniger die Technologie als die persönlichen Auswirkungen thematisieren und gesellt sich damit zu Filmen wie Butterfly Effect, Das Mädchen, das durch die Zeit sprang oder natürlich Zurück in die Zukunft. 
Die gerne als "komplex" wahrgenommenen, aber letztendlich nur um sich selbst drehenden Zeitreiseparadoxa sind auch hier anzutreffen. Umso befreiender, dass Rian Johnson seinen Film mit einer einzigen Szene und einem einzigen, selbstironischer Schulterzucker von der üblichen kausalen Denkweise befreit. Die ganze Prämisse des Films baut auf der ultimativen Unlogik auf, welche nicht erst seit Marty McFlys Reise durch die Zeitt auch in der Popkultur zu finden ist. Parallele Zeitlinien und die alte Frage nach Anfang und Ende, Ursache und Wirkung, dem Ei oder dem Huhn, stellt die eine große Schwäche von Looper. Er fordert den Zuschauer auf, sich damit abzufinden, dass vollkommene Logik in unserer Zeit keine Notwendigkeit, sondern ein Luxus ist, den es abzustreifen gilt. Denn ähnlich wie der vom Zuschauer unnötig verkomplizierte Inception, lässt sich auch Loopers chronologisch schlüssig aneinander reihen, was die Illusion einer komplexen Erzählung bereinigt. Am Ende fordert der Film nicht die Intelligenz, sondern die Moral des Zuschauers heraus. Gut und böse, richtig und falsch, oben und unten. Es ist erstaunlich wie der Film die Schwerpunkte wechselt, scheint anfangs nur Joes eigenes Leben am seidenen Faden zu hängen, wird später eine Raum und Zeit überwindende Bedrohung erkennbar, die am Ende auf fast bemerkenswert freche Weise auf eine simple Mutter-Kind Frage herunter gebrochen wird. 
Looper darf als der Film bezeichnet werden, der Source Code letztes Jahr hätte sein können. Ein Paradebeispiel, wie moderne Sci-Fi-Geschichten, trotz teils Jahrhunderte alter Versatzstücke, zu neuem Leben erweckt werden können. Die Vorbilder von Looper sind zahlreich und trotzdem bleibt dem Zuschauer am Ende vor allem eines in Erinnerung: Die frische Brise, die von dem Film ausgeht.

9/10

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