Freitag, 15. Juni 2012

Kinoreview - ROCK OF AGES (Kritik)


Kino: Rock of Ages
Das „Mamma Mia“ für Rocker, ein selbstironischer Abgesang auf glorreiche Zeiten und eine Lebenseinstellung, die man nie richtig los wird - wie ein Ohrwurm, den man auch nach Jahrzehnten noch vor sich hin pfeift. Was diesem Film auch zuzutrauen wäre. 8/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


Rock of Ages
Kaum ein Genre hält sich so verbissen am Leben und trotzt den Zeitgeistern wie das Filmmusical. Seit den Tagen in denen Gene Kelly im Regen und Julie Andrews auf grünen Weiden sangen, zog ein halbes Jahrhundert ins Land und dennoch scheint sich das Genre gegen alle Trends zu behaupten. Heutzutage sind Filmmusicals beinahe Prestigeprojekte. Nichts, womit sich das große Geld verdienen ließe – sondern etwas, was sich vor allem Schauspieler gelegentlich leisten. Sei es, um die eigenen Fähigkeiten auszuloten oder sich mit den Kritikern gut zu stellen. Johnny Depp, Nicole Kidman, Richard Gere, Meryl Streep, Eddie Murphy, die Liste ist endlos. Wer hätte gedacht, das ausgerechnet auch Tom Cruise diesen Ruf in sich spürt – und ihm nachgibt?

Eine Frage drängt sich nach Sichtung von „Rock of Ages“ besonders auf: Sang Cruise seine Parts tatsächlich selbst? Die Antwort lautet schlicht und ergreifend „ja“. Er trainierte seine Laienstimme über Monate zu einem nicht perfekten, aber kraftvollen Organ - ganz im Zeichen eines Jon Bon Jovis, dessen Karriere ohnehin für Cruise Rolle Pate stand. Seine Darbietung als Sänger war eine bislang unentdeckte Seite, seine Fähigkeit, sich ironisch und als Clown in Szene zu setzen dagegen wohl bekannt. Beides wird in „Rock of Ages“ auf vergnügliche Weise verknüpft, was auf so manche Hollywoodgröße zutrifft. Alec Baldwin, Catherine Zeta-Jones, Bryan Cranston oder Paui Giamatti sind neben Cruise die ironischen Triebfedern, die mit ihrer überkandidelten Overactingeinlagen nicht nur dem Film zur nötigen Balance verhelfen, sondern den Spaßfaktor in die Höhe treiben. Sie Songklassiker für sich allein betrachtet machen das Filmmusical erträglich, das schmerzfreie Spiel der namhaften Schauspieler machen den Film zum Erlebnis!

Es liegt in der Natur von Musicals, über sich selbst lachen zu können, was der Film von Adam Shankman („Hairspray“) ebenfalls bravurös beherrscht. Dem Gott des Rocks sei Dank! Denn des Musicals Kern braucht dieses ironische Gegengewicht, der mit seiner penetrant-stereotypen „High School Musical“-trifft-auf-Tellerwäscherklischee-Romanze sonst so manchen Würgreflex strapaziert hätte. „Rock of Ages“ ist der zweite Film nach dem bahn- und klötenbrechenden „Ronal der Barbar“, der die Rock- und Metal-Fraktion aufs Korn nimmt. Liebevoll und stets mit Respekt - aber dennoch unweigerlich aufs Korn. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Broadwaystück, das – wenn man den Kennern Glauben schenken will – diese Verfilmung wie eine Schulaufführung erscheinen lässt. Nichtsdestotrotz besitzt der Film über genug Kraft, Ironie und pompösen Rock, dass man selbst als Nichtkenner zumindest einen Hauch des ursprünglichen Spirits spüren kann. „Rock of Ages“ ist das „Mamma Mia“ für Rocker, ein selbstironischer Abgesang auf glorreiche Zeiten und eine Lebenseinstellung, die man nie richtig los wird - wie ein Ohrwurm, den man auch nach Jahrzehnten noch vor sich hin pfeift. Was diesem Film auch zuzutrauen wäre.
(Originalkritik für Kulthit.de)

8/10

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