Samstag, 9. Juni 2012

Kinoreview - THE RAID: REDEMPTION (Kritik)



Kino: The Raid: Redemption (Serbuan maut)
Wo "The Expendables" einem ausgestorbenen (einfacheren) Zeitgeist frönte, steht "The Raid" mit einem Bein in der Gegenwart. Ein brachialer Spaßgarant mit zeitgemäßem Gespür für sein Genre. Keine hohe Kunst, aber hoher Unterhaltungsfaktor ohne dabei auf den Geduldsfaden zu treten.7/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


The Raid: Redemption
Zum Film gibts bereits einige sehr nett klingende Criticlines à la „Lässt die Expendables wie die 12 Geschworenen aussehen!", "Bei vielen Actionfilmen wird einem am Eingang die 3D-Brille gereicht. Bei The Raid sollten es Defibrilatoren sein." oder "Erinnerst du dich an dein erstes Mal mit Hard Boiled? Die Hard? So wirds gemacht!" Von diesen Worten und dem einfach nur wunderschön-archaischen Trailer angestachelt, wurden meine Erwartungen entsprechend geschürt - und der Film sollte über weite Strecken diesen auch gerecht werden. Fast.

Einerseits bietet "The Raid" erstklassige Martial Arts-Kämpfe, andererseits angenehm altmodische Action. Silat, so die Kampfkunst die Hauptdarsteller Iko Uwais vollführt, ist Tanz- und Kampfkunst gleichermaßen. Wie er seine Bewegungen der Situation anpasst, besitzt was von Jackie Chan, nur mit der Schnelligkeit eines Tony Jaa und der Brutalität der frühen 80er-Actionfilme. Aber wie besonders Jaas Filme immer wieder aufs Neue belegen , hilft auch der beste Kampfsportler nicht über ein Storyvakuum hinweg. Und hier kommt Regisseur Gareth Evans ins Spiel. Er bildet sich nicht ein, mit "The Raid" hohe Kunst zu manifestieren, aber er weiß um die Notwendigkeit einer grundlegenden Dramaturgie und Handlungsstringenz. Kurzum, er weiß, dass sich John McClane nicht dadurch auszeichnet, dass er am Ende als einziger aufrecht das Gebäude verlässt. Regisseur Evans beschränkt seine Schauplatz auf ein runtergekommenes Hochhaus weil er räumlich limitierte Actionfilme wie "Assault" oder "Die Hard" verehrt. Und das führt zur wortwörtlichen Implosion seines eigenen Schauplatzes!

Das "The Raid" produktionstechnisch weder mit alten Klassikern noch mit neuen Actionfilmen der Marke "The Expendables" mithalten kann, versteht sich von selbst. Was man ihm aber erstaunlicherweise kaum ansieht. Seine Mittel waren begrenzt, was ihn nicht daran hindert, nicht nur die Härte eines John Woo zu zitieren, sondern auch seinem ästhetischen Vorbild zu folgen. John Woo, John McTiernan und nicht zuletzt die berühmte Lobbyszene der Wachowskis aus "Matrix" standen Pate. Der Film kann genaugenommen als eine 100 Minuten Verfilmung dieser einen Sequenz angesehen werden - eine Assoziation, die vom Soundtrack aus der Hand des Linkin Park-Musikers Mike Shinoda und Daft Punk-Kooperateurs Joseph Trapanese zusätzlich unterstützt wird. "The Raid" kennt seine Vorbilder genau und baut sich aus deren Versatzstücken eine eigene Welt auf. Wo der Film jedoch scheitert ist seine finale Auflösung. Die Endkämpfe lassen die Ironie vermissen, verkommen zu einem langatmigen und endlos choreografierten Brei aus sich wiederholenden Schlägen. Als Zuschauer ist man dem Film ohnehin voraus, denn so gewitzt "The Raid" teilweise mit seinen Kampfszenen spielt, so konservativ bleibt er als Actionfilm nach alter Schule. Ähnlich wie so manche Haudegen aus den 80ern lässt sich der Film dazu hinreissen, am Ende zu einer hohlen, selbstgerechten Klopperei zu verkommen. Dies kostet Punkte, aber kann durch die eine letzte Szene - wo die bereits angekündigte Trilogie vorweggenommen wird - wieder etwas aufgefangen werden. Doch der fade Beigeschmack bleibt.

Im Gegensatz zu "The Expendables", die tatsächlich einem ausgestorbenen (einfacheren) Zeitgeist frönten, steht "The Raid" mit einem Bein in der Gegenwart. Somit ist nicht nur ein brachialer Spaßfaktor garantiert, sondern auch ein gewisses Überraschungsmoment und dramaturgische Finesse. Keine hohe Kunst, aber viel Spaß ohne auf den Geduldsfaden zu treten.


7/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts with Thumbnails

Ältere Beiträge, die dich interessieren könnten: