Freitag, 29. Juni 2012

Kinoreview - THE AMAZING SPIDER-MAN (Kritik)


Kino: The Amazing Spider-Man
Der neue Spidey ist in vielerlei Hinsicht seinem Vorgänger überlegen, doch er schafft es nicht, eine runde, homogene Einheit zu bilden. Viele bemerkenswerte Szenen bleiben durch den gehetzten, unglücklichen Schnitt lose Versatzstücke. 7/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


The Amazing Spider-Man
„The Amazing Spider-Man“ ist keine herkömmliche Fortsetzung, dass sollte mittlerweile auch denjenigen zu Ohren gekommen sein, die mit Comics und Filmen weniger am Hut haben. Nachdem die Verhandlungen um einen potentiellen vierten Teil im Sande verliefen und Regisseur Sam Raimi abrupt das Handtuch schmiss, vergingen gefühlt kaum 24 Stunden und das Studio kündigte einen kompletten Neustart der Filmreihe an. Sie dachten sich wohl, was bei James Bond und Batman erfolgreich funktioniere, könne so falsch nicht sein. Also sollte auch der allseits beliebte Wandkrabbler dem vermeintlichen Zeitgeist angepasst werden. Düsterer, erwachsener, authentischer. Aber auch besser?

Die Zutaten zumindest können sich sehen lassen. Mit Marc Webb wurde ein Blockbuster-Neuling als Regisseur engagiert, der mit seinem Kinodebüt „(500) Days of Summer“ eine der bemerkenswertesten Filmüberraschungen 2009 bot. Seine Ernennung sprach für die Kehrtwende, die das Franchise erfahren sollte. Ein Indiz, das von dem Casting bestätigt wurde: Jung und angesagt, charismatisch bis altehrwürdig. Ein Cast bestehend aus Andrew Garfield, Emma Stone, Martin Sheen und Sally Field, der dem fertigen Film den Hals retten sollte, wie sich herausstellte. Denn „The Amazing Spider-Man“ hat mit einigen Problemen zu kämpfen. Dem Film fehlt es vor allem an Rhythmus. Es beschleicht einem das Gefühl, dass im Schneideraum einige Schwierigkeiten auftraten. Diverse Szenen aus Trailern fehlen oder sind nur stark gekürzt vorhanden – zum Beispiel die imposante Firstperson-Szene aus dem Teaser. Einige wundervolle Filmmomente werden auf diese Weise nur aneinandergereiht, anstatt filmisch verknüpft. Es fehlt das nötige Timing, um die Dynamik- und Schauplatzwechsel weniger hart erscheinen zu lassen. Ein Manko, das von dem nicht besonders einfallsreichen Drehbuch verstärkt wird – wären da nicht die besagten Schauspieler, die unter der Führung des Regisseurs den Schlüsselszenen doch noch Bedeutung und Ausdruck verleihen. Ebenfalls unausgegoren wirkt der Gegenspieler, der für unzureichende Spannung sorgt. Dr. Curt Connors ist einerseits eine blasse Kopie des Doc Ock aus Sam Raimis zweiten Spinnenfilms was seine Beweggründe, sein Handeln und seine Verwandlung betrifft, andererseits fehlt es ihm an Bedrohung und Glaubwürdigkeit.

Dagegen trifft der Film den richtigen Ton bei seinen Charakteren, ihren Konflikten und der Anpassung an den modernen Zeitgeist. Weniger Kitsch, weniger Schablonen, mehr Authentizität. Es wurde viel Wert auf eine reifere, emotionalere Liebesgeschichte gelegt, ohne aber den Bogen zu überspannen. Auch die Backstory rund um Peters Eltern funktioniert bemerkenswert. Hier zeigt sich, dass sich die Macher nicht bloß an den klassischen Spider-Man Comics orientierten, sondern wesentliche Elemente aus dem Ultimate Comicuniversum entnahmen – alternative Storylines, die von der bekannten Urerzählung abweichen. Dank dieser notwendigen Neuerung wirkt der Krabbler mit seiner „neuen“ Vergangenheit auf Anhieb interessanter als es sein Vorgänger je war und etabliert zudem eine filmübergreifende Handlung. Die Effekte und generell das Gefühl, wie es ist, als Spider-Man durch die Häuserschluchten zu gleiten, wurde nun wesentlich naher und fesselnder transportiert - sowohl psychisch als auch physisch. Der 3D-Effekt tut sein übriges dazu, auch wenn seine Relevanz nur in wenigen Szenen wirklich gegeben ist. Komponist James Horner („Titanic“, „Avatar“) bietet erneut ein kleines Best-Of seines Repertoires und legte sein Superheldenthema im Gegensatz zu seinem Vorgänger Danny Elfman klassischer an, mit mehr hellen Bläsern als elektronischen Samples.

Der neue Spidey ist in vielerlei Hinsicht mehr Spider-Man als die von Tobey Maguire verkörperte Version. Endlich stimmen Spider-Man und Peter Parker in Statur überein, endlich fand das freche Mundwerk Einzug in die Filmversion, endlich werden auch die Spinnennetze storyrelevant eingesetzt und stimmen alle Fans von Todd McFarlanes unbändigen Panels und zerfledderten Spinnenseilen glücklich. „The Amazing Spider-Man“ schafft es jedoch nicht, eine runde, homogene Einheit zu bilden. Viele bemerkenswerte Szenen hängen in der Luft und schleppen sich von Plotpoint zu Plotpoint. Peter, das Waisenkind. Peter der Teenager. Peter der Nerd. Peter der Verliebte. Peter, der Spider-Man. Peter hat viele Gesichter und jedes ist von Bedeutung, aber der Regisseur vermochte es nicht, alles in eine Form zu bringen. Nach oben bleibt somit noch viel Luft, sollte Marc Webb nochmals die Spinne tanzen lassen - und das bleibt trotz der Schwächen zu hoffen.
(Originalkritik für Kulthit.de)

7/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts with Thumbnails

Ältere Beiträge, die dich interessieren könnten: