Samstag, 5. Mai 2012

Kinoreview - 50/50 (Kritik)



Kino: 50/50 - Freunde fürs (Über)Leben
"Ein netter Film über Krebs" ist vielleicht das beste und schlimmste, was man diesem Film nachsagen kann. Einem Film mit einem respektablen Hauptdarsteller, der aber außer einigen hoffnungsvollen Worten nichts bietet und dessen Komödienqualitäten so blass bleiben wie sein Protagonist.  7/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


50/50
Freunde fürs (Über)Leben
Krebs ist allgegenwärtig. Nicht bloß in der Realität, sondern insbesondere in den Medien ist die Krankheit nicht mehr wegzudenken. Serien wie „Breaking Bad“ oder „The Big C“ und Filme wie „Biutiful“, „Das Beste kommt zum Schluss“, „Restless“ oder zuletzt „Halt auf freier Strecke“ behandelten das schwierige Thema jeweils auf eigene Weise. Zwischen Komödie und Tragödie, zwischen Angst, Leid und Hoffnung. „50/50“ versucht mit einem beachtlichen Schauspielensemble, selbst einen Beitrag zu diesem medialen Verarbeitungsprozess zu leisten – und scheitert auf hohem Niveau.

„50/50“ hegt hohe Ambitionen. Er möchte trotz seiner ernsten Thematik den Zuschauer unterhalten und mit Mut entlassen. Doch leider gelingt dem Film bestenfalls eines von beidem. Die wenigen Witze zünden kaum unter der Last des alles dominierenden Themas. Zu ernst und zu bodenständig bleibt die Geschichte, anstatt sich von der Last zu lösen und den Zuschauer über die Tragik hinweg zu tragen. Selbst Pausenclown Seth Rogen, der sich nie für einen Spaß oder Zote zu schade ist, verschlägt es im Film unentwegt die Sprache. Die anderen Nebenrollen, gespielt von Bryce Dallas Howard, Anna Kendrick oder Philip Baker Hall, entsprechen den üblichen Schubladenprofilen der Schauspieler. Generell vermag keine Figur wirklich aus dem Stereotypen-Dickicht auszubrechen. Der zur Zeit medial omnipräsente Joseph Gordon-Levitt gibt die klassischen Verarbeitungsstadien souverän und fügt sich seiner leichenblassen Rolle des Krebspatienten - aber täuscht nicht darüber hinweg, dass Regisseur Jonathan Levine in zu festgefahrenen Krebsvorstellungen stecken bleibt. Als Zuschauer sitzt man zwischen den Stühlen zahlreicher Krebsstereotypen und -Witzen. Einerseits versucht der Film Mitleid zu streuen, andererseits Lacher ernten.

Die Stärken von „50/50“ werden in den wenigen Momenten ausgespielt, wenn die Auswirkungen des Krebses auf das Umfeld von Adam gezeigt werden. Seine Mutter, sein bester Freund, seine Freundin. Jede dieser Figuren muss sich der Krankheit auf ihre Weise stellen. Bei diesen Szenen merkt man trotz unvermeidlicher Krebsklischees, dass es wahrhaftige Momente sind. Szenen voller Trauer, Hingabe aber stets auch mit einem Funken Hoffnung. Das ist, was der Zuschauer am Ende mit nach Hause nimmt, ein bemühter Film mit einem respektablen Hauptdarsteller, der aber außer einigen hoffnungsvollen Worten nichts Neues dem Thema hinzufügen kann und dessen Komödienqualitäten so blass bleiben wie sein Protagonist. Lachen ist die beste Medizin, so heißt es und so möchte man es auch glauben. Was „50/50“ jedoch zum Placebo degradiert.
(Originalkritik für Kulthit.de)

7/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts with Thumbnails

Ältere Beiträge, die dich interessieren könnten: