Freitag, 6. April 2012

Kinoreview - IRON SKY (Kritik)


Kino:
Wenn man sich vor Augen führt, dass es sich bei „Iron Sky“ weder um Trash noch um ironische Naziploitation, sondern schlicht um eine seichte „Nazikömodie from outer Space“ mit leichten parodistischen Zügen handelt, dann sollte dem schuldigen Filmvergnügen nichts im Wege stehen. Ein „Sucker Punch“ trifft auf „Dead Snow“-Verschnitt, der beide Filme dankenswerterweise qualitativ hinter sich lässt. 6/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


Iron Sky
Schauspieler Götz Otto stellte am letzten Tag der Berlinale seinen Film mit den Worten vor: „Erwartet großes Arthouse Kino. Intellektuell, anspruchsvoll, tiefgründig – nicht!“ Otto brachte es damit auf den Punkt. Der finnische Regisseur Timo Vuorensola fand weit mehr Worte, aber stellte ebenfalls klar, dass sein Film wisse wo er hingehöre. Also danken wir den Herren für diese aufrichtige Laudatio, denn sie retteten den Film vor dem Schlimmsten.

„Iron Sky“ war in mancher Hinsicht bereits vor seiner Berlinale-Premiere – Uwe Bolls Wutanfall war diesbezüglich bis nach Berlin zu vernehmen - ein Erfolg, was er dem beispielhaften Crowdfunding Konzept und der viralen Kampagne verdankte. Von den 7.5 Millionen Euro Budget, die dem Film über verschiedenste Fördereinrichtungen und Investoren zu flossen, generierte er allein 900.000 Euro durch Crowdfunding. Das Projekt besaß durch gezielte virales Marketing zudem bereits 2009, lange vor Drehbeginn, eine große Fancommunity, die sich mit Merchandisingprodukten zu einem Film eindeckten, der noch nicht existierte.

Die Erwartungen waren breitgefächert. Trashfutter erhofften sich die einen, Naziploitation oder ein Gorefest wiederum andere. Am Ende dürfte keine dieser Fraktionen auf ihre (vollumfänglichen) Kosten kommen, denn „Iron Sky“ ist nicht mehr und nicht weniger als eine Komödie und kleiner parodistischer Seitenhieb auf so manches Sci-Fi-Klischee. Aber besonders letzteres macht der Film souverän. Der Produktionsstandard von „Iron Sky“ ist schlicht beeindruckend - unter Berücksichtigung, dass das meiste aus der Selfmade-Suppenküche stammt und mit relativ einfachen Mitteln umgesetzt wurden. Besonders die zahlreichen digitalen Effektshots wissen zu überzeugen. Generell funktioniert der Film hervorragend, solange er sich außerhalb der Erdatmosphäre abspielt. Im Grunde bloß eine Abwandlung der alten Invasionsgeschichte, aber mit Udo Kier, Götz Otto und der kleinen aber wenig zimperlichen Julia Dietze ein Fressen für alle, die sich von unerträglichen Filmen wie „Skyline“ oder „Battle: Los Angeles“ mehr versprachen. Nicht, dass die Nationalsozialisten from the Moon etwa smarter, feinfühliger oder kreativer wären als die eben erwähnten Rohrkrepierer, aber „Iron Sky“ weiß zumindest wo er hingehört. Diese aufrichtige Demut rettet den Film über weite Strecken. Trotz aller Anstrengungen und Ambitionen scheint an einigen Stellen die wahre Herkunft dieses aufwändigen Fanprojekts durch. Manche schauspielerische Leistungen abseits der oben genannten Namen erreichen kaum Telenovela-Niveau. Die US-politische Satire auf Sarah Palin entpuppt sich als albernes Kasperletheater, das man so schnell wie möglich hinter sich zu bringen möchte, um wieder der bevorstehenden Invasion beiwohnen zu können.

Wenn man sich vor Augen führt, dass es sich bei „Iron Sky“ weder um Trash noch um ironische Naziploitation, sondern schlicht um eine seichte „Nazikömodie from outer Space“ mit leichten parodistischen Zügen handelt, dann sollte dem schuldigen Filmvergnügen nichts im Wege stehen. Ein „Sucker Punch“ trifft auf „Dead Snow“-Verschnitt, der beide Filme dankenswerterweise qualitativ hinter sich lässt. Erstgenommen wird hier niemand, weder der Film, noch der Zuschauer. Nur am Ende widersetzt sich „Iron Sky“ der eigenen Anspruchslosigkeit und Götz Ottos Einleitungsworte. Er wollte aus der reinen Popkornunterhaltung hervortreten, um dem Zuschauer etwas mitzugeben. Man wagt es kaum auszusprechen, aber er erhebt den moralischen Zeigefinger und weist den Zuschauer, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Ein unnötiger Tritt in die Weichteile des Zuschauers. (Originalkritik für Kulthit.de)

6/10

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