Samstag, 10. März 2012

Kinoreview - JOHN CARTER (Kritik)


Kino: John Carter
Ein interessantes Studienobjekt für Genrekenner AKA der aufwändigste Sonntagnachmittagsfilm seit „Waterworld“. 6/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


John Carter
Mittlerweile hat es sich herum gesprochen, dass John Carters Ursprünge tiefer liegen, als es die ersten Bilder der Verfilmung vermuten lassen. Edgar Rice Burroughs ersann den unerschrockenen Hauptmann, den es auf den roten Planeten verschlägt, Anfang des 20. Jahrhunderts und prägte mit seiner Pulpreihe Generationen nachfolgender Autoren und Regisseure. „Flash Gordon“, „Krieg der Sterne“ oder „Avatar“ bilden nur die bekanntesten Nachkommen des marsianischen Migranten. Somit sieht sich Carter mit seiner ersten Verfilmung in einer ähnlichen Bredouille wie einst Quatermain, der nach dem einschlagenden Erfolg von „Jäger des verlorenen Schatzes“ aus der literarischen Mottenkiste geholt und aus ihm einen der unzähligen Nachahmungstäter von Indiana Jones gemacht wurde - obwohl Quatermain die Geburt des berühmten Archäologen erst ermöglichte.

Pixar-Regisseur Andrew Stanton gelang mit seinem Realfilmdebüt ein Werk der alten Abenteuerschule. Er nutzt die komplette erste Hälfte des Films, um Burroughs Universum für den Zuschauer fühlbar zu gestalten. Charaktere, Völker und die Hintergrundgeschichte von John Carter selbst werden aufwändig und opulent kommuniziert. Angereichert mit Witz und Action, macht das aus „John Carter“ ein gutes altes Fantasy-Epos für die ganze Familie. Da lassen sich auch die gefühlt 60 Minuten geschwätziger, undramatisierter Exposition verkraften, die zwar unterhalten, aber jeder Regel der moderne Erzählkunst entsagen. Sind sich die Charaktere und der Zuschauer näher gekommen, wechselt die Dynamik und der eigentliche Marskonflikt rückt endlich in den Mittelpunkt. Schöne Actionszenen wechseln sich mit einer leider weniger schönen Romanze ab. Auch an dieser Stelle drängen sich Adjektive wie „altmodisch“ und „bieder“ auf. Stanton ist ein Kind der Spielberg-Ära, ein Romantiker und Filmenthusiast. Die Entscheidung, den ganzen Film bewusst an den klassischen Filmgeist der Fantasyfilme der 80er-Jahre anzulehnen, ist bemerkenswert – aber macht aus ihm trotz modernsten Effekten ein altbackenes, konservatives Erlebnis.

„John Carter“ beschwört oft und gerne Assoziationen mit eben jenen Werken, die von Burroughs Ursprungsgeschichte inspiriert wurden und selbst Teil der Popkultur wurden. Ob sich der Film damit ein Gefallen tut, den Zuschauer ständig mit der Nase darauf darauf zu stoßen, dass populäre Sci-Fi- und Fantasy-Genreelemente auf John Carter of Mars - und nicht umgekehrt - gründen, bleibt zweifelhaft. Die Frage soll erlaubt sein: Worin liegt die wahre Relevanz dieser Verfilmung, wenn sie nichts beizutragen hat außer die Welt über die Ursprünge von „Krieg der Sterne“ und „Avatar“ zu belehren? Der frühe Außerirdische fängt den Wurm und der wurde bereits vor Jahrzehnten von anderen vertilgt. Im Vergleich mit einigen wüsten Sandepen der letzten Jahre ist „John Carter“ ein charmanter Vertreter einer per se charakterlosen, rundgeschliffenen Blockbusterzunft. Der Film ist bemüht und begeht keine Fehler, was ihn vor schlechter PR bewahrt und vor Hollywoods wirklichen Fließbandwerken distanziert. Doch all das macht aus ihm bestenfalls ein interessantes Studienobjekt und den aufwändigsten Sonntagnachmittagsfilm seit „Waterworld“. (Originalkritik für KultHit.de)

6/10

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