Freitag, 28. Oktober 2011

Kinoreview - DIE ABENTEUER VON TIM UND STRUPPI: DAS GEHEIMNIS DER EINHORN (Kritik)


Kino: Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn (Kritik) (The Adventures of Tintin)
Die Herren Spielberg und Jackson beweisen überraschendes Fingerspitzengefühl mit ihrer Vorlage. Ironisch und ehrfurchtsvoll wird mit Hergés einzigartigem aber ruppigem Stil umgegangen. Was den Film aber nicht davor bewahrt, einige offensichtliche Schwächen an den Tag zu legen 7/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn
Wer genau hinhört, kann seit Bekanntgabe der „Tim und Struppi“-Verfilmungen aus den Händen der beiden Hollywoodkönige Steven Spielberg und Peter Jackson ein gewisses Zähneknirschen und Gezeter wahrnehmen. Die berühmten Comicbände des belgischen Comiczeichners und Autors Hergé rund um den jungen Reporter Tim und seinen treuen Gefährten gehören in Europa zu den bis heute beliebtesten Comics überhaupt und besitzen bis heute eine beachtliche Anhängerschaft, von der die anfangs erwähnten, sorgenvollen Geräusche ausgehen. Zumindest auf dem europäischen Kontinent. In den USA fristet die Reihe bestenfalls ein Nischendasein, inspirierte während ihrer über 80- jährigen Geschichte aber so manchen Filmschaffenden Hollywoods von klein auf. So auch Steven Spielberg, der sich mit der Verfilmung einen lange gehegten Traum erfüllte. Zusammen mit Peter Jackson und modernsten Performance Capture- und Animationsverfahren, nahmen die beiden Filmemacher gleich eine ganze Filmtrilogie in Angriff. Beim ersten Streich „Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn“ erarbeiteten die beiden Regisseure die Vorproduktion und Stilfestlegung Hand in Hand. Die Inszenierung übernahm anschließend Spielberg und Jackson die Funktion des ausführenden Produzent. Bei Teil 2 werden die Plätze getauscht und - sollten die Zuschauer Erbarmen haben - wird für den Abschluss der Trilogie die Regiekräfte gebündelt.

Die angesprochene Angst der Hergéianer rührt nicht von ungefähr. Die Skepsis ist groß, ob ausgerechnet zwei von Hollywoods erfolgreichsten Regisseuren das nötige Verständnis für eine solch durch und durch europäisch geprägte Vorlage aufbringen können. Außerdem ertönten sein Bekanntwerden der verwendeten Technologie sämtliche Alarmglocken. Komplett am Computer sollten die Filme entstehen, von echten Schauspielern gespielt, aber per modernstem Performance Capture auf Animationsfiguren übertragen werden. Natürlich komplett in stereoskopischen 3D. Eine Menge Fortschritt, der auf die traditionsbewusste, über 80 Jahre alte Fangemeinde zu kommt. Einzig eine Inkarnation von Hergé persönlich, vorzugsweise mit einem Meisterregisseur wie Billy Wilder oder Alfred Hitchcock im Schlepptau, hätte wohl die Zustimmung der eingefleischten „Tim und Struppi“ Anhänger bekommen. Doch so müssen selbst die Herren Spielberg und Jackson Federn lassen. Wobei ein objektives Auge, das weder zu sehr im Film noch in den Comics verhaftet ist, schnell von der liebevollen Detailbesessenheit dieses ersten Teils bezirzt wird und nicht umhin kommt, an die schönen Stunden, die man als Kind (oder Erwachsener) mit den Comics verbracht hat, zurück zu denken. Was zusätzlich dadurch geschürt wird, dass sich die Handlung des ersten Teils aus zwei der beliebtesten "Tim und Struppi" Alben "Die Krabbe mit den goldenen Scheren" und "Das Geheimnis der Einhorn", zusammensetzt. Losgelöst von seiner Vorlage und als reiner Spielfilm betrachtet, reicht es aber trotz allen digitalen Fortschritts, Wagemuts und Ehrbezeugungen nicht zum cineastischen Meisterstück. Zu fraktal und löchrig ist seine Dramaturgie und zu ausgedehnt und zum reinen Selbstzweck verkommen seine Actionszenen. Hektizismus in seiner reinsten Form, ohne Struktur und nur mit wenigen Akzenten, was auf Dauer die Sinne des Zuschauers überstrapaziert. Dagegen stemmt sich mit aller Gewalt die klassische Abenteuerromantik, die Spielberg seit jeher verstand auf die - mittlerweile stereoskopische - Leinwand zu bannen. John Williams' beschwingt-jazzige Filmmusik nach seiner ureigensten Art trägt zusätzlich dazu bei, dass man sich schnell im vertrauten Spielberg-Universum wiederfindet und nicht mit wenigen Assoziationen an einige vergangene Klassiker des Regisseurs konfrontiert wird.

Als eigenständiger Spielfilm nach dramaturgischen Maßstäben beurteilt, haben sich die Macher einige grobe Schnitzer erlaubt, was den Film wertvolle Sympathiepunkte kostet. Nichtsdestotrotz darf dieses neuerschaffene Hybriduniversum aus typischen Hergé- und Spielbergelementen als geglückt bezeichnet werden - ein Mix aus modernsten Technologien, klassischer Abenteuerlust mit einem Comic typischen, ruppigen Charakter. Am Ende bleibt der Eindruck einer ambitionierten, unterhaltsamen Kinoadaption von einer der großen europäischen Comicikonen, gewissen Vorbehalten gegenüber der Technik und Stilistik zum Trotz. (Originalkritik für KultHit.de)

7/10

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