Donnerstag, 1. September 2011

Kinoreview - DIE DREI MUSKETIERE (Kritik)


Kino: The Three Musketeers 3D (Die drei Musketiere 3D)
Mantel & Degen Charme trifft auf Paul W.S. Andersons übliches brachiales Banalitätentheater. Man darf es sich aussuchen, was dem Film am meisten zu schaffen macht. Ist es die aufgesetzte Steam Punk-Verjüngungskur? Die Schauspieler, die wie durch Sedative benebelt in einem dicken Schleier der Apathie spielen? Oder doch Andersons Drang, mit jedem neuen Film seinem Bedürfnis nach Spannung, Spiel und Schokolade nachzukommen. Nur leider ohne die Schokolade, die den Film temporär versüßt hätte. Er nimmt sich eine Vorlage, stopft sie mit Knallkörpern voll, klebt einen FSK12 Stempel drauf und zündet sie an. Das Resultat ist laut, schrill und verpufft in einer kleinen, bunten Gaswolke, deren klebriger Gestank man einige Tage nicht mehr los wird. 4/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


Die drei Musketiere 3D
Literarische Klassiker versetzen Filmemacher nicht selten in einen wahren Goldrausch. So mancher fühlt sich dazu veranlasst, sein eigenes Glück zu versuchen, in der Hoffnung, dass vielleicht die eigene Adaption den Stoff in ein völlig neues Licht tauchen könnte. Ungeachtet dessen, dass der Claim womöglich von anderen bereits Jahrzehnte zuvor zum Versiegen gebracht wurde. „Robin Hood“, „Der Graf von Monte Christo“ und auch „Die drei Musketiere“ gehören zu den Stoffen, die alle Jahre wieder für Film und Fernsehen neuinterpretiert werden. Nun hat es auch Popkorn-Ästhet Paul W.S. Anderson ins Mantel und Degen-Genre verschlagen und versucht, mit seiner angetrauten Stammschauspielerin Milla Jovovich Alexandre Dumas Klassiker neue Seiten zu entlocken.

Dass der Regisseur große Ambitionen hegt, lässt er bereits mit seinem epischen, an High Fantasy-Verfilmungen erinnernden Prolog erkennen. Trotz der etwas unfreiwillig komischen Eröffnung und den holprigen Dialogen in der Exposition, sollte man nicht vorschnell urteilen. Denn dem Film gelingt es, einen besonderen Musketiermoment einzufangen, der bislang noch in jeder Verfilmung vorhanden war. D'Artagnans Kunststück, sich mit allen der drei berühmten Musketieren gleichzeitig anzulegen. Das weckt leise Hoffnungen auf eine moderne Umsetzung mit dem nötigen Gespür für die Essenz der Vorlage. Aber die Realität holt den Zuschauer leider allzu schnell wieder ein. Trotz des anfänglichen Mantel und Degen-Charmes, rückt Andersons brachiales Banalitätentheater erneut in den Mittelpunkt. Man darf es sich aussuchen, was dem Film am meisten zu schaffen macht. Ist es die aufgesetzte Steam Punk-Verjüngungskur von Dumas Original? Die Schauspieler, die wie durch Sedative benebelt in einem dicken Schleier der Apathie spielen? Oder doch Paul Andersons Drang, mit jedem neuen Film seinem prepubertären Bedürfnis nach Spannung, Spiel und Schokolade nachzukommen. Nur leider ohne die Schokolade, die den Film temporär versüßt hätte.

Das große Vorbild von „Die drei Musketiere 3D“ ist spätestens mit dem Eintreffen der Flugschiffe kein Geheimnis mehr. Der Regisseur möchte sein eigenes kleines „Fluch der Karibik“-Abenteuer vom Stapel lassen und ließ es sich auch nicht nehmen, Komponist Paul Haslinger ins Fahrwasser von Hans Zimmer und dessen Synthiebombastklängen zu werfen - inklusive ausufernden Piraten- und Sherlock Holmes Zitaten. Doch was wie ein bonbonfarbiger Abenteuerfilm aussieht, fehlt die eigentliche Komponente: Einen Helden mit Charakter. Generell lebendige Charaktere. Es wurde schon erwähnt, die Darstellerriege gibt sich ausnahmslos blass. So blass, dass man fast dazu geneigt ist, Til Schweigers kurzes Auf- und schnelles Abtreten als den schauspielerischen Höhepunkt zu erwähnen.

Der Film bleibt, was er von Anfang an zu sein schien: Ein typisches Paul W.S. Anderson-Werk. Der Filmemacher nahm sich erneut eine Vorlage vor, stopfte sie mit Knallkörpern voll, klebte einen FSK12-Stempel drauf und zündete sie an. Das Resultat ist laut, schrill und verpufft in einer kleinen, bunten Gaswolke, deren klebriger Gestank man einige Tage nicht mehr los wird. (Originalkritik für KultHit.de)

4/10

1 Kommentar:

  1. Vor kurzem gesehen und bin für ne Goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller für Til Schweiger!

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