Sonntag, 28. August 2011

TVLab - Zuschauer stimmen für ihr Lieblingsprogramm AKA Das geringere Übel gewinnt


Worum es geht: ZDFneo startete am 27. August das TVLab. In diesem werden innerhalb einer Woche zehn Pilotfolgen von neuen Serienkonzepten gezeigt, über die der Zuschauer im Internet abstimmen soll. Der Pilot mit den meisten Stimmen wird daraufhin in Serie gehen. Diese Versuchsreihe läuft im Zuge einer Initiative der EBU (European Broadcasting Union).

Schön und gut, aber was hat das auf OLOsBLOG zu suchen?
Einerseits ist es ein lobenswerter Versuch, die mittelalterliche, deutsche Fernsehlandschaft - Programmplaner reden gerne von einer "deutschen Fernsehkultur": wer findet den Fehler? -  zumindest versuchsweise zu reanimieren. Andererseits sind drei Konzepte zumindest auf den ersten Blick interessant. Zur Abstimmung stehen Formate aus unterschiedlichen Genres. Wie zu erwarten war, handelt es sich größtenteils um - schnell und billig produzierbare - nonfiktionale Produktionen (beispielsweise ein Reisemagazin, eine Dating-Show, ein Lifestyle- oder Filmmagazin) Alle zehn Konzepte findet ihr auf der Webseite von TVLab. Dort können außerdem alle Pilotfolgen vor der eigentlichen Fernsehausstrahlung gesichtet werden.

MOVIACS

Den Stein des Anstoßes für diesen Beitrag gab für mich das Filmmagazin "Moviacs" von und mit Nils Bokelberg, der für so manchen wohl auf ewig "der eine Viva-Moderator, der mit den fettigen Haaren und dem Nebelblick" bleiben wird. Bei "Moviacs" handelt es sich um ein Kinomagazin, dessen erstes und oberstes Gebot "Lasst uns Filme wieder lieben. Auch die beschissenen." lautet. Es geht um das, was Millionen Menschen in Deutschland verbindet: Die Liebe zum Film. Das Magazin will sich auf leidenschaftliche und unterhaltsame Weise mit der gesamten Bandbreite des Kinos auseinandersetzen: Vom großen Blockbuster über echte B-Movie-Granaten bis hin zum anspruchsvollen Martial-Arthouse-Film. Soweit so gut, hier der Trailer dazu:


Meine 5 Cents zur Pilotfolge von "Moviacs": Der Trailer ist sehr verspielt, ein Genuss die einzelnen Einflüsse zu extrahieren. Bei der Sendung bin ich jedoch noch zwiegespalten. Ist sie witzig? Ja. Bietet viele kleine Nerd- und Filmzitate? Ja. Mit dem “There will be bud” Video hatte die Sendung sogar kurz meine vollste Sympathie. Aber wo bleibt die versprochene Leidenschaft abseits der Einspieler? Mit der Gleichgültigkeit gegenüber "Captain America" haben sie es sich zu leicht gemacht. Dito "Final Destination 5". Natürlich wird kaum der Platz vorhanden sein, um näher auf die Filme einzugehen, aber bei den beiden hätte sich ein kleiner nerdiger Rundumschlag (nicht zwangsläufig im negativen Sinne) angeboten. Schweighöfers Auftritt hätte mehr Eindruck hinterlassen, wenn er nicht angekündigt worden wäre. Was die Vorabempfehlung für Conan sollte, ist mir auch schleierhaft - allen Hoffnungen und Gutrederei zum Trotz, die beiden Moviacs scheinen vergessen zu haben wer Regisseur udn wer die Autoren des Films sind . davon zu schweigen, dass sie scheinbar den Film noch gar nicht gesehen haben. Wo bleibt übrigens der versprochene Arthouse-Faktor? Christian Ulmens Spoilerattacke war dann der Aufreger schlechthin. Kaum ein Plotpoint, der nicht in einem Nebensatz verraten wurde. Ganz großes FOUL von Ulmen und die gelbe Karte für die beiden Moviacs, weil das wäre die Steilvorlage schlechthin gewesen, um ihre Liebe zum Film zu beweisen. Wie schön wäre es gewesen, hätte die Moviacs-Redaktion Ulmens eigene Unfähigkeit, einen Film spoilerfrei wiederzugeben, mit einem zensierten Piepmassaker unterlegt. Aber da scheinen wohl Bokelberg und Ulmen zu dicke miteinander zu sein, als dass man soviel Ironie auf Kosten von Ulmen hätte riskieren können. Soviel zum Thema "Liebe zum Film". Wie sprach Stephen King einst: "Es sollte ein Gesetz verabschiedet werden, welches erlaubt, jeden, der die letzten fünf Minuten von "Der Nebel" spoilert, am Genick aufzuhängen bis er verreckt."

Nichtsdestotrotz besitzt die Pilotfolge Charme. Nur, was verspricht sich eine wöchentliche Filmsendung, die sich zweifelsfrei direkt an Filmnerds richtet? Denn diese Zielgruppe deckt sich ohnehin täglich über entsprechende Netzkanäle und Blogs mit der nötigen Portion Liebe, Leidenschaft und Witz ein. Die Pilotfolge ist auf der TVLab-Seite zum Abschuss freigegeben, im Fernsehen wird sie am 30. August um 22.40Uhr auf ZDFneo gezeigt.

BAMBULE

Auch wenn ich mich nun dem Spott von so manchem aussetzen werde, so fand ich besonders an der "Thirtysomething Personalityshow trifft auf Reporter- und Lifestyle"-Mischmasch namens "Bambule" gefallen. Mit Sarah Kuttner als Gastgeberin. Ja, ich gebe es zu, ich gehöre zu den 50 Prozent der deutschen Bevölkerung, die sie entgegen besseren Wissen und Gewissen mag - auch wenn ich sie seit gefühlten zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich ziemlich gut in dem Format wiederfinde, mich die Idee mit den gestellten Zufallsbegegnungen und dem kurzen Blick in das "merkwürdige Leben unentschlossener Großstädter zur Identitätskrisenzeiten" anspricht oder schlicht weil das OnAir-Design der Show recht schick ausgefallen ist. Panic Room lässt grüßen ;)


Daneben gibt es noch das fiktionale Format „Ausgekuschelt“. Eine Puppen-Sitcom mit abgehalfterten Maskottchen und Kuscheltieren aus der deutschen TV- und Medienszene, die in bekannter "Drawn together" und "Meet the Feebles"-Manier rumfluchen, fingierte Interviews geben und generell mit dem Muppet Klischee spielen. Wie viele Serien bereits vor ihnen. Erinnert sich noch jemand an Fur TV? Crank Yankers? Greg the Bunny? Mongrels? Die Anspielungen auf die "Ms aus Mainz" sind recht hübsch, aber generell kennt man leider jeden einzelnen dargebotenen Witz bereits aus den eben genannten Vorbildern. Aber in Deutschland muss man sich ohnehin mit dem Motto "lieber halbwegs schmerzfrei geklaut, als dass sich hier wirklich mal jemand ein Bein ausreißt" zufrieden geben.


Kurzum, TVLab ist ein hübscher Ansatz. Nicht bahnbrechend und schon gar nicht neu - was auch für  die Formate gilt Aber zumindest vermittelt dieses Konzept dem GEZ-zahlenden Zuschauer die Illusion, man könnte ansatzweise kontrollieren, in welches schwarze Loch das eigene Geld geschmissen wird.

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