Donnerstag, 18. August 2011

Kinoreview - SOMMER IN ORANGE (Kritik)


KINO: Sommer in Orange
„Eine Culture Clash-Komödie über jene Zeit, als Selbsterfahrung noch kein Mainstream und die bayerische 'Seele' noch nicht lässig war.“ Ein schön formulierter Satz aus der PR-Abteilung des Films. Ich bevorzuge jedoch: „Eine Culture-Clash-Komödie wie aus jener Zeit, als Mainstream noch lässig war und die deutsche 'Seele' nach wie vor ausschließlich aus bayrischen Klischees bestand.“ 6/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


Sommer in Orange
Marcus H. Rosenmüller ist ein Außerirdischer innerhalb seiner deutschen Zunft. Die Werke des Filmemachers wirken für so manchen Landsmann und manche Landsfrau wie aus einer anderen Welt. Zu fremd ist die Sprache, der er sich bedient, zu fremd die Figuren, die sich ihrer bemächtigen. Die sprachlichen Eigenheiten und die von ihm gerne skizzierte ländliche Idylle verpassten seinen Filmen schnell den Stempel von modernen Heimatfilmen. Ein Ruf, den Rosenmüller auch mit „Sommer in Orange“ pflegt.

Eine städtische Bhagwan-Kommune trifft auf die konservative bayrische Gastfreundschaft. Selbsterklärend, dass die süddeutsche Toleranz bei soviel frivoler Lebensfreude schnell an ihre Grenzen stößt. Manchmal amüsant, manchmal beschämend, aber stets ernüchternd. Der Film und seine Charaktere haben das Herz am rechten Fleck, was jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass hinter den orangen Bettlacken und karierten Trachten eine pure Konzentration Klischees und Stereotypen ihre Arbeit verrichtet. Spießertum trifft auf Freigeister, freie Liebe auf verklemmte Händchenhalter. Die simple Zeichnung aller Charaktere wird bei aller Liebenswürdigkeit ein anstrengender Kraftakt für den Zuschauer. Holzhammercharaktere treffen auf Holzhammeransichten, für jedes Problem gibt es die richtige Figur: Die naive, selbstsüchtige Mutter; der eifersüchtige Bhagwan-Partner; der tolerante Briefträger; der erzkonservative Bürgermeiste. Für Grautöne oder Ambivalenz ist kein Platz in dieser auf das nötigste abstrahierten Welt. Dies erscheint umso trauriger in Anbetracht der wahren Erlebnisse der Geschwister Ursula und Georg Grube - ihres Zeichen Drehbuchautorin und Filmproduzent von „Sommer in Orange“ - die in ihrer Kindheit in einer solchen Kommune nahe München aufwuchsen. Und diese fielen sicherlich wesentlich fassettenreicher aus als ihre filmische Interpretation. Am Ende wird einem eine geläuterte Heilewelt präsentiert. Etwas Ironie hätte dem ganzen seine übersprudelnde Süße genommen. Die Schlussszene des Films ist bezeichnend für den ganzen Film: Kühe und Elefanten trotten träge über bayrisches Grün, womit Land und Leute von der simplen, klischeeträchtigen Denkweise des Films unmissverständlich wiedergegeben werden.

Einfühlsamkeit findet nur auf der Ebene des Schauspiels statt. Das Aufeinandertreffen der Kulturen sorgt für Erheiterung aber ohne tiefere Impulse zu setzen. Vielleicht resultieren das schwarzweiße Weltbild und ihre Oberflächlichkeit aus der Erzählung des Kindes. Immerhin vermag es die Figur der Lili, die mit ihren jugendlichen Augen die Perspektive des Films bestimmt, dem Culture-Clash einige weniger verwelkte Blüten abzuringen. Lilis Zerrissenheit zwischen der ihr bekannten von Bhagwan geprägten Sannyasbewegung und der Verlockungen eines normalen, konservativen Lebens entfalten das größte, dramatische Potential.

„Eine Culture Clash-Komödie über jene Zeit, als Selbsterfahrung noch kein Mainstream und die bayerische 'Seele' noch nicht lässig war.“ Ein schön formulierter Satz aus der PR-Abteilung des Films. Ich bevorzuge jedoch: „Eine Culture-Clash-Komödie wie aus jener Zeit, als Mainstream noch lässig war und die deutsche 'Seele' sich noch ausschließlich aus bayrischen Klischees zusammensetzte.“ (Originalkritik für KultHit.de)

6/10

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