Freitag, 19. August 2011

Kinoreview - CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER (Kritik)



KINO: Captain America: The First Avenger
Nostalgisches Flair, eine gewisse Abenteuerromantik irgendwo zwischen Errol Flynn und Indiana Jones und Larger than Life-Action. Aber zeitgemäßes Blockbusterkino sollte auch inhaltliche Zweidimensionalität durchbrechen können, was diesem "Rocketeer auf Anabolika" Verschnitt nicht gelingt - von der billigen, nachträglich konvertierten 3D-Stereoskopie ganz zu schweigen... 7/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


Captain America: The First Avenger
Der Comicverlag Marvel praktizierte bis in die frühen 2000er Jahre einen Ausverkauf der eigenen Superhelden, erfreute sich an den gut bezahlten Tantiemen und beschränkte sich ansonsten darauf, zu beobachten, wie die großen Hollywoodstudios aus den zellulosen Comics echte Zelluloid-Helden machten. Mit einigen der übriggebliebenen Figuren wollte der Verlag den Spieß umdrehen und eigene Filmreihen gründen, die über einen besonderen Vorteil verfügen sollten: Ein einziges, filmübergreifendes Marvel-Universum, in dem alle Helden Hand in Hand agieren konnten. „Captain America“ stellt der Nachzügler dieses Masterplans dar und bildet gleichzeitig einen vielversprechenden Startschuss.

Was den Patrioten auszeichnet, ist sein nostalgischer Flair, was sicherlich dem Regisseur Joe Johnston zu verdanken ist, der bereits mit seiner schändlich unterschätzten Comicadaption „Rocketeer“ ähnliche Wege beschritt. In der ersten Hälfte lebt „Captain America“ zudem von einer klassischen Abenteuerromantik, die irgendwo zwischen einem Errol Flynn und Indiana Jones zu suchen ist. Der Held ist stets Herr seiner Lage und in seiner Tugendhaftigkeit unübertroffen, die Bilder verlieren nie ihre verklärende Wirkung und der Schrecken des Feindes beschränkt sich auf böse Blicke und altmodische Machtparolen. Kein Zweifel, eine solche Konzentration von guten, altmodischen Filmwerten verfehlt nicht nur nicht ihre Wirkung, sondern hebt sie auch von so manchem hyperaktiven Genrekollegen ab. Die Action ist in ihrer „Larger than life“-Prämisse kaum zu überbieten, nichts anderes erwartet man schließlich von einem Superhelden, der sich im zweiten Weltkrieg gegen Hitlers Schergen stellt.

Zur allgemeinen Beruhigung, „Captain America“ wurde nicht das patriotische Filmpamphlet, das einige aufgrund des Namens vielleicht erwarteten. Der Titel allein dürfte besonders außerhalb der US-amerikanischen Grenzen für tiefes Stirnrunzeln gesorgt haben. Aber Cap - wie der Held liebevoll in Fankreisen genannt wird - war selbst zu seinen besten Comiczeiten kein einfältiger Flaggenhisser, sondern entwickelte auch ein ambivalentes und selbstironisches Verhältnis zu Onkel Sam. Auch wurden seine Gegner zusehends fassettenreicher. Leider eine Entwicklung, die die Filmemacher ignorierten, das Feinbild in der filmischen Umsetzung ist trotz Hugo Weavings gewohnt soliden Verkörperung des Bösewichts mehr als nur simpel ausgefallen. Filmnazis waren in Unterhaltungsfilmen ohnehin stets Karikaturen ihrer selbst, nicht erst sei Indiana Jones. Trotzdem hätte mehr Variation in der Darstellung des Faschismus dem Film gut gestanden. Generell wirken die Handlung und die Filmfiguren zu sehr dem Blockbusterschema angepasst. Auf wenige Charaktereigenschaften reduziert, alle notwendigen und vorhersehbaren Handlungspunkte abarbeitend, ließen die Macher dem Film keinen Raum, um mehr zu sein als „nur“ ein Fließbandprodukt. Darüber vermag selbst die in der ersten Hälfte des Films ausgeprägte Selbstironie nicht hinwegzutäuschen. Die infantile Schwarzweiß-Denkweise und sein erschreckend einfallsloser Showdown kosten den Film zusätzliche Sympathiepunkte. Ein unnötiges Ärgernis ist außerdem die Untergrabung der finalen Auflösung durch den vorangestellten Prolog. Dessen Daseinszweck besteht einzig darin, den grundsätzlich gelungenen und notwendigen Brückenschlag zu den anderen Marvelfilmen zu spoilern.

„Captain America“ bietet mit seiner Interkonnektivität innerhalb des Marvel-Universums eine bunte Schatzkiste für alle Comicfans und schürt die Vorfreude auf das 2012 startende Superheldentreffen „The Avengers“ (Abspann-Sitzenbleiber werden erneut entlohnt), sollte aber auch dem unbedarften Kinopublikum Spaß bereiten. Doch zeitgemäßes Blockbusterkino muss auch inhaltlich die Zweidimensionalität durchbrechen, was Cap nicht gelingt. Apropos: Die 3D-Stereoskopie ähnelt einem konvertierten Schuhkarton-Theater. Lediglich bei VFX-Szenen kommt etwas Räumlichkeit ins Spiel. Ungefähr ein Fingerhut breit... (Originalkritik für KultHit.de)

7/10

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