Mittwoch, 27. Juli 2011

Vorschau - FANTASY FILMFEST 2011

Neues Jahr, neues Fantasy Filmfest-Glück. Wieder wurde vom Festivalveranstalter ein Programm mit knapp 70 Filmen zusammengestellt, die in den letzten Wochen Tröpfchenweise durchgesickert sind. Seit diesem Montag steht nicht bloß das fertige Programm, sondern auch der Tagesplan für Berlin fest!


Filmfestivalveteranen wissen was das bedeutet: Tagesplan ausgedruckt, Stift gezückt, Sparschwein geschlachtet und dann geht es ans Eingemachte. Fast 70 Filme wollen recherchiert und vorverurteilt werden. Die vielleicht schönste Phase bei Filmfestivals - abgesehen von den Filmen selbst natürlich. In einem drei Stunden Kraftakt habe ich gestern nun alle Filme recherchiert, insbesondere auch mit Quellen abseits der Texte des FFF-Veranstalters gegengecheckt. So eindringlich die Redaktuere des FFF ihre Geheimtipps anpreisen, so subtil blenden sie bei den Rohrkrepierern - dennoch an dieser Stelle ein großes Lob an die Schreiberlinge des Festivals, eure Texte lesen sich nicht nur ausgezeichnet und zeugen von Sachverstand, sondern enthalten genügend Raum zwischen den Zeilen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Auf diese Weise habe ich die Filme auf 30 grundsätzlich interessante Titel runterbrechen können. Der Sondierungsprozess dieser Filme fühlt sich jedes Jahr - und generell bei jedem Filmfestival - so an, als ob man als Zehnjähriger wieder einen Weihnachtswunschzettel bastelt!


Zunächst meine persönlichen Favoriten, die (mich) gar nicht enttäuschen können. Jeder einzelne eine sichere Bank:

- Attack the Block
Produziert von Edgar Wright, verkürzt dieser Film die Wartezeit auf The Worlds End wie kein anderer. Aliens landen in Londons Gangsterviertel und die dort ansässigen Kleinkriminellen und Halbstarken sind not amused. (Trailer)

- Hesher
Joseph Gordon-Levitt als chaotischer Pyromanen-Slacker in einer "Symphony of Destruction" und Rainn Wilson sowie Natalie Portman mitten drin. Der Trailer sagt alles! (Trailer)

- Hideaways
Eine realistisch-romantische Version von X-Men. Junge mit abartigen Fähigkeiten trifft Mädchen mit abartigen Fähigkeiten. Ich liebe solche Außenseiterstories mit surrealem Hintergrund. Was letztes Jahr bei mir Timer vermochte, erhoffe ich mir diesmal von Hideaways - ein Rundum-Wohlgefühl mit einer Note Sci-Fi.

- Snowtown
Die einen vergleichen den Film mit Darren Aronofskys Reqiem for a Dream, die anderen mit Gaspar Noe. Einig sind sie sich darin, dass der Film einem in Watte gepackter Amboss gleicht, der direkt auf den Zuschauer zusteuert. Bester australischer Film seit...nur auf den Zeitraum können sich die Kritiker nicht einigen. (Trailer)

- Super
Mein persönlicher Hoffnungsträger Nummero Uno. Dieser Film wird EPISCH!! Batman, Kick-Ass, Defendor und Griff können einpacken! Warum? Der Trailer sagt es euch! Und dieser Clip ^^



Es folgen die sehr vielversprechenden Filme, für die ich zwar nicht meine Hand ins Feuer legen würde, aber zumindest meine Cineastenehre darauf verwette:

- 22nd of May
Koen Mortier, Regisseur von Ex-Drummer, beweist hiermit neben seiner ausgeprägten Härte auch zum ersten Mal ein Gespür für Tragik. Der Protagonist erlebt ein Bombenanschlag immer und immer wieder, stets durch andere Perspektiven und wird von den Toten heimgesucht. Ein Film, der wie ein poetischer Bauchklatscher wirken könnte. (Trailer)

- The Assault
Spielbergs München trifft auf Greengrass' Flug 93, nach einer wahren Begebenheit soll der Film Anti-Terror-Action exzellent mit dem zwischenmenschlichen Drama der Angehörigen verbinden. Der Trailer fesselt ab der ersten Sekunde. (Trailer)

- Cowboys and Aliens
Cowboys, Aliens und Olivia Wilde. Klingt nach Spaß, auch wenn der Grat zwischen Spaß und Schwachsinn, auf dem der Film wandelt, bedenklich schmal erscheint. Aber Firefly und Serenity liegen viel zu lange zurück und die Cowboy Bebop-Verfilmung dauert noch Jahre, also muss neues Sci-Western-Futter her! (Trailer)

- The Divide
New Yorks letzter Atemzug. Explosionen verwüsten die Stadt. Die Bewohner eines Hochhauses retten sich in den Keller, wo der Schrecken dieses Sci-Fi-Psycho-Thrillers erst beginnt. Mit Michael Biehn und Rosanna Arquette. Sci-Fi-Filme am FFF sind rar genug, da nimmt man jeden mit Kusshand, zumal sich die Kritiken zu The Divide sehen lassen können. (Trailer)

- Don't be afraid of the dark
Einer von Del Toros Schößlingen soll den Meister fast übertrumpft haben. Pans Labyrinth trifft auf Creaturemovie trifft auf Geisterhausgeschichte - mit Guy Pearce und Katie Holmes. (Trailer)

- Julia X 3D
Torture Porn Comedy, ein Genre dass ich seit The Loved Ones liebe. Dazu handelt es sich hierbei um einen stereoskopischen Low-Budget-Film, was ihn zusätzlich interessant macht. Aber zugegeben, Julia X 3D verfügt über gewaltiges "Könnte auch mächtig in die Hosen gehen"-Potential, gerade weil es kaum Informationen über den Film zu finden gibt. Also nehmt den Spruch mit der Cineastenehre bei diesem nicht zu wörtlich...

- Perfect Sense
Die Stadt der Blinden ohne Zeigefinger, mit Eva Green und Ewan McGregor als Liebespaar in mitten einer apokalyptischen Pandemie. Die Tagline lautet: "A modern Lovestory" und das während die Menschheit zu Grunde geht. YES! (Trailer)

- Phase 7
Was tun, wenn der Weltuntergang bevorsteht, man aber aufgrund einer verhängten Quarantäne nicht die eigenen vier Wände verlassen darf? Die Bewohner eines Wohnblocks finden sich in dieser Situation wieder und erleben die wahre Hölle - auch ohne Zombies. The Burbs trifft auf Endzeit-Thriller. (Trailer)

- Stake Land
28 Days Later trifft auf The Road und einer Prise Neo-Western. Hart, dreckig und unerbittlich. Aber scheinbar auch exzellent erzählt und ohne ein Übermaß an Klischees. (Trailer)

- Territories
Welcome to the United States: Brutales Mini-Guantanamo in der Wildnis, einer der Geheimtipps des FFF. Ich zitiere: "Ein grausamer Film. Ein starker Film." (Trailer)




Und der interessante Rest, der jedoch bereits einige Schwächen anhand der Trailer oder zu viele Klischees erkennen lässt - oder schlicht thematisch nicht 100% meinen Geschmack trifft:

- Americas Transition
Die französische Antwort auf Natural Born Killers, mit einer gemeingefährlichen Auffassung von Romantik, wie sie nur die Franzosen kennen. Brutal, erotisch, interessant. (Trailer)

- F
Wenn sie zu ernst ausfällt, gehört diese Art von Slasherfilmen eigentlich weniger zu meinem Speiseplan. Aber bei diesem Programmtext (und Trailer) wurde selbst ich hellhörig: http://www.fantasyfilmfest.com/filme/F.html
(Trailer)

- Good Neighbours
Genreregeln werden gebrochen, Schauspieler narren den Zuschauer und Vergleiche mit Polanskis Repulsion und Rosmarys Baby werden gezogen. Die Kritiken sind auch mehr als nur versöhnlich. (Trailer)

- Point Blank
Adrenalin, Spannung und Action nonstop. Luc Besson hat seine Finger ausnahmsweise nicht im Spiel, dennoch erinnert das Ganze unweigerlich an Taken. Kein Film über den es sich nachzudenken lohnt. Man fühlt ihn, man lebt ihn. Und das mitten in Paris. (Trailer)

- Rabies
Schwarz, schwarzer, Rabies. Ein israelischer Slasher und scheinbar die böseste Filmperle des ganzen Festivals. Trailer überzeugt aber noch nicht wirklich... (Trailer)

- Red State
Blut, Sekten und schwarzer Humor - und das Versprechen, Kevin Smiths bester Film seit Jahrzehnten zu sein. Hört hört... (Trailer)



Jedes Jahr gibt es auch zwei bis drei Spaß-Querschläger, die ausgenudelte Subgenres aufs Korn nehmen. Meist bauen diese Filme auf einem zentralen Witz auf, der ohne Rücksicht auf Verluste ausgeschlachtet wird. 2007 wars Fido, 2008 Dance of the Dead, 2009 Wasting Away und letztes Jahr Tucker and Dale vs. Evil. Für alle Fun-Slasher/Splatter/Nonsens-Freunde ein Fest, aber wie ich besonders 08 und 09 feststellen musste, ein Konzept mit enormen Ermüdungserscheinungen. Dennoch, Fans solcher Filme sollten sich dieses Jahr folgende Filme hinter die blutigen Ohren schreiben:

- Deadheads
Nur weil einem das Fleisch von den Knochen wegfault und man plötzlich auf Menschenblut angewiesen ist, muss man doch nicht gleich überstürzt das bisherige Leben aufgeben. Könnte lustig sein, aber eben, der  "Hey, Zombies sind auch Menschen"-Witz könnte auch ganz schnell überstrapaziert werden. (Trailer)

- The Revenant
In eine sehr ähnliche Kerbe schlägt auch The Revenant, macht aus dem ganzen aber ein respektloses Buddymovie und hatte auch ein sichtlich größeres Budget zur Verfügung. Die Kritiken lesen sich sehr gut - wenn man ein Freund von solchen Genreverballhornungen ist. (Trailer)

- Saint
Erinnert ihr euch an den finnischen Rare Exports, wo Santa Clause einige neue (fiese) Fassetten abgerungen wurden? Stellt euch das selbe Prinzip mit dem heiligen Nikolaus vor, der very pissed off die Niederlande heimsucht. Nur soll der Film an einigen gravierenden Mängeln kranken und leider nur partiell die Dynamik und Spaß des Trailers transportieren können. (Trailer)

- Norwegian Ninja
Der Name ist Programm. Ziemlich gaga und ziemlich schräg. Vielleicht zu schräg, denn relativ bald soll der Film chaotisch und wirr werden. (Trailer)

Und da wären noch zwei Filme, die plastischen Spaß auf sehr seichtem Niveau bieten dürften. In dieser Kombination hat man Torture Porn noch nie gesehen:

- Final Destiantion 5 - 3D
Was gibt es zu dieser Filmreihe noch zu sagen? Und sie sterben noch immer auf wahnwitzige Weise. Leg dich nicht mit Gevatter Tod an, erst recht nicht in 3D. Was den Film ansatzweise interessant macht: Regisseur Steven Quale ging bei James Cameron in die Lehre - bei Titanic und Avatar um genau zu sein. (Trailer)

- 3D Sex and Zen: Extreme Ecstasy
Der erste 3D-Pornofilm, der in China einspieltechnisch sogar Avatar in den Schatten stellte. Der Trailer ist eine wahre Spaßgranate, auch ohne eine einzige Sexszene zu zeigen. Dennoch hält sich mein Interesse den Film in seiner ganzen Pracht sehen zu müssen in Grenzen. Ich hoffe, man(n) hinterlässt den Saal in "sauberem" Zustand, danach läuft nämlich Hesher... (Trailer)



Das Kleingedruckte: Wie immer heißt es auch hier, alle Angaben sind ohne Gewähr und es herrscht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Zudem bin ich kein Freund von zu linearen oder stereotypen Genrekost. Darum sucht man bei meiner Vorschau reine Horrorfilme vergebens. Ich bevorzuge Filme abseits der Spur, die zwischen den Genres wandeln und öfters mal mit dem Kopf durch die Wand rennen - gerne auch mit dem Kopf des Zuschauers. Vielleicht noch ganz interessant als Vergleich, meine FFF-Vorschau 2010.



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