Freitag, 29. Juli 2011

Kinoreview - CARS 2 (Kritik)


KINO: Cars 2

Neues Modell, alte Teile: Actionreicher, dynamischer und auch lustiger als sein Vorgänger, doch die alten Pixar-Tugenden gingen in dieser James Bond-Parodie völlig vergessen. Man möchte emotional umgarnt und nicht von Sinneseindrücken erschlagen werden. 6/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film





Cars 2
Es ist kein Geheimnis, dass „Cars“ das alte Pixar-Versprechen nicht einhalten konnte, für das das Studio so geliebt wird. John Lasseters Rezept für gute Filme vermischt „eine außergewöhnlich gute Geschichte voller Emotionen und Humor mit wahrhaftigen Charakteren und einer glaubwürdigen Welt, zeigt Dinge die der Zuschauer bis dato nicht kannte und lässt ihn sich gleichzeitig im Film wiedererkennen“. „Cars“ hatte in erster Linie mit der glaubwürdigen Welt und dem Identifikationsfaktor zu kämpfen, was durch die menschenlose aber zutiefst vermenschlichte Welt verursacht wurde. Nichtsdestotrotz schien jemand von der Idee einer Fortsetzung überzeugt gewesen zu sein und Autonarr John Lasseter ließ es sich nicht nehmen, die sprechenden Autos erneut vom Band zu rollen.

Wo „Cars“ auf seiner Landidylle und dem Aufeinandertreffen von arroganter Stadt- und verschlafener Landmentalität baute, gibt sich der Nachfolger als humoristischer Actionfilm mit Bondflair. Zusätzlich finden sich einige unübersehbare Anleihen an die klassischen Verwechslungskomödien wieder, allen voran Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“, was der verrosteten Karosserie von Mater zumindest kurzfristig neuen Glanz verleiht. Doch Mater ist kein Lightning McQueen. Aus einem ehemaligen Sidekick einen tragfähigen Protagonisten zu machen, ist ein riskantes Manöver und im Falle von „Cars 2“ mit nervenbelastenden Nebenwirkungen. Jedes seiner Fettnäpfchen wird zur spektakulären Actionszene ausgebaut, ein Trick, der schnell zur nervösen Aneinanderreihung verkommt - auf Kosten der Herzlichkeit. Der freundschaftliche Aspekt ging vollends verloren, stattdessen wurde eine konstruierte Liebesgeschichte aufgedrückt. Auch die subtilen Botschaften der bisherigen Pixarfilme sucht man vergebens und wichen penetranten Selbsthilfeweisheiten.

Entschädigt wird der Zuschauer dafür von dem grenzenlosen Detailreichtum. Aus Big Ben wird Big Bentley, im Hintergrund sind Werbebanner für „Lassetyre“ zu lesen und als Tauben fungieren kleine Propellerflugzeuge. Wie ein Kinderbuch entfaltet sich der Film und in jeder Ecke sind neue Überraschungen zu finden. Auch die Stimmen von Schauspielern wie Franco Nero, John Torturro, Thomas Kretschmann oder Michael Caine sorgen für frische Akzente. Was „Cars 2“ allen anderen Pixarfilme voraus hat, ist seine 3D-Verwendung - stimmig, tief und einfallsreich. Pixar war bislang sehr bemüht, dezente 3D-Effekte zu verwenden, doch diese Schau haben sie vorerst abgelegt. Aber das sind im Endeffekt nur Oberflächlichkeiten, was dem Film fehlt, ist das Pixar-typische Wohlgefühl. Das kleine warme Etwas, das selbst Erwachsene strahlen lässt. „Cars 2“ ist actionreicher, dynamischer und vielleicht auch lustiger als sein Vorgänger. Aber das trifft auch auf die meisten Dreamworksfilme zu - bei Pixar will man mehr. Man möchte emotional umgarnt und nicht von Sinneseindrücken erschlagen werden.

John Lasseter sagte einst, dass seine Arbeit als Creative-CEO von Disney und seinen drei Studioabteilungen - Disney Animation, DisneyToon und seinem eigenen Kind Pixar Animation - einer dreifachen Chefposition entspreche und jede Einzelne davon einem Fulltimejob gleiche. Aber selbst das wäre kein Vergleich mit dem Arbeitsaufwand eines Regisseurs. Also liegt die Annahme nahe, dass sich sein Engagement bei „Cars 2“ nicht unbedingt förderlich auf das Projekt ausgewirkt hatte. Zumal sein unerfahrener Co-Regisseur Brad Lewis keine wirkliche Hilfe gewesen sein konnte, wenn dieser fast zeitgleich mit Beendigung des Films zur Konkurrenz - zum neugegründeten Animationsstudio der Visual Effects-Schmiede Digital Domain - gewechselt ist.

Im direkten Vergleich halten sich die beiden Vehikel die Waage. Das Genre wurde gewechselt, das Tempo angezogen, aber die Problematik blieb die selbe. Die Autos wirken nur selten wie lebendige Charaktere und die automatisierte Welt nur selten glaubwürdig. Kinder werden darüber womöglich besser hinwegsehen können, womit Pixar sein erster reinrassiger Kinderfilm gelungen wäre, der gleichzeitig aber die Erwachsenen vollkommen ausschließt. Wenn man bedenkt, dass dies bis dato das Geheimnis des Studios war, lässt sich die Enttäuschung nur noch schwer verbergen, selbst mit den ohnehin gedämpften Erwartungen, die dem Film entgegengebracht wurden.
(Originalkritik für KultHit.de)

9/10

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