Donnerstag, 30. Juni 2011

Kinoreview - X-MEN: FIRST CLASS (Kritik)


KINO: X-Men: First Class (X-Men: Erste Entscheidung)
Verbindet Bryan Singers dramaturgisches Feingefühl und Verständnis mit einer herrlichen Bond-Romantik und einem Actiongrad, der es in sich hat. 9/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film



X-Men: First Class
(X-Men: Erste Entscheidung)
Matthew Vaughn, seines Zeichens zufriedener Underdog-Regisseur von Filmen wie „Layer Cake“, „Stardust“ und „Kick-Ass“ - Filme, die das Prädikat „Geheimtipp“ in alle Genreecken trugen - hat es endlich getan: Er hat mit „X-Men: Erste Entscheidung“ seinen ersten, wahrhaftigen Blockbuster produziert. Eigentlich sollte er bereits „X-Men: Der letzte Widerstand“ umsetzen, aber massive Differenzen mit 20th Century Fox ließen ihn die Notbremse ziehen, was uns Filmfans stattdessen „Stardust“ und „Kick-Ass“ bescherte. Glücklicherweise!

Es war ein schweres Erbe, das Matthew Vaughn zusammen mit seiner Stammautorin Jane Goldman antreten musste. Bryan Singer, der die ersten beiden X-Men Filme inszenierte, legte hohe Maßstäbe, die selbst vom durchwachsenen dritten Teil nur dezent runtergesetzt wurden - gewisse katastrophale Spinoffs bleiben aus Liebe zum Franchise und des eigenen Blutdrucks bewusst unberücksichtigt. Der „Kick-Ass“-Regisseur gab früh zu Protokoll, dass er beabsichtige, mit größtmöglicher Sorgfalt eine Vorgeschichte zu schaffen, die sich nahtlos in die restliche Trilogie einfügt. Später ruderte er und Autorin Goldman etwas zurück, in dem sie bekannt gaben, dass sie sich einige Freiheiten herausnahmen, um dramaturgisch mehr aus dem Film herausholen zu können. Und tatsächlich, „X-Men: Erste Entscheidung“ geht einen riskanten Weg zwischen Prequel und Neuverfilmung, ähnlich dem eines „Star Trek“. Die Charaktere, die Umwelt - vieles fühl sich vertraut an - gleichzeitig trifft der Film jedoch einen härteren, ernsteren Grundton, nicht nur mit seiner Akustik, die einige Assoziationen mit „The Dark Knight“ weckt. Einige nicht unwesentliche Details der Charaktere wurden verändert. Stark genug, um Comicfans auf die Barrikaden steigen zu lassen. Doch Vaughn und sein Team schaffen es im selben Augenblick auch den kritischsten Zuschauer wieder für sich zu gewinnen. Dies liegt einerseits an der Sorgfalt, mit der der Film mit seinen Figuren umgeht, aber auch an den Schauspielern, die diese mit Leben erfüllen. Michael Fassbender dominiert mit seiner physischen Präsenz den gesamten Film und fügt Ian McKellens intellektuellen Ruhelosigkeit einen fast noch bedrohlichere Unberechenbarkeit hinzu. Die hochgradige Besetzung erstreckt sich bis in die hinterste Nebenrolle. Jennifer Lawrence, Rose Byrne, Oliver Platt, Nicholas Hoult, Kevin Bacon und natürlich James McAvoy, alle zusammen treten in große Fußstapfen und meistern ihre Aufgabe mit Bravur. Das altbekannte Prequelproblem - die Vorkenntnisse des Zuschauers, die einen Spannungsverlust bewirken können - umging der Regisseur mit den Nebenrollen, die mit ihren hohen Sterblichkeitsraten für dramaturgische Spitzen sorgen. Als Geniestreich darf die Entscheidung gewertet werden, den Film in bester James Bond-Manier mit der Thematik des Kalten Krieges spielen zu lassen und historische Eckdaten für sich zweckzuentfremden, ähnlich wie auch mit einigen Comicfakten frei umgegangen wurde. Zudem bediente sich der Regisseur eines Bösewicht-Stereotyps, das direkt aus der Connery-Bondära stammen könnte - inklusive der wunderbaren 60er-Jahre Ausstattung und Frisuren.

„X-Men: Erste Entscheidung“ verbindet Bryan Singers dramaturgisches Feingefühl und Verständnis mit einer herrlichen Bond-Romantik und einem Actiongrad, der es in sich hat. Zugegeben, an manchen Stellen wirkt das Prequel wie die jugendfreie Version von „Team America: World Police“, doch wie heißt es so schön: „X-Men, Fuck Yeah!“ Und einen erfreulichen Nebeneffekt bietet „X-Men: Erste Entscheidung“ außerdem: Die Frage nach dem Regisseur für den übernächsten Bondfilm sollte nun geklärt sein. (Originalkritik für KultHit.de)

9/10

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