Sonntag, 5. Juni 2011

Kinoreview - THE HANGOVER 2 (Kritik)


KINO: The Hangover 2
Hangover 1.5: Selbe Rezeptur, selben Witze, kaum mehr Effekt. 5/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

The Hangover 2
2009, als „Hangover“ in die Kinos kam und sich als die Kinoüberraschung des Jahres herausstellte, versuchten einige Kritiker den Film auf intellektuelle Weise zu erfassen. Zu ergründen, was hinter der Oberfläche des Las Vegas-Exzesses liegt. Die Subplots herauszufiltern und seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. „Hangover“ war in den Augen von den Fans jedoch schlicht ein Film, der den Moment zelebrierte, in einer Weise, die dem extremen, unmittelbaren Zeitgeist entsprach. Er nahm kein Blatt vor den Mund und warf den Zuschauer direkt in die Rolle eines imaginären Junggesellen, der zusammen mit dem Wolfpack langsam dem durchzechten Wahnsinn auf die Spur kam. Das Konzept, die Charaktere und der provokante Humor, der aber nie zur reinen Blödelei verkam, zeichneten den Überraschungshit aus. Mit Betonung auf „Überraschung“.

Denn da liegt nun das Wolfsrudel begraben: Wie soll die Fortsetzung des größten Überraschungshits des Jahres ohne das Überraschungsmoment bestehen? Mit den nun geprägten Erwartungen im Rücken, dem offenbarten Konzept und den Charakteren war per Definition kein solcher Effekt mehr zu erzielen. Regisseur Todd Phillips und sein Team entschieden sich, es dennoch zu versuchen und „Hangover“ originalgetreu zu kopieren. Das Wolfsrudel unverändert mit der selben Ausgangslage und derselben exzessiven, drogengeschwängerte Selbstzerstörung von der Leine zu lassen. Lediglich das Setting wurde von Las Vegas nach Thailand verlagert. Der erste Teil wußte universell zu überzeugen und kannte keine Einschränkungen. Alt und jung, Mann und Frau, Gelegenheitskinogänger und Cineast, sie alle hatten einen Narren an den verkaterten Chaoten gefressen und ließen den Film zu einem kleinen Klassiker des Komödienfachs avancieren.

„Hangover 2“ fehlt es nicht an Witz, nicht an Tempo - aber an Charme und Frische, an Ideen und Charakter. Für die Fans des ersten Teils stehen die Chancen 50 zu 50, dass sie den Zweiten ähnlich euphorisch aufnehmen werden. Bei manchen mag erneut der Funke zünden, aber mit Sicherheit wird die andere Hälfte im Kino sitzen und sich trotz des Gelächters des Sitznachbarn fragen, warum man sich nicht auch mit den anderen zusammen gegenseitig auf die Schenkel klopft? Es mag an dem faden Geschmack von bereits Wiedergekautem liegen. „Hangover 2“ ist weniger eine Fortsetzung als ein Remake. Es fehlt auch die Konzentration auf das Wesentliche, die das erste Rudel auszeichnete. Die nun „gereiften“ Charaktere verlieren sich stattdessen in Erklärungsnot, der Film will ihnen ein Gewissen und Mitgefühl verleihen, wie sie in den biedersten, romantischen US-Komödien zu finden sind. Das Ende macht aus dem ehemals straffem und exzellent getimten Junggesellenfiasko des Wolfsrudels ein sentimentales Klassentreffen einiger ungezogener Hundewelpen. Erst im Abspann, bei den obligatorischen Schnappschüsse des feuchtfröhlichen Abends, kommen die Qualitäten und der Geist des Vorgängers ansatzweise zum Vorschein. Reichlich spät für eine Kopie, die 90 Minuten lang nichts anderes versucht hatte. (Originalkritik für KultHit.de)

5/10

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