Samstag, 4. Juni 2011

Kinoreview - DIE RELATIVITÄTSTHEORIE DER LIEBE (Kritik)


KINO: Die Relativitätstheorie der Liebe
Wenn Media Markt-Regisseure ihre Werbespots zu Kinofilmen verklären und Klassikern wie "Harry und Sally" nacheifern, ist selbst Albert Einstein nicht mehr sicher. 5/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Die Relativitätstheorie der Liebe
Was soll man von Filmen halten, in denen sich ein Schauspieler in Mehrfachrollen beweisen will und die sich dazu noch der leichteren Komödienunterhaltung widmen? Meist herzlich wenig. Bereits zu Jerry Lewis Zeiten waren solche schauspielerischen Kniffe nur bedingt lustig und spätestens wenn Mike Myers oder Eddie Murphy in aufwendiger Maskerade über die Leinwand hampeln, werden des Zuschauers Nerven nachhaltig geschädigt. Bei „Die Relativitätstheorie der Liebe“ versuchen sich nun Olli Dittrich und Katja Riemann gleich in jeweils fünf Rollen. Kein gutes Omen. Wenn wir die böse Vorahnung noch zusätzlich schüren wollen, müssen wir nur den Regisseurposten in Augenschein nehmen. Ein gewisser Otto Alexander Jahrreiss. Kennt man nicht? Vielleicht nicht namentlich, aber seine Media Markt Werbespots mit Olli Dittrich - natürlich in Mehrfachrollen - dürften einem größeren Publikum bekannt sein, als „Die Relativitätstheorie der Liebe“ je erreichen wird. Somit hat sich auch die Frage geklärt, woher die Macher ihre außerordentliche Inspiration für den Film nahmen.

Apropos Inspiration: Man muss kein Filmkenner sein, um die Vorbilder zu erkennen, die für „Die Relativitätstheorie der Liebe“ Pate standen. Bei genauerem Hinsehen wird aus der Vorbildfunktion eine weniger schmeichelhafte Götzenverehrung von Filmen wie „Harry und Sally“ oder „Tatsächlich Liebe“: Einerseits fällt die episodenhafte Erzählung von scheinbar beliebigen Charakteren, deren Wege sich gegen Ende kreuzen und gemeinsame Beziehungen offenbaren, auf. Andererseits ist der Trick mit dem fingierten, dokumentaren Interviewstil der Protagonisten, die ihr Liebesleid direkt in die Kamera klagen, nicht zu übersehen. Selbst in Deutschland wurden beide Stilmittel schon mehrfach verwendet und öfters strapaziert als einem lieb ist. Was den Film ansatzweise von anderen abhebt, ist seine ungenierte Konzentration auf einige wenige Großstadt-Stereotypen, die von den beiden Hauptdarstellern wie nicht anders zu erwarten war, souverän dargeboten werden - Dittrichs bekannte Improvisations-Comedysendung „Dittsche“ lässt grüßen. Um die romantische Note nicht im Keim zu ersticken, vermeidet der Film zu große persönliche Schicksalsschläge. Es werden einige soziale und persönlich Wunden aufgerissen, aber für das obligatorische Happy-End auf sehr erzwungene und wenig glaubwürdige Weise gekittet. Der Humor kann als typisch deutsch, aber untypisch zurückhaltend beschrieben werden. Tatsächlich liegt der Hauptreiz des Films in den Charakteren und ihrer völligen Überforderung sowie der Situationskomik, die daraus resultiert.

Was bleibt ist eine bei allem Widerwillen sympathisch-naive Liebeserkenntnis: „Liebe ist, zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein. Alles andere bringt nichts.“ Ob sich der Zuschauer bei aller Liebe zum Kino ein Gefallen tut, bei „Die Relativitätstheorie der Liebe“ zu den - richtigen - Spielzeiten im - richtigen - Kino zu erscheinen, bleibt jedoch fraglich. Es gibt sich zwar keiner der Beteiligten die Blöße, selbst Otto Alexander Jahrreiss beweist ein subtiles Handwerk mit einigen schön eingefangenen Berlinaufnahmen. Aber wer die amerikanischen oder französischen Meister des leichteren Liebesfilms kennt, dem bieten einige zweckentfremdete Einsteinzitate und schöne Berlinaufnahmen keinen wirklichen Mehrwert.
(Originalkritik für KultHit.de)

5/10

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