Sonntag, 19. Juni 2011

Filmreview - PERSEPOLIS (Kritik)



FILM: Persepolis
Heute Abend auf 3sat: Eine entwaffnende Punkbekennung in einem fundamentalistischen Unterdrückungsstaat. Wer nur konsumieren will ohne zu reflektieren, ist bei diesem Film fehl am Platz. Mitdenken erhöht die Faszination.
8/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film



Persepolis
Allein schon wegen der brisanten, inhaltlichen Thematik und seiner Herangehensweise empfiehlt sich dieser Film als Meisterwerk. Aber man höre und staune, der stilisierte und sehr drastisch reduzierte Look sprengt jegliche Sehgewohnheiten und man fühlt sich innerhalb der ersten fünf Minuten so stark in den Film versetzt, dass man glaubt, man bestünde selbst bloß aus Schwarzweiß-Kontrasten.

Die Story und historischen Fakten werden auf solch eine sorglose Art und Weise dem Zuschauer vermittelt, dass man glauben könnte, man schaue lediglich eine leichte Komödie. Genau dieser Clou, Themen wie Menschenverfolgung, Unterdrückung, Massenmord, religiöser Fundamentalismus durch die naiven Kinderaugen von Marjane zu vermitteln, stellt den Geheimnis des Films dar. Man lernt mit ihr die iranische Geschichte und Kultur kennen und erlebt dadurch einen einzigartigen Einblick in ein Land, das vom Westen heutzutage - zu Unrecht - lediglich durch die potentielle Atombedrohung wahrgenommen wird. Kein sonderlicher Fortschritt, wenn man bedenkt, dass der Iran früher durch seine ständigen Kriege, politischen Umstürze und Massenunruhen auf sich Aufmerksam machte. Wie sehr der Film diesbezüglich vereinfacht, ist für Laien natürlich schwer zu eruieren, aber es hinterlässt Eindruck.

Technisch spielt der Film in einer völlig eigenen Liga. Aufs nötigste vereinfachte Charaktere treffen auf unglaublich detailliert und flüssig ausgearbeitete Animationen. Einige wenige 3D-Effekte werden genutzt, um besonders bei Massen- oder Kriegsszenen die Arbeit der Animatoren zu erleichtern.

Abschließend sei noch die anfänglich sehr heitere Stimmung erwähnt, die mit dem Heranwachsen der Protagonistin mitreift und später eine düstere Polemik aufgreift. Sehr fesselnd und fordernd zugleich. Wer nur konsumieren will ohne zu reflektieren ist bei diesem Film fehl am Platz. Mitdenken erhöht die Faszination des Films.

8/10

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