Dienstag, 21. Juni 2011

Ein missverstandener Riese - THE IRON GIANT (Essay)


Olos Top50: The Iron Giant (Der Gigant aus dem All)
Ein missverstandener Riese und gleichzeitig ein Meisterlehrstück für jeden, der sich auf professionelle Weise mit Film beschäftigt. Würde sich jeder Filmemacher, jeder Produzent, Autor oder Regisseur die Mühe machen, The Iron Giant zu verstehen, die Welt - und sei es nur die Welt des Films - würde ein gutes Stück besser sein.
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The Iron Giant
(Der Gigant aus dem All)

Brad Birds Regiedebüt The Iron Giant gilt heute als einer der wenigen modernen 2D-Animationsklassiker der 90er Jahre abseits des Micky Maus-Konzerns. Doch zu seiner Zeit war der Film in den USA ein veritabler Flop. Aus einem simplen Grund: Warner Bros. ließ den Film marketingtechnisch auf Grund laufen. Der eiserne Gigant wurde, obwohl fristgerecht fertiggestellt, um Monate verschoben, um nach der Devise "schwimm oder stirb" in die Kinos geschleudert zu werden, ohne Werbepartner - Burger King war aufgrund der verspäteten Kinoveröffentlichung wieder abgesprungen - und ohne nennenswerte PR. Warner wusste nichts mit dem Film anzufangen, obwohl sie händeringend nach Projekten suchten, die den Disneyfilmen im Kinderfilmsektor Paroli bieten konnten. Erst als der Film - zur Überraschung der kurzsichtigen Zahlenschieber und Schlipsträger bei Warner - weltweit die 100Mio Dollar Marke knackte, die Kritiken sich vor Begeisterung überschlugen und der Film einen renommierten Animationspreis nach dem anderen für sich verbuchte, realisierte das Studio, was für einen Filmklassiker und potentiellen Hit sie mit Beton zu zementierten. Aber was ließ überhaupt die Verantwortlichen an dem Film zweifeln?

Zuerst, The Iron Giant war kein Film, der den technischen Maßstäben anderer Animationsproduktionen der damaligen Zeit entsprach. Als der Film in die Kinos kam, konnte er mit seinen Mitkonkurrenten wie Toy Story 2 oder Prince Of Egypt technisch nicht konkurrieren. Zumindest aus der Sicht der Studioleitung, die sich mit den eigenen Aversionen gegen den altmodischen Zeichenstil den Film selbst madig machte. Dabei glänzte der Film mit einem technischen Kunststück, das selbst moderne Animationsfilme nicht immer schaffen: Die harmonische Symbiose aus 2D und CG-Elementen. Nur wenigen fällt auf, dass der titelgebende Roboter komplett aus dem Computer stammt.

Außerdem stand dem Film nur ein Bruchteil des sonst üblichen Budgets zur Verfügung. Zu der Zeit besaßen animierte Featurefilme von Dreamworks, Disney und Co. ein Produktionsvolumen von 80 bis 100 Millionen Dollar, der blecherne Gigant musste mit 50 Millionen auskommen. Ebenfalls ein Grund, warum nur wenig Vertrauen in den Riesen gesteckt wurde. Trotz des geringeren Budgets sind vor allem den Animationen und den Hintergründen ihr Handicap nicht anzumerken. Denn Regisseur Brad Bird, ein Animationsmeister der alten Schule, der mit einem Storytelling-Talent eines jungen Spielbergs gesegnet ist, wusste, dass eine solche Geschichte durch Glaubwürdigkeit getragen werden musste. Wenn die Charaktere lebendig erscheinen, erwacht auch der Film zum Leben,  ob es sich nun um ein hochtechnisierten, computeranimierten Kinofilm oder nur um einen Kurzfilm mit Strichmännchenästhetik handelte.

Dem Film wird gerne unterstellt, er bediene sich zu reichhaltig beim E.T.-Stereotyp - nicht ganz zu unrecht. Aber besonders heutzutage, in denen Animationsfilme in Massen vom Stapel laufen, denen jeglichen emotionalen Funken oder Tiefgründigkeit, weiß man Werke wie The Iron Giant wieder zu schätzen. Die erzählte Geschichte ist nicht neu, aber rund. Seine Liebe zum Detail; deine Leidenschaft für die damalige Epoche; das Verständnis, eine Handlung aus der Sicht eines Kindes zu erzählen; die vielen kleinen Ideen zwischen den Zeilen - alles Zutaten, die selbst in zehn Jahren noch jedem 3D-Animationsblockbuster die Show stehlen werden. Ist es Zufall, dass fast genau zehn Jahre nach The Iron Giant Dreamworks Animation einen frappierend ähnlichen Film in die Kinos brachte? Einen Film, der ebenfalls hinter den Erwartungen zurückblieb und von Jeffrey Katzenberg nach nur zwei Wochen als Enttäuschung hingestellt wurde. Der Film jedoch eine immense Ausdauer bewies und am Ende einer der erfolgreichsten Animationsfilme des Jahres wurde. Sein Name: How To Train Your Dragon. Kein außerirdischer, defekter Roboter und kein Junge, der von Comichelden träumt, stehen dort im Mittelpunkt, sondern ein sagenumwobener, verletzter Drache und ein kleiner Stallbursche, der von großen Wikingerdasein träumt.

Es ist eine Kunst, ein Ende zu schaffen, das zum einen emotional wertvoll für Kinder, aber zugleich unanstrengend und unterhaltsam für Erwachsenen ist. Das Ende des Films bereitet einem jedes Mal von neuem eine Gänsehaut. Obwohl Botschaften vermittelt werden, die man schon hundertfach gesehen wurden. Doch schafft es The Iron Giant, dass der Zuschauer das Gezeigte auch ein 101. Mal mit offenen Armen entgegen nimmt. Die Themen von Freundschaft, Toleranz und Selbstbestimmung sind zu universell und verkommen unter der verständnisvollen und einfühlsamen Führung von Brad Bird nie zu Klischees. Zudem fängt der Film die politische Stimmung der damaligen Zeit treffend ein. Auf eine kindgerechte, aber nicht weniger brisante Art und Weise, was das Ende noch ein bisschen mehr versüßt.

The Iron Giant ist ein Heiliger Gral. Ein Film, der geliebt werden sollte und auch wird. Er ist nicht bloß ein Erlebnis für jeden Cineasten, für Animationsbegeisterte, Kinder und Kindgebliebene, sondern auch ein Meisterlehrstück für jeden, der sich auf professionelle Weise mit dem Medium Film beschäftigt. Würde sich jeder Filmemacher, jeder Produzent, Autor oder Regisseur die Mühe machen, The Iron Giant zu verstehen, die Welt - und sei es nur die Welt des Films - würde ein gutes Stück besser sein.

Kommentare:

  1. Wat isn das für ne Rotz Seite hier?

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  2. Nicht Rotz, sondern Blog, zumindest ein Buchstabe war korrekt. Nicht aufgeben, das wird schon noch...

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  3. Kann nicht verstehen wie man sowas schreiben kann wie Mr. Bowwa. Das ist einer der geilsten Seiten die es gibt und ich bin täglich drauf. Goodspeed hat Ahnung und das nicht zu knapp.

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