Mittwoch, 4. Mai 2011

Kinoreview - SCREAM 4 (Kritik)


KINO: Scre4m (Scream 4)
Ein Film, der mit einer entwaffnenden Selbstironie und einer filmtheoretischen Offenlegung des Horrorgenres glänzt. Ein Genre, das glaubt, sich neu erfunden zu haben, um am Ende alle Regeln mit dem Stinkefinger zum Teufel zu jagen. 8/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Scre4m
Mit Erwartungen ist es so eine Sache, sie können Fluch und Segen zu gleich sein. Werden beliebte Filme fortgesetzt, erreichen die Nachfolger in den meisten Fällen nicht die positive Resonanz der Vorgänger, trotz der augenscheinlichen Multiplikation aller prägenden Filmelemente. Oft ist die Enttäuschung so groß, dass der Zuschauer dem Wunsch nach weiteren Sequels entsagt - was die Filmemacher natürlich nicht daran hindert, die Maschinerie weiter am Laufen zu halten. Wie bei „Scream 4“ - im Netzjargon als „Scre4m“ betitelt - einem Film, der nach dem mehr als nur enttäuschenden dritten Teil als unwahrscheinlich galt, aber nach über zehn Jahren Ghostface nochmals reanimierte. Gezeichnet durch die verblassten aber noch nachhaltigen Erinnerungen an den vermeintlichen Abschluss der Trilogie, war eine weitere Scream-Kerbe das Letzte, wonach einem der Sinn stand - was andererseits erwartungstechnisch das Beste war, was dem Film passieren konnte.

Es war 1995 als Drehbuchautor Kevin Williamson - Schöpfer von Teenieklassikern wie „Dawon's Creek“ oder „Ich weiß was du letzten Sommer getan hast“ - den Grundstein für die Scream-Reihe legte. Nach dem merklich schwächeren zweiten Teil verabschiedete er sich von seinem Kind und widmete sich anderen Projekten. Für „Scre4m“ kehrte er jedoch nach Woodsboro zurück - und damit auch der Charme, der die Filmserie anfangs prägte. Die Reihe fand wieder zu ihren Wurzeln zurück, inklusive ihrem selbstreflexiven Filmbewusstsein, das schnell zum Markenzeichen von Scream avancierte und nun auch in unserer digital geprägten 2.0 Gegenwart angekommen ist.

„Scre4m“ ist im Herzen ein Kind der 90er, das sich auf dem Spielplatz des modernen Zeitgeists tummelt. Allein die ersten zehn Minuten eichen den Zuschauer auf die metaphysische Selbstfindungsreise durch die moderne Pop- und Medienkultur. Die einen werden sich zwei Stunden lang am ausgeprägteren Blut- und Slasherfest erfreuen, andere saugen begierig die vielen Filmzitate auf und wiederum andere genießen das Comeback von Autor Kevin Williamsons entwaffnender Selbstironie und filmtheoretischer Offenlegung des Horrorgenres, das glaubt, sich neu erfunden zu haben, nur um es am Ende mit dem Stinkefinger zum Teufel zu jagen.

Einziger Kritikpunkt ist das aufgesetzte Ende nach dem vermeintlichen Showdown. Ohne etwas vorwegzunehmen, wären dem Film zwei Möglichkeiten offen gestanden, seine Charaktere zu einem Abschluss zu führen: Entweder er macht einen Schritt vorwärts und belegt so seine aufgestellten Genrethesen - oder er macht zwei zurück und zeigt auf diese Weise seinen Kniefall vor der ursprünglichen Scream-Reihe. Es liegt wohl im Auge des Betrachters, ob der getane Schritt schlüssig und befriedigend ausgefallen ist. Ansonsten jedoch macht „Scre4m“ einfach ein Heidenspaß - was selbst Horror- und Blutmuffel bestätigen können. (Originalkritik für KultHit.de)

8/10

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