Sonntag, 1. Mai 2011

Kinoreview - MÜTTER UND TÖCHTER



KINO: Mütter und Töchter (Mother and Child)
So platt der Filmtitel, so erschütternd ehrlich und einfühlsam der Film. Die Mutterschaft als eine selbsterfüllende, selbstaufopfernde Lebensbestimmung. 9/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Mütter und Töchter
Der Film "Mütter und Töchter" feierte im September 2009 seine Premiere und lief bis Herbst 2010 in den meisten relevanten Filmmärkten. Es stellt sich also die Frage, warum ein solcher Film in Deutschland überhaupt noch in die Kinos gebracht wird? Doch nachdem Annette Bening die letzte Träne verdrückt und der Film die letzte Abblende vollzogen hat, kann sich jeder Zuschauer diese Frage selbst beantworten.

"Mütter und Töchter" folgt einer einfachen Prämisse, die sehr früh preisgegeben wird: Menschen finden sich und das Leben geht stets seinen Weg. Der Film geht der alten Frage nach, was für Einflüssen, Gefühlen und Gedanken Adoptivkinder und ihre Eltern, während ihrem Leben als Teil der Adoptionskette, ausgesetzt sind. Keine leichte Kost, trotz des unbeholfenen Filmtitels - der englische Originaltitel "Mother and Child" darf sich damit rühmen, etwas weniger plakativ und einfältig zu sein, schließlich steht die Mutterliebe im allgemeinen ohne geschlechtsspezifischem Schwerpunkt auf dem Prüfstand. Annette Bening spielt sich als sozial unfähige Außenseiterin erneut um Herz und Verstand - glücklicherweise ohne das von Klischees überfrachtete Bild eines Film-Halbautisten weiter zu fördern. Von Jahr zu Jahr wird die Tatsache, dass diese Frau noch keinen Oscar gewonnen hat, unerklärlicher. Naomi Watts, Kerry Washington und nicht zuletzt Samuel L. Jackson sorgen mit ihrem Spiel ebenfalls, dass man als Zuschauer Pudding in ihren Händen wird. Zumindest eine Erwähnung muss außerdem Cherry Jones finden, die als Schwester Joanne der US-amerikanischen Adoptionsbehörde - die mit ihren willkürlichen Regeln und Vorschriften Menschen mit einem Wimpernschlag für immer trennen oder zusammen schweißen kann - ein warmherziges Erscheinungsbild verleiht. Beinahe möchte man glauben, dass das Schicksal selbst seine Finger im Spiel hat und durch Schwester Joanne Einfluss nimmt.

Der Film ist eine US-amerikanisch-spanische Co-Produktion. Auch wenn dem Trailer die spanischen Wurzeln nicht sofort anzumerken sind, werden sie im Film selbst umso offensichtlicher. Es liegt nicht bloß an dem Latino-Ratpack Alfonso Cuarón, Alejandro González Iñárritu und Guillermo del Toro, die sich als Produzenten dem Projekt von Regisseur und Autor Rodrigo García annahmen, sondern an dem allgegenwärtigen Einfluss von namhaften, spanischen Regisseuren wie Iñárritu selbst oder auch Pedro Almodóvar - dem Vater des einfühlsamen, feministischen Frauenfilms. Was man dem Film vorwerfen kann, ist sein pessimistisches Männerbild. Männer kommen und gehen, nur die eigenen Kinder bleiben einem für immer. Eine fragwürdige Lehre, die man aus dem Film ziehen könnte, wäre da nicht ein Lichtblick in Gestalt von Jimmy Smits, der sich nach glanz- und machtvollen Rollen nun als dickbäuchiger, in die Jahre gekommener Jedermann zeigt - und bewahrt "Mütter und Töchter" davor, in seinem Östrogen zu versinken.

"Mütter und Töchter" ist ein Werk, das man auf sich wirken lassen sollte. Der Film enthält einem die Erfüllung der eigenen Erwartungen und Sehnsüchte vor, bricht sie und löst sie - ins Gegenteil gekehrt - auf unerklärliche Weise ein. Diese schmerzhafte und doch erfüllende Ironie zeichnet das feinfühlige und emotional hoch intelligente Drama aus. (Originalkritik für KultHit.de)

9/10

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