Mittwoch, 6. April 2011

Kinofilme - RIO (Kritik)


Ein Film, eine Meinung, zwei Arten diese zu verpacken: Für zwei Filmseiten habe ich jeweils eine abgewandelte Kritik verfasst. Für Trickfilm-Zeit.de eine im Grundton positiv klingende, die die Stärken des Films und seine Wirkung auf die Sinne in den Mittelpunkt rückt. Für KultHit.de eine weniger Zimperliche, die offenlegt, woran der Film wirklich krankt, wenn man etwas analytischer an ihn herantritt. Ein kleines Experiment meinerseits, um den Film aus der Sicht verschiedener Zielgruppen zu präsentieren. Einerseits für Familien und Eltern, andererseits für Filmerfahrene und Cineasten.

KINO: Rio
Ein Film wie ein Sommerurlaub - auf Mallorca... 6/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film










Rio
(Positive Sinneswahrnehmung)
Trickfilm-Zeit.de

Wer träumt nicht davon, mit Hilfe von Filmen in fremde Welten zu entfliehen und die Welt durch eine neue Perspektive zu erleben? RIO lebt davon, die Menschen in den dunklen Kinosälen aus ihrem grauen Alltag zu entführen und ihnen ein Stück Exotik und brasilianisches Temperament zu schenken. Die Luft ist von heißen, lateinamerikanischen Rhythmen erfüllt und die Figuren sind so farbig und gut gelaunt, wie man es von Südländern erwartet. Kurzum, RIO ist ein geeigneter Film, um das eigene Fernweh neu zu entfachen. Hübsch, temperamentvoll, uninspiriert...

Richtig gelesen, der Film lädt zwar dazu ein, sich dem eigenen Fernweh hinzugeben, wirkt aber gleichzeitig, wie ein Urlaub auf einer vom Massentourismus gebeutelten Südseeinsel. Den jüngeren Zuschauern können darüber hinwegsehen, solange sie im überfüllten Pool ihren Spaß haben können. Oder die älteren Semestern, sofern sie sich nur sonnen und entspannen wollen. Sollte euch aber das Genre des Animationsfilm mehr bedeuten, solltet ihr schon hunderte von Animationsfilmen gesehen und geliebt haben, dann dürfte der Reiz des RIO schnell verfliegen.

Den bleibensten Eindruck im Film hinterlässt - wie soll es auch anders sein - der Bösewicht Nigel. Dank seiner physischen Übermacht, die mit einer homosexuellen Veranlagung kombiniert wurde, repräsentiert er die Disneyschurken Ursula, Scar und Gaston in einer Person.

Wir dürfen jedoch nicht zu streng mit dem Film sein. Er hat sein Herz am rechten Fleck, ist technisch beeindruckend - ein weiterer animationstechnischer Fortschritt, was die Weichheit der Animationen betrifft - und verströmt gute Laune auf solidem Niveau. Wenn es schon ein Urlaub auf einer überlaufenen Tourismusinsel sein muss, dann wenigstens "All inclusive" - und das bietet RIO immerhin.
(Originalkritik für Trickfilm-Zeit.de)


6/10




Rio
(Nüchterne Herangehensweise)
KultHit.de

Ach, es gibt Filme, über die möchte man am liebsten kein Wort verlieren. Nicht etwa, weil sie so schlecht sind, enttäuschende Filme erzeugen immerhin den Impuls andere Menschen vor ihnen zu warnen, sondern weil sie absolut keinen Mehrwert bieten. Das Tragische ist, dass solche Filme grundsätzlich nichts falsch machen, aber bei aller Sympathie völlig austauschbar, überholt und uninspiriert wirken. Blue Sky, die Macher der „Ice Age“-Reihe oder „Horton hört ein Hu“, gelang mit „Rio“ solch ein Film.

„Rio“ ist ein wunderbarer, kleiner Animationsfilm für die jüngeren Semester. Durchaus auch für ältere bis ins Erwachsenenalter, sofern man sich A: einfach nur berieseln und nett unterhalten lassen oder B: man bis dato solch ein behütetes Leben führte, dass einem selbst die Biene Maja wie eine Animationsrevolution erscheint. Sollte euch aber das Genre des Animationsfilm mehr bedeuten, solltet ihr schon hunderte wenn nicht sogar tausende von Animationsfilmen gesehen und geliebt haben, dann dürfte es eng werden. Denn „Rio“ ist so austauschbar, wie ein Wellensittich.

Die Animationsbranche ist an einem Totenpunkt angekommen. Die ständige Inzucht und der Kannibalismus innerhalb des Genres fordert seinen Tribut. Dabei stört nicht einmal die erneute Vermenschlichung von Tiercharakteren oder die angestaubte Disneyformel. Viel mehr sind es die ständigen Offensichtlichkeiten: Das Charakterdesign, das an unzählige Animationsklassiker - von „König der Löwen“ bis hin zu „Coraline“ - erinnert. Die Einheitsbrei-Filmmusik, die von John Powell stammt, der mittlerweile drei von vier Animationsfilme vertont - sofern Hans Zimmer keine Zeit erübrigen kann. Die Charaktere, die direkt aus dem Stereotypensumpf herausgepult wurden. Der von Jesse Eisenberg gesprochenen Nerdbird Blu, der zwar lustig klingt, aber nur dem tausendsten Aufguss des millionsten Aussenseiterklischees entspricht. Die profilosen Sidekicks, die durch das Bild rappen, kalauern und tölpeln, mit der Brechstange in der Hand, um den Witz des Films dem Zuschauer einzuprügeln. Kurzum, die alte Kuckucksei-Geschichte auf der einen Seite, „Flucht in Ketten“ auf der anderen und eine große Portion „Madagascar“, das ist „Rio“.

Der interessanteste Charakter des Films ist - wie soll es auch anders sein - der Bösewicht Nigel. Dank seiner physischen Übermacht, die mit einer homosexuellen Veranlagung kombiniert wurde, repräsentiert er Ursula, Scar und Gaston in einer Person. Und der einzig wahre Freak des Films - der begnadete Jemaine Clement - leiht ihm seine Stimme. Was den Film von anderen abhebt, ist sein Setting. Brasilianische Rhythmen, Karneval und viele exotische Vögel bilden die dünne Trennungslinie zwischen „Rio“ und allen anderen Animationsvertretern.

Eskapisten und Urlaubsreife, die dem grauen Alltag entfliehen wollen, dürften mit „Rio“ eine gute Ablenkung finden. Allen anderen wird der kleine Honigbär „Winnie Puuh“ ans Herz gelegt, der in der nächsten Woche bei uns startet. Dieser ist zwar weniger hip, weniger blu und kommt dazu noch als altmodischer Zeichentrickfilm ohne dreidimensionale Sperenzchen daher. Aber er wirkt gerade aufgrund seiner Rückbesinnung auf klassische Animationstugenden viel frischer als alle Reißbretttrickfilme der letzten Monate zusammen.
(Originalkritik für KultHit.de)

6/10

Kommentare:

  1. Ich warte noch auf die DVD weil ich den Film im O-Ton sehen möchte schon allein weil dort Jemaine Clementvon Flight of the Conchords mitspricht.

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  2. Zurecht, Jemaine Clement reisst den Film raus. Ohne seine Stimme wäre Nigel (der böse Papagei..uuuuu) nur halb so bedrohlich!

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