Montag, 11. April 2011

Kinofilme - THE FIGHTER (Kritik)


KINO: The Fighter
Christian Bale hungert sich wieder zu Höchstleistungen, als ob sein schauspielerische Leistung nur von seinem Gewicht abhinge - ein Sportlerdrama mit überraschend wenig Sport und viel zwischenmenschlichem Drama 9/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

The Fighter
Mit „The Fighter“ kommt nach „The King's Speech“ und „Winter's Bone“ der letzte, der im Februar hoch gerühmten Oscarfilme zu uns ins Kino, womit sich auch die letzten beiden Oscarpreisträger dem Urteil des deutschen Publikums stellen müssen. Christian Bale und Melissa Leo wurden jeweils als beste Nebendarsteller mit der goldenen Trophäe gekürt. Auch wenn beide Schauspieler jeweils eine beeindruckende Performance ablieferten, gebührt der eigentliche Applaus einer wesentlich unspektakuläreren Zunft der Filmbranche.

„The Fighter“ ist kein klassisches Sportlerdrama. Anders als Rocky Balboa oder Randy „The Ram“ Robinson - Sylvester Stallone und Mickey Rourke repräsentierten vielschichtige Charaktere, folgten aber einem verhältnismäßig geradlinigen und psychologisch simplen Aufbau - ist Mark Wahlberg als Micky Ward nicht der alleinige Mittelpunkt des Films, sondern gewinnt erst durch sein Umfeld an Profil. Wahlberg mimt den klassischen Underdog souverän, auch wenn er im Grunde nur sein unbedarftes „Boogie Nights“ Gesicht wieder aufsetzte und erneut jemand darstellte, der mit seinem schlichten Gemüt selbst Rocky in den Schatten stellen könnte. Es ist diese Umkehrung der Verhältnisse, die „The Fighter“ auszeichnet. Es ist nicht bloß ein Sportler oder eine Sportdisziplin, die hier im Mittelpunkt stehen, sondern das Umfeld: Das Mädchen von der Bar, in das sich Micky verliebt und die ihm neuen Lebensmut verleiht, seine zerrüttete Großfamilie, die vor lauter Nächstenliebe den eigenen Egoismus nicht erkennt und insbesondere Christian Bale als Bruder Dicky, ein abgehalfterter Ex-Boxer, der seinen wenigen glanzvollen Sportlerzeiten nachtrauert und sein Frust im Crackrauch erstickt. Dickys Schicksal überschattet alles andere und droht seine ganze Umwelt bis hin zu Mickys wackligen Sportlerkarriere mit in den Abgrund zu reissen. Diese Nebenhandlung, die sich als der rote Faden durch den emotional anspruchsvollen Film zieht, ähnelt sehr der Struktur von Darren Aronofskys „The Wrestler“. Doch die Autoren verstanden es, diese komplexe Leidensgeschichte eines abgehalfterten, drogensüchtigen Mannes als eine von vielen anderen Nebenhandlungen einzuflechten, ohne dass sie sich gegenseitig erdrücken. Dieses Kunststück, alle Nebenhandlungen fließend ineinander greifen zu lassen, so dass daraus ein funktionierender, einfühlsamer Film werden kann, ist der eigentliche preisträchtige Aspekt des Films. Er schafft aus verschiedensten Subgenres des Sportlerfilms eine neue Mischform, die überzeugt.

Die finale Einblendung der echten Brüder, die mit Bale und Wahlberg nicht nur optisch, sondern auch charakterlich sehr gut getroffen wurden, stellt der emotional und formal krönende Abschluss einer beeindruckenden Familienodyssee dar. Christan Bale beeindruckt damit, dem gezeichneten und stets übermütigen Dicky so nahe gekommen zu sein, wie es sich ein Regisseur nur erhoffen kann. Der Schauspieler hungerte sich wieder zu Höchstleistungen, als ob sein schauspielerische Leistung nur von seinem Gewicht abhinge. Die diesjährige Oscarverleihung war wie üblich von einigen streitbaren Entscheidungen geprägt. Doch die Krönung von Christian Bale in der silbernen Schauspieldisziplin gehörte definitiv nicht dazu. Lediglich, dass „The King's Speech“ dem Kämpfer den Oscar für das beste originale Drehbuch streitig machte, gilt es zu bedauern. Doch wenn wir eines von „The Fighter“ lernen können, dann dass wir nicht in der Vergangenheit leben und verpassten Chancen nachtrauern sollen. (Originalkritik für KultHit.de)

9/10

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