Samstag, 19. März 2011

Kinofilme - FASTER (Kritik)


KINO: Faster
Unentschlossen in seiner Aussage, Eitel bis ins Mark und lebt praktisch nur von seinen drei Hauptdarstellern und ihrer nachtragenden Ménage à trois. Dann doch lieber nochmals Liam Neesons 96 Hours... 5/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Faster
Den letzten Monaten fehlte es wahrlich nicht an Filmen, denen der Stempel „Testosteronschleuder“ anhaftete. Auch bei „Faster“ kommt man nicht umhin, den Stempel des vorurteilsschwangeren Männerfilms in die Hand zu nehmen.

Den Filmtitel des Films sollte nicht missinterpretiert werden. Er steht nicht für rasante Geschwindigkeit, sondern für die simple Beschaffenheit des Films. Es beginnt bei den drei Hauptcharakteren, die schlicht „Driver“, „Cop“ und „Killer“ genannt werden, erstreckt sich weiter zu deren ähnlich simplen Auslegung und endet bei der biblisch antiquierten Rachegeschichte. Doch lassen wir das Predigerzelt lieber in der Wüste und sind stattdessen dankbar, dass sich Dwayne „The Rock“ Johnson wieder auf seine wortwörtlichen Stärken und nicht auf seine familiengerechten Ambitionen besann. In solchen Rollen - als wortkarger, muskelbepackter Hüne, der während seinem Vergeltungsfeldzug alles zermalmt was ihm im Weg steht - wollen wir ihn sehen. Aber die Freude am Brachialen währt nicht lange. Leider schlägt auch in „Faster“ in Wirklichkeit ein liberales, Selbstjustiz-verachtendes und gewissenhaftes Herz. Im Gegensatz zu Rachefilm-Ikonen wie Charles Bronson in „Ein Mann sieht rot“ oder Michael Caine in „Get Carter“ - dem zuletzt auch als schlagkräftiger Senior „Harry Brown“ kein Sinn nach Menschenrechten stand - steckt hinter der felsigen Oberfläche des Fahrers ein verknautschter Teddybär. Einer von der missverstandenen Sorte, die es nicht verstehen, ihre Wut auf sinnvolle Weise kanalisieren. Dies kostet den Film nach dem konsequenten Auftakt einiges an Glaubwürdigkeit und auch anarchistischen Spaß. Was der Rachegeschichte ebenfalls zu schaffen macht, ist ihre eitle Selbstwahrnehmung. Anstatt „Faster“ würde dem Film der Titel “Slower“ besser stehen. Zu oft verliert sich der Regisseur in unnötigen Zeitlupen, die zwar stilsicher, aber gleichzeitig auch wie eine gezogenen Handbremse bei durchgetretenem Gaspedal wirken. Da vermag selbst Komponist Clint Mansell, der bereits Filmen wie „Requiem for a dream“ oder „Moon“ akustische Dynamik verlieh, wenig auszurichten.

„Faster“ ist kein „96 Hours“. Weder die Härte noch die Kompromisslosigkeit von Liam Neesons filmischer Vendetta wird je erreicht. „Faster“ ist unentschlossen in seiner Aussage, Eitel bis ins Mark und lebt praktisch nur von seinen drei Hauptdarstellern und ihrer nachtragenden Ménage à trois. Aber es besteht Hoffnung: Sollte Dwayne Johnson seine „Faster“ Präsenz in „Fast Five“ hinüber retten können, so dürfte zumindest die nächste Testosteronschleuder den Erwartungen gerecht werden. (Originalkritik für KultHit.de)

5/10

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