Dienstag, 8. März 2011

15 Jahre Fargo - Nie war ein Blutbad idyllischer

Er ist Der Weiße Hai der Gartenarbeit, der Film, der unseren Urängsten neues Futter zuführte. Heute vor 15 Jahren startete ein Film, der unseren Umgang mit Gartenhäckslern für immer verändern sollte: Fargo! 


Auf den Tag genau 15 Jahre sind vergangen, seit Joel Coen und Ethan Coen mit Fargo ihr bis dato perfidestes Werk ablieferten, das zudem als einer der schwarzesten US-Filme der 90er Jahre in die Geschichte einging. Doch, was ist der Film eigentlich? Eine groteske Kaskaden-Komödie, eine Satire auf den amerikanischen Mittelwesten, ein Nerven zerschreddernder Thriller oder ein Krimi im ländlichen Milieu? Fargo blickt mit liebevollem Humor auf seine hinterwäldlerischen Bewohnern, ist in einem Moment schockierend und im nächsten urkomisch. Originell, unbarmherzig, schwarz und unverkennbar amerikanisch, wie so oft bei den Gebrüder Coen, gibt es auch hier nur einen schmalen Grat zwischen tiefschwarzen Humor und bitterem Ernst.

Fargo gehört neben The Big Lebowski zu den erfolgreichsten Filmen der Coen-Brüder und zweifelsfrei auch zu den beliebtesten. “Kult” lautet der Begriff, der im Zusammenhang mit dem Film häufig fällt. Eine Entwicklung, die die Regisseure bis heute nicht wirklich nachvollziehen können, wie sie erst kürzlich bei einer Pressekonferenz von True Grit wieder betonten.

Zwei Jahre vor The Big Lebowski kam dieser moderne Film Noir in die Kinos und wurde von nahezu allen Kritikern aufs Äußerste gelobt. Es sind die schneebedeckten Weiten des verschlafenen amerikanischen Mittelwestens, in denen sich die tragikomische Geschichte Fargos um Erpressung, Misstrauen und Gewalt auf unvorhersehbare Weise entfaltet. Dabei gelingt den Coen-Brüdern mit Fargo  eine eindrucksvolle Balance zwischen Glaubwürdigkeit und Groteske. Für das brillante Drehbuch wurden die Coens schließlich mit dem Oscar ausgezeichnet und auch Frances McDormand – seit 1984 mit Joel Coen verheiratet – erhielt für ihre Darstellung der schwangeren und resoluten Polizistin Marge die begehrte Trophäe.

Kleine Anekdoten am Rande: Schauspieler William H. Macy flehte die Regisseure förmlich an, ihm die Rolle des Jerry Lundegaard zu geben. Er sprach zweimal für die Rolle vor und beide mal attestierten ihm die Filmemacher, dass er der beste Mann für den Job sei. Als Macy aber nach einer Weile immer noch keine Zusage erhielt, flog er nach New York – wo die Vorbereitungen für den Dreh im Gange waren – und sagte den Regisseuren direkt ins Gesicht: “Es ist meine Rolle und bei Gott, wenn ich die Rolle nicht kriege, erschieße ich eure Hunde!” Ein klares Statement, was meint ihr?

Nicht zu vergessen, die Einblendung zu Beginn des Films, mit dem sich die Coen-Brüder erneut einen Spaß mit dem Zuschauer gönnen: „Dies ist eine wahre Geschichte. Die in diesem Film dargestellten Ereignisse beruhen auf einem Verbrechen, das im Jahre 1987 in Minnesota geschah. Auf Wunsch der Überlebenden wurden die Namen geändert. Aus Respekt vor den Toten wurde der Rest der Geschichte genau so erzählt, wie sie sich zugetragen hat.“ Spätestens am Ende des grotesken Schauspiels können wir diesen Worten kaum mehr Glauben schenken. Doch wer sind wir, die Absichten der großen Coens anzuzweifeln? Die Antwort folgte auf dem Fuße am Ende des Abspann:„Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht beabsichtigt…“. So kennen wir sie, die Herren Coen.

Happy Shredderday Fargo! Über dein Kultpotential sollen andere entscheiden, ich verehre dich lieber als moderner Klassiker und als herrlich bösen Film! (Originaltext für Moviepilot verfasst)

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