Freitag, 25. Februar 2011

Filme - TRUE GRIT

KINO: True Grit
Kein bloßes Aufflackern eines verstaubten Genres, sondern eine lange überfällige Wiedergeburt im breiten Rampenlicht. Geradliniger, klassisch erzählter und versöhnlicher Anti-Western aus der Hand der Coens, Hallelujah! 9/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

True Grit


Wie soll ein Film bewertet werden, der bereits vor Veröffentlichung von einem dominierenden Schatten erdrückt wird und das, obwohl die Regisseure scheinbar gegen Windmühlen ankämpfend betonen, dass sie das zu Grunde liegende Buch und nicht den Filmklassiker neu aufbereiten wollten? Die Rede ist natürlich von "True Grit", dem Spätwestern der Coen Brüder, den die beiden Filmemacher zwar als Buchverfilmung anpreisen und vehement verteidigen, aber die ganze Welt zu aller erst ein Remake des heilig gesprochenen John Wayne Klassikers "Der Marschall" darin erkennt.

Es war bereits an der Pressekonferenz zu "True Grit", die während der Berlinale stattfand, nicht zu übersehen, dass die Welt und die sie repräsentierenden Journalisten kein Interesse an Buchverfilmungen hatten. Jede Frage drehte sich um den Duke, John Wayne, den Klassiker, um Absichten hier, Interpretationen dort, Parallelen überall. Die Coens konterten mit Augenrollen und betontem Remake-Widerwillen. Das erste und letzte mal hätten sie "Der Marschall" in ihrer Kindheit gesehen, kaum die beste Voraussetzung ein Remake umzusetzen. Aber ohne Erfolg, selten waren sich zwei Filme zu ein und demselben Buch so nah und doch so Grund verschieden.

Was den Filmemachern in erster Linie gelang ist ein für ihre Verhältnisse geradliniger, klassisch erzählter und auch versöhnlicher Anti-Western, voller dreckiger und brutaler Charaktere. Das kleine Mädchen Mattie Ross ist der Stein der das Korn mahlt. Ihre Schandmaul lässt die von Jeff Bridges und Josh Brolin gespielten Rollen wie duftende Gänseblümchen wirken. Es ist ein Genuss, einer solchen Frauenrolle, die dazu noch so jung und unverdorben ist, zuzusehen, wie sie das Klischee beladene Machogehabe ihrer Begleiter nach um nach demontiert. Sie fährt wortwörtlich der Herren der Schöpfung vor den Karren und als Zuschauer kommt man aus dem Staunen für dieses kleine Geschöpf - das ihrer Zeit um ein Jahrhundert voraus ist - nicht heraus. Kudos an die Oscar-nominierte Schauspielentdeckung Hailee Steinfeld!

Lange sah man die Coens nicht mehr so versöhnlich und unanarchisch mit ihren Charakteren umgehen. Teils aus Respekt vor der Buchvorlage, aber auch weil es die Figuren verdienten. Lediglich im Epilog wagten sie noch eine Spur Coen'sche Disharmonie einzubauen, um ihren Film vom Buch und der früheren Verfilmungen abzuheben, was etwas zu Lasten von Mattie Ross ging und sie in eine unschöne Schublade steckte. Die Schauspieler beweisen Mut zur Hässlichkeit, noch nie sah man Jeff Bridges, Josh Brolin und vor allem Barry Pepper so runter gekommen und mit herrlich abstoßenden Prothesen versehen. Es wird geschlachtet, massakriert und getötet was die Waffen hergeben und auch verbal hält "True Grit" nicht hinterm Zaun. Umso verwunderlicher erscheint die Freigabe ab 12 der FSK. Denn das Schandmaul des Mädchens und der lockere Zeigefinger von Rooster Cogburn allein würden mindestens eine FSK16 rechtfertigen.

"True Grit" ist kein bloßes Aufflackern eines verstaubten Genres, sondern eine lange überfällige Wiedergeburt im breiten Rampenlicht. Spätwestern wie "Erbarmungslos", "Open Range" oder die alle Konventionen sprengende HBO-Serie "Deadwood" vermochten zwar Kritiker, aber nur bedingt auch die Massen zu begeistern. Coen dagegen lieferten mit ihrem Western ihren bislang erfolgreichsten Film ab, der in den kommenden Tagen weltweit die 200 Millionen Dollar Marke durchbrechen wird. Lange mussten die Westernfans darauf warten, doch nun ist ihre Zeit gekommen und nach unzähligen Sci-Fi- und Piratenfilmen hat auch endlich ihre Stunde wieder geschlagen, den Coens sei Dank!

9/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts with Thumbnails

Ältere Beiträge, die dich interessieren könnten: