Mittwoch, 26. Januar 2011

Filme - TRON LEGACY

KINO: Tron Legacy
Ein kaltes, frigides Stück Film ohne Herz und ohne Seele. 3/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Tron Legacy



Vor 29 Jahren kam ein Film in die Kinos, der mit seiner Optik und seinem Vokabular der Zeit weit voraus war. Der Massenmarkt für Heimcomputer war gerade erst dabei von dem Computerhersteller Commodore erschlossen zu werden und nur die wenigen Glücklichen, die sich damals bereits IT-Cracks nennen durften, verstanden auch wirklich, was die ganzen Neonlichter und Anspielungen zu bedeuten hatten. „Tron“ ging darum an den Kinokassen - aus heutiger Sicht wenig überraschend - gnadenlos unter und legte den großen Durchbruch der Film-Computergrafik fürs Erste auf Eis. Erst Jahre später erkannte die Filmwelt, was für ein Meilenstein mit „Tron“ das Licht der analogen Welt erblickte. Plötzlich waren die inhaltlichen Schwächen des Films nichtig geworden, stattdessen war der Grundstein eines modernen Klassikers gelegt.

Machen wir es kurz und schmerzlos - „Tron Legacy“ ist unglaublich: Unglaublich pubertär, unglaublich banal, unglaublich eitel, unglaublich einfältig, einfach unglaublich. Die Story ist dabei zweitrangig, Hauptsache sie ist funktionell. Was sie auch grundsätzlich wäre, wenn die Struktur mit der der Film seine Geschichte erzählt nur annähernd etwas taugen würde. Aber man schaut nur wahllos aneinandergereihten Szenen zu, wie sie kommen und wieder gehen. Schlimmer noch: der Film befindet sich auf dem emotionalen Entwicklungsstadium eines Vierjährigen. Die Vater-Sohn Beziehung ist so zermürbend seicht, dass man sich wünscht Sam wäre eine Vollwaise. Mit der Liebesgeschichte verhält es sich ähnlich, nur steht dafür kein Oscar-Preisträger mit seinem Namen gerade.

Die visuellen Effekte sind hervorragend, der 3D-Effekt kaum existent. Den besten Tiefeneffekt bietet einem das neu gerenderte Disneylogo zu Beginn. Aber halt! Hervorragende Effekte? Das trifft natürlich nicht auf die digitale Botox-Schaufensterpuppe zu, die durch Bild geschoben wird und eine Ähnlichkeit mit einem jungen Jeff Bridges erahnen lässt. Es ist tragisch, dass zwei Jahre nach „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ein solch technisches Trauerspiel auf das Publikum losgelassen wird. Der Zuschauer muss den Begriff des „Uncanny Valley“ gar nicht kennen, um zu realisieren, was für eine hölzerne Wachsfigur ihm da als Mensch vorgesetzt wird.

Durch den Soundtrack der Electropunker Daft Punk verwandelt sich der Film zum teuersten Musikvideo der Filmgeschichte - und zu einem erträglichen Hörspiel mit knackigem Electrosound. An manchen Stellen versuchten sie sich sogar als Komponisten von konventionellen, orchestralen Filmmusiktracks und um ihre Unerfahrenheit zu kompensieren, bedienten sie sich etwas zu eifrig bei Vorbildern wie Hans Zimmer. Aber lieber gut geklaut als... nur der Verzicht auf die originalen Tron-Themen von Wendy Carlos lässt das Fanherz bluten.

Der Film lässt sich schön reden, in dem man sich sagt, „Tron Legacy“ wolle gar nicht mehr als ein unterkühltes, überstilisiertes Cybermärchen sein. Jedoch ist es nicht die Einfältigkeit oder die banale Geschichte, die diesen narzistischen Effektporno ungenießbar machen - noch nicht einmal die schlechten Dialoge oder die peinlichen prepubertären Charaktere der Marke „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“ - sondern das Fehlen von jeglicher emotionaler Glaubwürdigkeit und filmischer Empathie. „Tron Legacy“ ist ein kaltes, frigides Stück Film ohne Herz und ohne Seele. Punkt. (Originalkritik von KultHit.de)

3/10

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