Samstag, 1. Januar 2011

Filme - TAMARA DREWE

KINO: Tamara Drewe (Immer Drama um Tamara)
Was „High Fidelity“ für die Musikszene war, könnte „Tamara Drewe“ für die Literaturszene werden. Respektlos, sarkastisch und doch an den richtigen Stellen einfühlsam. 9/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Tamara Drewe
(Immer Drama um Tamara)


Stephen Frears hat es wieder getan. Der britische Tausendsassa, der sich mit Verfilmungen wie „Gefährliche Liebschaften“ und „High Fidelity“ einen Namen machte und sich regelmäßig auch bei Kritikern beliebt macht - wir erinnern uns an „The Queen“ - bewies auch mit „Immer Drama um Tamara“ (aka „Tamara Drewe), dass er nach wie vor zu den talentiertesten Regisseuren des vereinigten Königreichs gehört. Mit seinem neusten Film gelang ihm ein Kunststück, das ihm bereits mit „High Fidelity“ gelang: Eine selbstständige Filminterpretation einer bekannten Vorlage zu schaffen, die mit einem einzigartigen Mix aus popkulturellen Anspielungen, sarkastischem Witz und auf den Kopf gestellter Romantik zu überzeugen vermag.

„High Fidelity“ wurde zu seiner Zeit zu einem Filmphänomen für Musikaffine, das sich mit Hilfe einer exzellenten Mund-zu-Mund-Propaganda gleichermaßen in die Herzen von Film- und Musikliebhabern katapultierte. Ähnliches könnte „Tamara Drewe“ gelingen, beginnt der Film doch mit einer nicht enden wollende Reminiszenz an die Literaturszene. Das Schriftstellertum wird zynisch aber auf sehr liebevolle Art auseinandergenommen und der aufmerksame Zuschauer darf sich auf unzählige kleine Anspielungen auf die Welt der Lyrik und Prosa freuen. Neben der Rahmenhandlung rund um die Schriftstelleridylle im Süden Englands bietet der Film zwei weitere Standbeine, die ihn prägen und auszeichnen. Zum einen die klassische Konfrontation zwischen großstädtischer Arroganz und landidyllischer Einfachheit. Die weibliche Hauptfigur befindet sich nach ihrer Rückkehr auf's Land inmitten von hormonellen Stereotypen. Anstatt aber in die Klischeefalle zu tappen, spielt der Film mit den Konstellationen und fügt zwei schwärmenden Teeniemädchen hinzu, die einer naiv-sarkastischen Kommentatorenfunktion nachgehen - die beiden Rentner Statler und Waldorf aus „Die Muppet Show“ hätten die beiden Mädchen mit offenen Armen adoptiert! Das zweite Element ist die generationsübergreifende Darstellung von Liebe und Sehnsüchten. Angefangen bei den in die Jahre gekommenen und desillusionierten Alt-Schriftstellern und Pensionären, über die (zu) leidenschaftliche und emotional überforderte Tamara Drewe mit ihren Dreiecksbeziehungen bis hin zu den kleinen schwärmenden Mädchen, die ihre erste große Liebe für sich entdecken, stellt Regisseur Frears die unterschiedlichen Lebensabschnitte gegenüber. Trotz des beissenden Humors und der unausgesprochenen Botschaft des Films - wer lieben will muss leiden - beweist der Filmemacher viel Gefühl und bietet am Ende sogar ein paar versöhnliche Töne. Gemma Arterton rehabilitiert sich als Tamara Drewe nach ihren beiden vorhergehenden wüsten Blockbuster-Machwerken vollständig und überzeugt mit ihrem unvergesslichen Outfit, ihrem Charme und nicht zuletzt mit ihrem Spiel auf ganzer Linie. Man verliebt sich und verurteilt sie zu gleich.

Kurzum, „Tamara Drewe“ ist subversiv, staub trocken und doch an der richtigen Stellen einfühlsam. Das Ende ist Geschmackssache, aber führt die Geschichte konsequent zu Ende. Ein letztes Highlight des Kinojahres 2010 und für alle Gemma Arterton- und Stephen Frears-Fans eine Pflicht. Was „High Fidelity“ für die Musikszene darstellt, könnte „Tamara Drewe“ für die Literaturszene werden. Respektlos, nerdig und mit einer unverschämten Auffassung von Liebe. Umwerfend! (Originalkritik von KultHit.de)

9/10

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