Freitag, 21. Januar 2011

Film - Tropa de Elite

DVD: Tropa de Elite (Elite Squad)
Aus Anlass des zweiten Teils, der an der Berlinale 2011 startet, krame ich nochmals meine alte Kritik von 2008 raus. Nach wie vor ein exzellenter Film, "City of God" nicht unähnlich. Das selbe Schlachtfeld, andere Perspektive 9/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Tropa de Elite
(Elite Squad)


Ungemein kraftvoller Film. Man liest in diversen Kritiken wie ähnlich "Tropa de Elite" und "City Of God" sein sollen - und jetzt versteh ich auch warum. Das selbe Schlachtfeld, andere Perspektive.
Bei genauerer Betrachtung merkt man, dass vor allem filmisch einige Unterschiede bestehen. Tropa ist durch seine dokumentare Art direkter. Kein Film für Hand- und Wackelkamera Angsthasen.

Sehr viel Spaß macht die erzählerische Struktur. Der Film ist in drei Ebenen unterteilt und über jede legt sich der Voice Over von Beto, Captain einer BOPE Einheit (Sonderkommando der brasilianischen Polizei gegen die Drogen in den Slums) und Hauptfigur des Films. Sämtliche Entwicklungen werden durch seine Sicht dargestellt. Gerade am Ende garantiert das eine scharfe doppelbödige Auflösung.

Erstes Drittel lässt sich Zeit um Charaktere und die Situation zu erklären. Beto ist mit seiner Stimme allgegenwärtig, aber anfangs kaum zu sehen. Stattdessen begleitet man die beiden Polizeineulinge Neto und Matias, deren Entwicklung im Mittelpunkt steht. Ihr Schicksal ist bestimmend für Betos Erlösung.
Die zweite Hälfte zeigt den gnadenlosen Drill von BOPE Mitgliedern. Keine leichte Kost und mit einem beinahe schon unmenschlichen Sarkasmus gewürzt.
Das Ende zeigt dann den unausweichlichen Zusammenstoß zwischen den Dealern und den BOPEs.

Dass das ganze nicht zu einem reinen schwarz-weiß Schema verkommt, ist den Menschen zwischen den Fronten zu verdanken. Man bezieht zwangsläufig selbst Position. Stellt sich selber vor wie man handeln würde, denn Korruption beginnt schleichend und meist mit einer guten Absicht.
Interessant ist auch der Aspekt, dass der Film nur kleinere Dealer zeigt, aber keine mächtigen Bosse. Diesen Part, den des "Filmbösewichten" wird souverän von der Korruption ausgefüllt. Je länger man darüber nachdenkt, desto faszinierender erscheint dieser Umstand, denn das entlarvt den Film als eine ernüchternde Bestandsaufnahme. Keine Hoffnung, keine Lösungen, nur lakonische Realität und die Gewissheit, dass es keinen richtigen Weg gibt.

Der Drogenkrieg und Korruption der Behörden an sich wären bereits spannend genug, doch durch Betos Bedürfnis nach Erlösung bekommt der Film eine zusätzliche Fassette. Der ganze Film ist seine Sicht der Dinge, seine Werte werden vermittelt, seine Meinung transportiert. Dass dies auch konträr zu den Bildern verlaufen kann, erscheint einleuchtend und da steckt das Geheimnis des Films. Die Kunst durch verschiedene erzählerische Ebenen und Perspektiven Gegensätze und Widersprüche aufzubauen, die dann interpretiert werden müssen, was durchaus den einen oder anderen zu faschistischen Interpretationen verleiten kann, was aber nicht die Absicht des Films ist. Die letzte Einstellung des Films spricht dafür eine zu unmissverständliche Sprache.

Für City Of God-Fans oder Freunde des südamerikanischen Kinos ein Pflichtfilm!

9/10

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