Samstag, 13. November 2010

Filme - SOMEWHERE

KINO: Somewhere
Der kleine Bruder von „Lost In Translation“ und somit allen, die sich bereits mit Bill Murray zusammen in Tokio verloren und verliebt hatten, zu empfehlen.  7/10
Kinostart: 11.11.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Somewhere


In ihrem neusten Film "Somewhere" fokussiert sich Sophia Coppola, anders als man vielleicht erwartete, nicht auf die autobiografisch-angehauchten Elemente einer Vater-Tochter Beziehung im Scheinwerferlicht. Die Regisseurin weiß sehr gut, dass selbst sie diesem Thema keine wirklich neuen Impulse mehr verleihen kann. Stattdessen konzentriert sie sich auf die Figur des Filmstars und Vater wieder Willen Johnny Marco. „Somewhere“ kann als die Quintessenz von Coppolas Regiestil betrachtet werden. Inhaltlich und auch inszenatorisch verfolgte sie den exakt selben Weg, den sie bereits mit „Lost in Translation“ beschritt. Ein Star, der sich in Apathie verliert, gefangen im Rhythmus des eigenen Ruhms, diktiert von Agenten und gelegentlichen Ablenkungen. Die Regisseurin hat ein Faible für ausgehöhlte Protagonisten, die nur noch ein Schatten ihrer selbst sind und sich im eigenen Leben verloren haben. So überrascht es nicht, dass das Hauptthema von „Somewhere“ auch als „Lost In Famous“ umschrieben werden könnte. Coppola stellt in Momentaufnahmen die Verfassung ihres von Stephen Dorff glaubhaft dargestellten Protagonisten dar. Aber ohne Erläuterungen oder aussagekräftige Handlungen, die die Charaktere charakterisieren würden, verliert sich der Film zu oft in der Monotonie seiner Figuren. Das schadet insbesondere der Vater-Tochter Beziehung, die zwar interessant anzusehen ist und als Kontrast zum ausschweifenden Leben von Johnny Marco passt, aber leider den Zuschauer völlig unberührt lässt.
Sofia Coppolas Filme waren noch nie besonders emotional, zumindest oberflächlich betrachtet. Aber „Somewhere“ ist selbst für ihre Verhältnisse sehr unterkühlt und gehemmt. Weniger Distanz zum Zuschauer und weniger Monotonie und das Fünkchen Wärme, das nötig gewesen wäre, den Film vollends zu entfachen, hätte gezündet. Als kleine Entschädigung wird ein faszinierender Soundtrack von der französischen Indie-Pop Band „Phoenix“ geboten. Ausgangsbasis waren ihre beiden Songs „Love Like a Sunset Part I“ und „Love Like a Sunset Part II“, die Coppola als akustische Versinnbildlichung von Johnny Marcos seelischer Verfassung auserkor. In der letzten Sequenz wird passend zum plötzlichen Wandel von Johnny Marco eine bedrückende Aufbruchstimmung zwischen Selbstaufgabe und Erlösung erzeugt, die nicht nur die erste wahre Entwicklung des Films untermauert sondern auch gleichzeitig einige Fragen unbeantwortet lässt. Sofia Coppola bleibt suggestiv bis zum Schluss, ganz wie wir sie kennen.

„Somewhere“ ist der kleine Bruder von „Lost In Translation“ und somit allen, die sich bereits mit Bill Murray zusammen in Tokio verloren und verliebt hatten, zu empfehlen. Die Ähnlichkeiten beider Filme kann je nach Sichtweise für oder gegen den Film sprechen. Weder neue Weisheiten, noch besondere Einsichten werden von „Somewhere“ vermittelt, bloß schwelgerische Momentaufnahmen mit zwei wunderbaren Schauspielern, die in ihren stillen Momenten am meisten zu sagen haben. Auch das ist man sich von Sofia Coppola gewohnt.

7/10

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