Sonntag, 28. November 2010

Filme - THE GOOD HEART

KINO: The Good Heart (Ein gutes Herz)
Was als wunderbar kauzige Männerfreundschaft mit interessanten Bar-Anekdoten beginnt, endet als sentimentales "gutherziges" Entengequake. 6/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

The Good Heart
(Ein gutes Herz)


Sein dritter Film „Ein gutes Herz“ führt den dänischen Regisseur Dagur Kári, der über isländische Wurzeln verfügt, nach New York, wo er ein urbanes Märchen in einer nicht greifbaren Stadt erzählen wollte. Kári hatte kein Interesse an Authentizität oder realistischer Darstellungen des New Yorker Alltags, sondern bastelte sich aus seinen stereotypen Vorstellungen die optimale verwahrloste Stadtkulisse. Kein Wunder also, dass sich die Amerikaner bei dieser europäischen Manifestation ihres geliebten Big Apples vor den Kopf gestoßen fühlten.



Auch bei uns tut sich der neuste Film des dänischen Filmemachers schwer. Die Gründe sind schnell gefunden: Was als wunderbar kauzige Männerfreundschaft mit interessanten Bar-Anekdoten beginnt, endet als sentimentales „gutherziges“ Entengequake. Selbst als modernes, urbanes Märchen funktioniert der Film nur bedingt, weil er zu viele lose Elemente in einen Topf wirft ohne konkretes Ziel oder Aussage. Die beiden Charaktere sind im wahrsten Sinne des Wortes das Herz der Geschichte, aber verkommen im Laufe des Films zu einfältigen Marionetten, die vom Regisseur orientierungslos herum gescheucht werden, bis es zum finalen Zusammenstoß kommt und das ohnehin sehr wacklige Kartenhaus in sich zusammen fällt.

Was alle drei Filme des Regisseur verbindet - „Nói albinói“, „Dark Horse“ und „Ein gutes Herz“ - ist seine Wahl der Protagonisten, die sich stets aus einzelgängerischen Außenseitern zusammensetzen, die sich über ihren Platz in der Gesellschaft nicht klar sind. Sie haben sich alternative Strukturen geschaffen, an denen sie um jeden Preis fest halten. Außerdem triumphiert in Káris Filmen am Ende stets die Menschlichkeit und die Empathie setzt sich gegen alle Regeln durch. Und hier kommen die Leistungen der beiden Schauspieler Brian Cox und Paul Dano zum Tragen. Sie beide verleihen den trägen Charakteren Leben und Glaubwürdigkeit und lassen sie trotz aller Stereotypen sympathisch erscheinen. Ihre Meister-Schüler Beziehung und die ständigen Belehrungen über die Berufung des Barkeeperdaseins sorgen für Kurzweil. Zumindest bis beide Figuren ihre Wandlung vollziehen und am Ende nicht mehr viel von der ursprünglichen Geschichte übrig bleibt.



„Die Cleveren mögen meinen Film, die Dummen nicht.“ Gewagte Worte aus dem Mund des Regisseurs. Es stellt sich die Frage, warum Kári für „Ein gutes Herz“ Intelligenz voraussetzt, obwohl sich der Film „nur“ als sentimentaler Wohlfühlfilm versteht, dem aber der richtige Biss fehlt und keinerlei intellektuelle Stimulanz besitzt? Der Film ist ein anfangs charmanter, wenn auch sentimentales Werk über die Männerfreundschaft zweier Außenseiter, das in der zweiten Hälfte jedoch den Faden verliert. Da scheint sich der dänische Filmemacher mit Lars von Trier verwechselt zu haben.


6/10

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