Montag, 25. Oktober 2010

Filme - SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD

KINO: Scott Pilgrim VS. The World (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt)
Ein sorgenfreier Spaß für die einen, der lange erwartete Aufschrei einer ganzen Generation für die anderen. Wenn man mich fragt, Fight Club 2.0.1.0
Kinostart: 21.10.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Scott Pilgrim VS. The World
(Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt)


Es war mal ein Film, dessen Trailer wirkte wie ein sonderbarer Kampffilm, in dem sich soziale Außenseiter in filmisch zelebrierten Untergrundkämpfe die Köpfe einschlugen. Bestenfalls die Kenner der Vorlage, auf der der Film beruhte, dürften geahnt haben, dass hinter den stilisierten Hochglanzbildern und gewalttätigen Auseinandersetzungen mehr stecken könnte. In den Kinos war dem Film kein Erfolg gegönnt, aber bereits dort attestierten die Kritiken dem Film herausragende, beispiellose Qualitäten. Der Name des Films: „Fight Club“. Der Rest ist Geschichte. Heute bezweifelt niemand mehr, dass mit „Fight Club“ ein Film geschaffen wurde, der eine ganze Generation mitprägte und der mit ihrer Stimme sprach. Mit „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ hielt nun ein Blutsverwandter Einzug in die deutschen Kinos, der inhaltlich zwar komplett andere Wege geht, aber dem ein ähnliches Schicksal bevorstehen könnte.

„Scott Pilgrim“ kann auf drei Arten betrachtet werden. Entweder man sieht in den bunten, epileptischen Bildern nur ein hypernervöses Videospiel, das irgendwie den Weg in die Kinos schaffte. Oder man findet sich in der Flut von ausufernden Zitaten zu recht und verliert sich in der nerdigen und äußerst unterhaltsamen Show. Eine Show fernab jeglichen Realitätsansprüchen, übersprudelnd mit Kreuzverweisen auf den aktuellen Zeitgeist, die direkt einen Generationen übergreifenden Nerv trifft, irgendwo zwischen Nintendo- und Youtube Ära.
ODER, man empfindet den Film wie eben beschrieben, blickt aber zusätzlich hinter die Neon-Fassade und erkennt in dem knallbunten und zuckerhaltigen Bonbon einen tieferen Sinn. Denn genauso wenig, wie „Fight Club“ nur ein Film über kämpfende Männer der Arbeiterklasse ist, stellt „Scott Pilgrim“ ein Film über verliebte Tweenies, die zu viele Videospiele gespielt hatten dar. Der Film funktioniert auf einer metaphysischen Ebene, wo die sieben „bösen Exfreunde“ jeweils für einen Aspekt von Ramona Flowers Psyche stehen. Wenn man sich ihren Charakter näher betrachtet, ihre Zurückhaltung gegenüber Scott Pilgrim, ihr ständiges Verschwinden, ihre Ablehnung Gutes in ihr Leben zu lassen oder die Tatsache, dass die Kämpfe stets nur in ihrer Gegenwart stattfinden, wird erkennbar, dass Scott Pilgrim nicht gegen reale Menschen sondern gegen manifestierte Personifikationen von Ramonas Unterbewusstsein kämpft. Selbst Anzeichen einer Borderline Persönlichkeit könnten auf den Film projiziert werden und würden dem ganzen eine zusätzliche Fassette verleihen. Aber auch ohne diese Deutungen stellt „Scott Pilgrim“ der kreativste, frischeste und zumindest in audiovisueller Hinsicht innovativste Kinofilm dar, den man dieses Jahr sehen durfte.

Regisseur Edgar Wrights neuster Geniestreich (Shaun Of The Dead, Hot Fuzz) wurde im Vorfeld als der „Citizen Kane“ der internetaffinen Generation betitelt. Große Worte, die doch ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Tatsächlich würde jedoch der Vergleich mit dem anfangs erwähnten „Fight Club“ dem Film besser zu Gesicht stehen. „Scott Pilgrim“ zeichnet sich weniger durch soziale Kritik, als durch psychologische Auseinandersetzung mit den Unzulänglichkeiten der Generation 2.0 aus. Früher waren es Filmzitate, heute ein Feuerwerk an intermedialen Kreuzverweisen und selbstreflexiven Erkenntnissen. Kurzum, Spaß Spaß Spaß, aber auf clevere und tiefsinnige Art. Zumindest wenn einem der Sinn danach steht.

10/10

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