Samstag, 30. Oktober 2010

Filme - SAMMYS ABENTEUER

KINO: Sammys Abenteuer
Eine extrem biedere Angelegenheit, aber für alle, die sich noch nicht ohne Schwimmflügel ins Wasser trauen, ein netter Spaß. 5/10
Kinostart: 28.10.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Sammys Abenteuer


Nach „Die Konferenz der Tiere“ folgt nun mit „Sammys Abenteuer“ der nächste Animationsvertreter, der zu einem Großteil in Deutschland produziert wurde. Und wie bereits bei der modernen Erich Kästner Verfilmung, ist auch bei der kleinen Schildkröte schnell ersichtlich, welches große Vorbild Pate stand. Der Trailer macht keinen Hehl daraus, dass „Findet Nemo“ absichtlich in mehrerlei Hinsicht kopiert wurde. Da stellt sich die Frage, ob bei soviel Fremdinspiration noch Platz für Originalität geblieben ist?

„Sammys Abenteuer“ trug während der Produktionsphase noch den Projektnamen „Around the World in 50 Years“ und dieser Titel erfasst genau den Kern des Films. In „Sammys Abenteuer“ wird die Lebensgeschichte einer Schildkröte erzählt, von den ersten tapsigen Krabbelversuchen an Land bis hin zur betagten Riesenschildkröte, die durch die Meere gleitet. Man könnte den Film als Road Trip durch die sieben Weltmeere bezeichnen. Wie es sich für ein Road-Movie (besser gesagt, Stream-Movie) gehört, begegnet Sammy auf seiner Reise so manchem Getier, das ihm mal mehr und mal weniger freundlich gesinnt ist. Und hier offenbart sich bereits das erste Problem. Der Film ist überfrachtet mit kleinen, beiläufigen und zusammenhangslosen Episoden und springt im Zeitraffermodus durch das Leben der Schildkröte. Jeglicher Entfaltungsraum wird im Keim erstickt und selbst Sammy bleibt trotz der Menge an Erlebnissen sehr eindimensional. Anfangs ist man noch fasziniert von der täuschend echten und realistischen Unterwasserwelt, aber bereits nach kurzer Zeit wird ersichtlich, dass der Zuschauer tatsächlich nur zuschauen darf. Von Empathie oder einem fesselnden Filmerlebnis fehlt jede Spur. Was der Film bieten kann, ist einen sehr hohen Niedlichkeitsfaktor und harmlose Gags aus der Retorte. Aber das ließe sich verschmerzen, schliesslich möchte der Film in erster Linie die jüngsten Kinofans unterhalten, wäre da nicht diese Biederkeit und aufgesetzter grüne Daumen. Der Film ist eine Erzählung einer alten Schildkröte, die ihr Leben von außen betrachtet und die mit altklugen Kommentaren die Erlebnisse ihres jungen Alter Egos kommentiert. Was öfters zu sehr moralinsauren Szenen führt. Richtig anstrengend wird es, wenn die Moralkeule gar nicht mehr zu Ruhe kommt und jedes nur denkbare ökologische Verbrechen der Menschheit im Film zur Sprache gebracht wird. Was für sich betrachtet vielleicht eine wertvolle Botschaft sein könnte, verkommt in der Masse zur Geduldsprobe.

Dem Film fehlt ein roter Faden, der Sammy nicht nur geografisch oder zeitlich sondern auch inhaltlich leitet. So ziellos sich die Charaktere im Kreis drehen, so stolpert auch der ganze Film ungelenk über seine eigenen Flossen, die stets versuchen den großen Animationsfilmen nachzueifern. Hier merkt man besonders, dass der Regisseur von „Sammys Abenteuer“ aus der IMAX-3D Ecke stammt. Der stereoskopische Effekt wird einem im Minutentakt eingeprügelt, aber erzählerisch fehlt jegliches Know-How. Aber richtig böse kann man dem Film nicht sein. Die kindgerechte Knuddelgrafik gepaart mit einer harmlosen (nur leider für erwachsene fast unerträglich biedere) Geschichte machen den Film zum einen vergnüglichen Erlebnis für alle, die sich noch nicht ohne Schwimmflügel ins Wasser trauen.

5/10

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