Donnerstag, 21. Oktober 2010

Filme - ONDINE

KINO: Ondine
Ein Film für Menschen, die noch daran glauben und hoffen, dass Märchenzauber auch in unserem farblosen Alltag zu finden sind und die diesen Glauben in einem Film eingefangen sehen wollen.   8/10
Kinostart: 21.10.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Ondine


Filmmärchen übten schon immer eine einzigartige Faszination auf den Zuschauer aus. Ganz besonders diejenigen, die sich an ein erwachsenes Publikum richten und sich die Freiheit erlauben, einen eigenen Interpretationsansatz zu verfolgen. Hans Christian Andersens Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ ist eine gerne zitierte Vorlage, aus der schon so mancher Film entsprang. „Das Mädchen aus dem Wasser“, „Ponyo“, „Splash“ oder die berühmte „Arielle die Meerjungfrau“, um nur die bekanntesten zu nennen. Mit „Ondine“ kommt nun die neuste Variation dieses Stoffes in unsere Kinos und in keinem der bisherigen Filme ging Fantasie und Realität so schön Hand in Hand wie in Neil Jordans irischen Märchenstunde für Erwachsene.

„Ondine“ erzeugt eine Stimmung zwischen grauer Realität und hoffnungsvollen Träumereien. Alkoholismus, Nierenkrankheit, Vergangenheitsbewältigung, Scheidung, Drogen, Emigration. Die Realität in Neil Jordans Film schlägt mit doppelter Härte zu. Umso mehr wird der Kontrast mit dem wortwörtlichen Auftauchen der Wassernixe Ondine spürbar. Sie lässt Syracuse und seine kleine Tochter Annie, die beide vom Leben gezeichnet wurden, wieder an Wunder und Mythen glauben. Colin Farrells Figur ist in ohnehin ein schlichtes Gemüt. Für ihn gibt es nur den Fischfang und seine Tochter, alles andere hat für ihn keine Bedeutung mehr. Annie dagegen ist ein cleveres und forsches Mädchen, das ihren Vater mit ihrem Wissensdurst schon längst überflügelte. Gerade diese Chemie zwischen dem einfachen aber aufopferungsvollen Vater und des intelligenten aber desillusionierten Mädchens zeichnet den Film aus. Mit der Hilfe der bezaubernden Ondine, gespielt von Alicja Bachleda, deren frisches Gesicht und ihre unverbrauchte Art den Charakter des Films mitprägen, schöpfen die beiden Außenseiter neue Kraft und fangen an Wunder als Teil des Lebens zu akzeptieren. Neil Jordan spielt damit, die Welt durch die naiven Augen von Vater und Tochter zu sehen, während die Realität schonungslos ihre Wogen schlägt. Der Film versucht durch seine Charaktere und seine ungestüme und doch verträumte Stimmung zu verzaubern. Irlands Küsten, mit grauer Tristesse und den Klängen von Sigur Rós Keyboarder Kjartan Sveinsson stimmen ein Wehklagen an, das den Zuschauer von der ersten Minute an einfängt. Ab und an werden Assoziationen an Lasse Hallström „Schiffsmeldungen“ geweckt. Ein Film, der mit seiner Neufundländer Landschaft und einer ähnlich gelagerten (aber weit weniger verträumten) Geschichte in eine ähnliche Kerbe schlägt wie „Ondine“.
Kritikpunkte gibt es im Grunde nur am Ende, dafür fallen diese besonders ins Gewicht, weil sie Syracuse Charakter untergraben und die Harmonie des Films verzerren. Der ärgerlichste Punkt ist der formelhafte und dramatisierte Showdown, der direkt aus den engstirnigen Schreibstuben Hollywoods stammen könnte. Ein aggressiver Fremdkörper in einem ansonsten wohltuenden Film.

„Ondine“ ist die erwachsene Version von Hayao Miyazakis „Ponyo“. Ernüchternder und ernster als das kleine Goldfischmädchen, aber mit derselben naiv-verträumten Grundessenz. Für Leute, die noch daran glauben und hoffen, dass Märchenzauber auch in unserem farblosen Alltag zu finden sind und die diesen Glauben in einem Film eingefangen sehen wollen.

8/10

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