Sonntag, 31. Oktober 2010

Filme - In ihren Augen

KINO: In ihren Augen (El secreto de sus ojos)
Ein fesselnder und auf vielfältige Weise berührender Film Noir Film, mit einer gewagten Prämisse und einer äußerst romantischen Note. 8/10
Kinostart: 28.10.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

In ihren Augen
(El secreto de sus ojos)


Die Academy hatte dieses Jahr keine leichte Aufgabe. Neben „Das weiße Band“, „Ajami“, „Ein Prophet“, „Eine Perle Ewigkeit“ war auch „In Ihren Augen“ für den Oscar nominiert. Der letztgenannte Beitrag aus Argentinien konnte sich schlussendlich als Sieger behaupten, worauf sich der Film durchaus etwas einbilden durfte. Denn wie sich mittlerweile gezeigt hat, waren die anderen Nominierten alles andere als filmische Leichtgewichte. Jeder Einzelne sorgte auch bei uns für (für Programmfilm-Verhältnisse) beachtliches Aufsehen. Jeder Film ist auf seine Weise herausragend und uneingeschränkt zu empfehlen. So auch „In ihren Augen“, eine intime und ungewöhnliche Kriminalgeschichte mit einer besonderen romantischen Note.



Es ist eine ungewöhnliche Mischung, wie man sie nicht alle Tage sieht, die uns der argentinische Regisseur Juan José Campanella bietet. Eine schwungvolle Inszenierung, durch die Bank weg charismatische Charaktere sowie eine fesselnde Kriminalgeschichte, die dem Protagonisten einiges abverlangt. Ständig springt der Film zwischen Vergangenheit und Realität, zwischen Sehnsucht, Besessenheit und Selbstaufgabe. „In ihren Augen“ wirkt wie eine Abwandlung von Friedrich Dürrematts "Das Versprechen", besonders was die Hauptfigur Benjamín Esposito betrifft, der einer Manie anheimfällt, die über eine herkömmliche Berufung hinaus geht. Thema, Charaktere und auch die sprunghafte Erzähltechnik macht aus dem Film einen echten Film Noir Vertreter, der öfters an Roman Polanskis „Chinatown“ erinnert. Seine Faszination bezieht der Film aus einem Wechselspiel zwischen seiner Kriminalgeschichte und einer tiefsitzenden unausgesprochenen Liebe zwischen dem Kommissar und seiner Vorgesetzten. Die ersten 60 Minuten setzen sich aus klassischen aber gut vermischten Krimizutaten zusammen, an deren Ende die Handlung scheinbar ihren Höhepunkt erreicht. Jedoch folgt im Anschluss so mancher Aha-Moment. Keine aufgesetzten Augenöffner, viel mehr subtile Weiterentwicklungen und Variationen, die den Film von anderen Kriminal- und Film Noir Filmen abheben.

Womit der Film besonders besticht, sind seine Charaktere und ihre Beziehungen. Die unausgesprochene Liebe und leisen Sehnsuchtsmomente zwischen Kommissar Esposito und seiner verheirateten Vorgesetzten bilden der emotionale Faden für den Mordfall als auch den späteren Verlauf des Films. Aber auch die Freundschaft zwischen dem integren Kommissar und seinem alkoholabhängigen aber treuen besten Freund Pablo Sandoval, der zudem als herrlich unkonventioneller Sidekick fungiert, bewegt die Herzen der Zuschauer.

„In ihren Augen“ ist ein fesselnder und auf vielfältige Weise berührender Film, mit einer gewagten Prämisse. Es gibt einen Phase im Film, wo man als Zuschauer denkt, man hätte die Handlung durchschaut und man ertappt sich selbst dabei den Film für seine Vorhersehbarkeit zu tadeln. Zu unrecht, denn der Film überrascht durch sein Verzicht auf einen großartigen Twist. Wir Zuschauer wurden in den letzten zwei Jahrzehnten darauf konditioniert möglichst komplexe und durchtriebene Entwicklungen zu erwarten. So immens, dass wir die einfachsten Auflösungen gar nicht mehr bedenken und uns in Folge dessen auch nicht mehr Gewahr werden, dass die einfachen Auflösungen oftmals die stimmigsten und befriedigendsten sein können.

8/10

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