Donnerstag, 14. Oktober 2010

Filme - GOETHE!

KINO: Goethe!
Als Cineast, der was auf sich hält, darf ich solche Filme aus Prinzip nicht gut heißen. Aber... 6/10
Kinostart: 14.10.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Goethe!


Mit Goethe! kommt eine moderne Verfilmung über die jungen Jahre des berühmtesten Dichter Deutschlands in die Kinos. Der Verleih spricht vom ersten richtigen Film über Johann Wolfgang Goethe. Eine gewagte Aussage, die je nach Auslegung äußerst streitbar ist. Bereits 1975 wurde Lotte in Weimar, ein Roman von Thomas Mann, der sich semi-fiktional mit Goethes späterem Leben beschäftigt, verfilmt. Keine authentische Adaption über das Leben des Dichters, sondern mehr eine Interpretation möglicher, teils verbürgter Geschehnisse. Diese DEFA-Produktion hat sich über die Jahre hinweg einen beachtlichen Ruf angeeignet, ein Vergleich, den der Verleih vielleicht absichtlich scheut.

Die Trailer...
... vermitteln ein klares Bild und lassen keinen Zweifel daran, dass es sich bei Goethe! um eine romantische Komödie handelt. Bei aller Kritik, die der Film womöglich in den kommenden Tagen und Wochen einstecken darf, muss ich ihm trotzdem eines zu Gute halten. Er löst sämtliche Erwartungen (oder Befürchtungen…), die die Trailer schüren, lückenlos ein. Wer mit der Vorschau positive, amüsante oder gar romantische Eindrücke assoziiert, der darf sich ruhigen Gewissens ins Kino begeben. Die Schattenseite der Medaille: Wem bei all den berechnenden Biederkeiten die Magensäure überkocht, dem wird auch mit dem finalen Film keine Erlösung zuteil.

Beim Inhalt...
... stellt sich wie bei eigentlich jedem Werk (von Rang) zunächst die Frage, wie viel Autobiographisches in der fiktiven Geschichte enthalten ist. Goethe selbst gab in Dichtung und Wahrheit bereitwillig Auskunft über sein Seelenleben. Demnach entsprang sein Standardwerk “Die Leiden des Jungen Werthers”, mit dem Goethe! abschließt, dem wahren Leben und ist als Therapie anzusehen für Goethes unerfüllte Liebe zu Lotte aus Wetzlar.

In Film wird nun diese so intensiv erlebte Episode aus dem Leben des Dichters nachgestellt und ins romantische Bild gesetzt. So lernen wir den jungen Goethe (Alexander Fehling) kennen, der noch keinen Erfolg als Dichter und Schriftsteller gefunden hat und seinem bürgerlichen Schicksal als angehender Jurist nur widerwillig nachstrebt. Aus dem Affekt heraus entsendet sein Vater (Henry Hübchen) ihn in die Provinz, wo Goethe sich am Reichskammergericht verdingen soll. Doch das Dorfleben hält eine Attraktion ungeahnter Liebesleiden bereit in Gestalt einer jungen Frau, Lotte (Miriam Stein). Goethes Liebe entflammt für sie, zumal sie ihm Mut macht, der Karriere des Dichters nachzueifern. Was Goethe allerdings nicht weiß: Lotte ist seinem Vorgesetzten Kestner (Moritz Bleibtreu) schon versprochen, und die zarte Liebe von Goethe und Lotte ist unweigerlich zum Scheitern verurteilt. Oder?

Als Film...
... bietet das Leben von Goethe eine nur bedingt geeignete Vorlage. Goethe war nicht nur Dichter, sondern schrieb auch erfolgreich Romane, Theaterstücke, erfand nebenbei das Rollschuhlaufen, entdeckte den Zwischenkieferknochen, war Geheimrat, Grafiker, Minister und kam darüber hinaus noch aus wohlhabenden Haus. Wahrlich kein Stoff, aus dem Dramen geschmiedet werden. Vielleicht wurde darum entschieden, sich auf Goethes Anfangsjahre zu konzentrieren und den Fokus auf seine vielleicht bekannteste Liaison zu richten.

Traurig ist, dass die interessantesten Seiten an dem Jüngling Goethe nur am Rande angeschnitten werden. da gibt es zum einen die zerrüttete Beziehung zu seinem Vater, der den dichterischen Flausen seines Sohnes endgültig überdrüssig ist. Besonders durch das Spiel von Henry Hübchen (Whisky mit Wodka) möchte der Zuschauer am liebsten nur den Konflikten zwischen Vater und Sohn lauschen, anstatt nach wenigen Minuten wieder in den Süßholzraspeltopf geworfen zu werden. Am traurigsten erscheint jedoch, dass die Entstehung von Goethes damaligen Bestseller und Bibel aller Suizidgefährdeten “Die Leiden des Jungen Werthers” ebenfalls nur knapp angerissen wird, als Teil der finalen Auflösung. Dies wäre der Part mit dem meisten dramatisches Potential gewesen. Den Machern schien dies ebenfalls bewusst zu sein, was den abrupten Stimmungswechsel von einer verträumten Romanze in ein überraschend schwermütiges Mienenspiel erklären würde.

Grundsätzlich macht Goethe! nicht viel falsch, nur eben auf die selbe langweilige Art und Weise, die wir zur Genüge kennen. Ob dafür unbedingt der Name von Johann Wolfgang von Goethe ausgegraben werden musste, sei dahingestellt.

Die Schauspieler...
... können mit ihre Arbeit zufrieden sein. Sie verleihenGoethe! eine sympathische Verträglich- und Glaubwürdigkeit. Moritz Bleibtreu in seiner ungewohnt passiven Nebenrolle bietet eine souveräne Darbietung, aber die heimlichen Stars sind natürlich Alexander Fehling (Inglourious Basterds, 13 Semester) und Miriam Stein (180° – Wenn deine Welt plötzlich Kopf steht), die zwar auf auf die Romcom-typisch neckische Art miteinander umgehen, aber auch zweifelsfrei den Funken zum Zünden bringen.

Das Fazit...
... über Goethe! ist eine zweischneidige Angelegenheit. Ja, es handelt sich um eine romantische und dazu noch deutsche Komödie nach Schema F. Ja, der Film ist von vorne bis hinten auf Kuschelkurs und ja, als Cineast, der was auf sich hält, darf ich solche Filme aus Prinzip nicht gut heißen. Dennoch, für die anvisierte Zielgruppe funktioniert Goethe! tadellos. Souveräne Unterhaltung mit viel empathischen Berührungspunkten für Freunde von Filmen wie Shakespeare in Love. Die Frage ist nicht, ob der Film dem berühmtesten deutschen Dichter gerecht wird, sondern ob sich der Zuschauer damit abfinden kann, dass Goethe zu einem schmachtender Jüngling herabgestuft wurde, der erst am Filmende ansatzweise interessant wird.

6/10

(Originaltext für Moviepilot verfasst)

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