Sonntag, 19. September 2010

Olos Favoriten - SHORTBUS

Olos Top50: Shortbus
Pornografisches Machwerk oder intime und naiv-zärtliche Selbstfindungsodyssee? Letzteres, wetten?
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


Shortbus


Shortbus will nicht provozieren, sondern ermutigen. Denn trotz seiner ernsten Thematik, schafft er eine solch wunderschöne und versöhnliche Stimmung, dass man nur noch an das Gute glauben will. Die Mittel sind dabei legitim, statt Gewalt spielt der Film mit der Sexualität. Explizit, detailliert und unverblümt. Man denke an Filme der Regisseure Larry Clark oder Bernardo Bertolucci und man weiß was einen erwartet.
Die Sexualität als Spiegel der persönlichen Wahrnehmung und des eigenen Verstandes.
Menschen, die der Meinung sind, dass solche "pornographische" Filme nichts in einem anständigen Kino verloren hätten, sollten sich vor Augen führen, mit was für einer extremen Gewaltbereitschaft man als Kinogänger heutzutage konfrontiert wird. Wenn Filme wie Hostel oder Saw ihre massentaugliche Rechtfertigung verdienen, warum nicht auch ein Film wie Shortbus? Gewalt als gesellschaftlich akzeptierte Form der Unterhaltung aber nicht Sexualität?
Es ist  erschreckend, dass die Gewaltsensibilisierung - oder soll man es Abstumpfung nennen? - mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit wurde, aber der Umgang mit der Sexualität immer noch so stiefmütterlich behandelt wird wie vor einhundert Jahren. Als ob jemand Gewalt dem Sex vorziehen würde...
Der Film stellt eine urbane Subkultur in einem direkten Post 9/11 Umfeld dar, mit all ihren emotionalen Höhen und Tiefen. Eine Kultur, die sich mit Hilfe ihrer Sexualität und vor allem ihrer Liebe selbst zu helfen versucht. Somit ist die explizite und sehr freizügige Sexualität durchaus gerechtfertigt. Zumindest in dem Maße wie es auch ein Amok laufender, gewaltverherrlichender Kriegsveteran namens Rambo im Zeichen einer Antikriegsmessage rechtfertigt.
Darüber hinaus beinhaltet dieser Film in puncto Stimmung und inhaltlichem Bezug eine Songzusammenstellung, die ihres gleichen sucht. Mit dessen Hilfe wird dem Zuschauer den Zugang zum offenkundig extremen visuellen Charakter des Films vereinfacht. In die gleiche Kerbe schlagen die animierten Zwischensequenzen, die bereits im Trailer zu sehen sind und die direkt aus einem Kindermalkasten entsprungen sein könnten. Auf ihre naive aber poetische Art erzeugen sie einen faszinierenden Kontrast, der die provokative Kraft des Films zusätzlich relativiert.

Ein in Puderzucker getauchter Molotowcocktail, ein Film der berührt, ermutigt und den Zuschauer trotz aller Provokation mit einem Lächeln entlässt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts with Thumbnails

Ältere Beiträge, die dich interessieren könnten: