Mittwoch, 22. September 2010

Filme - THE TOWN

KINO: The Town
Ben Afflecks 2. Regiearbeit, die nicht an sein "Gone Baby Gone" heran reicht, aber erneut viel Talent erkennen lässt. Für Freunde von einfühlsamen Ganoventhrillern der Marke "Heat" 7/10
Kinostart: 23.09.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

The Town


Es ist nichts ungewöhnliches, wenn Schauspieler den Drang verspüren sich als Regisseur zu beweisen. Die Filmgeschichte ist voll mit mehr oder weniger erfolgreichen Zweitkarrieren. Manche entpuppen sich sogar als Ausnahmetalente, wie Clint Eastwood, dessen Ruf als Regisseur mittlerweile fast seine Schauspielkarriere überstrahlt. Aber auch Sylvester Stallone, Mel Gibson oder Jodie Foster zog es mit Erfolg hinter die Kamera. Ben Affleck präsentiert nun mit „The Town“ bereits seinen zweiten Kinofilm als Regisseur und dieser ist nach seinem spektakulären Regiedebüt „Gone Baby Gone“ bereits mit Spannung erwartet worden.

Wie bereits bei seinem Erstlingswerk richtet Affleck auch bei „The Town“ den Fokus auf eine soziale Unterschicht und vermischt deren Alltagsprobleme mit einer kompromisslosen Kriminalgeschichte. Ein Großteil der Spannung bezieht der Film aus dem doppelten Spiel, das Doug MacRay mit seinem früheren Bankraubopfer treibt. Rebecca Hall reißt den Zuschauer durch ihre schauspielerische Leistung erneut direkt ins Geschehen. Auch Affleck und „Tödliches Kommando“ Star Jeremy Renner wissen zu beeindrucken. Dennoch fehlt gerade in den leisen Momenten der gewisse Funke, um vollends zu überzeugen. Die Charaktere bleiben trotz ihrer Glaubwürdigkeit meist flach und bewegen sich auf stereotypen Bahnen. Leider überzeugt „The Town“ im Gegensatz zu seinem Vorgänger auf emotionaler und intellektueller Ebene nur partiell.
Dafür funktioniert der Kriminalaspekt des Films umso besser. Von Beginn an baut der Film durch die Überfälle ein dichtes Spannungsnetz auf, das sich am Ende um den Hals der Protagonisten legt und langsam zu zieht. Der moralische Aspekt der Bürger von Charlestown, die nicht verkommen geboren wurden, sondern sich nur ihrem sozial verelendetem Umfeld anpassten, ist neben der gestörten Beziehung zwischen Doug und Claire das Spannungsfundament des Films. Doch weder auf die Vergangenheit von Afflecks Rolle noch auf die Geschichte des Stadtteils wird wirklich eingegangen. Ähnlich wie „Gone Baby Gone“ ist auch „The Town“ ein stilles Liebesbekenntnis an Bostons vereinsamte Ecken. Die Faszination in der sozialen Bescheidenheit, die ein weiteres mal mit stillen aber stilvollen Bildern eingefangen wurde.

Am Ende bleibt ein guter, aber wenig überraschender Ganoventhriller der etwas härteren Gangart, der auch die Probleme eines sozial ausgebeuteten Stadtviertels anschneidet. Die Spannung, die der Film über die ganze Länge aufbaut und besonders am Ende gipfeln lässt, hilft über so manche Unzulänglichkeit hinweg. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Ben Afflecks Regiekarriere holt momentan bestenfalls Anlauf für den ganz großen Sprung und ähnlich wie bei Clint Eastwood dürfte auch beim ehemaligen „Sexiest Man Alive“ mit jedem neuen Film ein weiteres nachdenkliches Filmerlebnis herausspringen, das es wert ist gesehen zu werden.


7/10

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