Samstag, 25. September 2010

Filme - THE SOCIAL NETWORK

KINO: The Social Network
Ein reifer, nachdenklicher und überraschend bodenständiger Film, Fincher führt seine Jungdarsteller zu Spitzenleistungen und beweist die Klasse eines Hitchcocks. Doch der heimliche Star des Films ist und bleibt Autor Aaron Sorkin 8/10
Kinostart: 07.10.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

The Social Network


Selten war ein Filmprojekt so vorurteilsbelastet wie das von „The Social Network“. Ähnlich wie das ambivalente Image von Facebook, die wenigsten bekennen sich dazu, noch weniger wollen darauf verzichten, musste auch das Filmprojekt einigen Hohn einstecken. Erst als sich herumsprach, dass ein Mann, der sich bis dato nichts aus Computern und dem Internet machte, die Geschichte über Facebook schreiben sollte, wurde auch die Onlinewelt hellhörig. Mit dem Engagement von Autor Aaron Sorkin stand fest, dass es kein Film über Facebook oder soziale 2.0 Strukturen werden sollte, sondern eine klassische Geschichte über die Menschen und Machenschaften hinter der Fassade, mit Mark Zuckerberg im Zentrum, dem jüngsten Milliardär der Welt und Facebook Mastermind. Mit der Verpflichtung von David Fincher als Regisseur mussten sich auch die fantasielosesten aller Skeptiker eingestehen, dass selbst etwas „belangloses“ wie Facebook als Film interessant werden könnte.

Nach dem romantischen aber reichlich harmlosen „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ und nach den Unkenrufen, die der Film einstecken musste, kehrte David Fincher wieder auf gewohnte Pfade zurück. Eingefleischte Fans seien aber vorgewarnt, „The Social Network“ ist kein „Fight Club“ und erst recht kein „Sieben“. Mit seinem neusten Film offenbart sich ein gereifter und gemäßigter Fincher. Er verzichtet fast vollständig auf überbordende Kameratricks und visuelle Extreme. Die Schauspieler, ihre Dialoge und die Kamera sind seine Geheimwaffen, um den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Der ungeschliffene Soundtrack von „Nine Inch Nails“ Gründer Trent Reznor komplettiert das Bild dieser Genremischung zwischen modernem Coming Of Age Drama und altmodischem Wirtschaftsthriller.
Das Fundament auf dem der Film gründet sind seine Schauspieler und sein Drehbuch. Die beiden Hauptdarsteller, Jesse Eisenberg und Andrew Garfied, sorgen mit ihrer Darstellung der beiden Facebookgründer Mark Zuckerberg und Eduardo Saverin für ihre bislang reifste und beeindruckendste Leistung. Drehbuchautor Aaron Sorkin drückte jedoch mehr als jeder andere dem Film seinen Stempel auf, inklusive dem Regisseur. Kenner von der Serie „The West Wing“ fühlen sich bei den temporeichen, messerscharfen Wortduellen, dem trockenen Zynismus aber auch der Sensibilität, die der Film an den richtigen Stellen beweist, sofort heimisch. Dass der Film nicht nur oberflächlich als spannender Thriller mit sarkastischen Seitenhieben funktioniert, sondern auch tiefer reicht, ist Mark Zuckerberg selbst zu verdanken, der mit seinen autistischen Charakteristika keine schwarzweiß Zeichnung zulässt. Viel mehr ist er das Opfer seiner eigenen Leidenschaft und Veranlagung. So unnahbar er im wahren Leben zu sein scheint, so unnahbar wirkt er im Film. Eisenberg spielt Zuckerberg sehr zerbrechlich, ein Mensch der gekränkt wurde und nicht fähig war diese Kränkung auf herkömmliche Weise zu verarbeiten, sondern Facebook als Ventil benutzte. Seine Naivität und sein Geltungsdrang machten ihn blind zu erkennen, was um ihn herum passiert. Der spitzbübische und ordinäre Geniestreich namens „The Facebook“ begann ein Eigenleben zu entwickeln, das selbst Zuckerberg nicht verschonte.

Der Film offenbart eine mögliche Sichtweise auf den Gründer von Facebook. Er wird nicht als Rebell der sozialen 2.0 Bewegung dargestellt, nicht als Schürzenjäger und erst recht nicht als gewiefter Geschäftsmann. Sondern als einfachen Menschen mit besonderen Stärken, aber auch besonderen Schwächen. Ein ehrliches, wenn auch verzerrtes Bild, das man über sich selber nicht gerne sieht, aber einem Film dramaturgisch sichtlich gut tut. Die ablehnende Reaktion des echten Mark Zuckerberg gegenüber dem Film ist darum wenig überraschend. Am Ende schreien es die Beatles förmlich aus der Leinwand heraus: „Baby, You're A Rich Man!“ Als wollten sie sicherstellen, dass es auch der echte Zuckerberg realisiert. Sein Ziel, sich der studentischen Mittellosigkeit und dem Einfluss der Verbindungshäuser zu entziehen, hat er längst erreicht. Er ist nun jemand. Und doch ist er allein, mit dem selben gekränkten Stolz, demselben gebrochen Herzen. Die Welt konnte er verändern, aber nicht sich selber.

„The Social Network“ lehrt der internetaffinen Generation, dass keine Cyberspace Kriege oder virtuelle Avatare nötig sind, um eine Geschichte mit dieser Thematik fesselnd zu erzählen. Der Film überzeugt auf ganzer Linie, aber vermutlich anders als es sich so mancher vorgestellt hätte.


8/10

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