Donnerstag, 23. September 2010

Filme - THE LAST EXORCISM

KINO: The Last Exorcism (Der Letzte Exorzismus)
Hintergründige Exorzisten-Mockumentary, die sowohl Skeptikern als auch Gläubigen gefallen könnte. Leider verliert der Film am Ende völlig den Faden und verkommt zu einer unfreiwilligen Genreparodie 7/10
Kinostart: 30.09.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

The Last Exorcism
(Der Letzte Exorzismus)


Sogenannte Mockumentarys, ein Begriff, der sich aus Documentary (Dokumentation) und dem englischen Verb „to mock“ (vortäuschen, sich lustig machen) zusammen setzt, freuen sich seit geraumer Zeit besonderer Beliebtheit. Den Grundstein dieses Trends legte vor Jahren das berühmt berüchtigte „Blair Witch Project“, das einen erfundenen Hexenmythos vor Kinostart als wahre Begebenheit lancierte und mit einem ebenfalls fingierten Amateurvideos verband. Die Geburtsstunde moderner viraler Filmkampagnen und der Low Budget Blockbuster. Danach folgten erfolgreiche Vertreter wie „Cloverfield“, „Paranormal Activity“ oder „District 9“, die ebenfalls versuchten auf authentische Weise Dokumentation und Fiktion in Einklang zu bringen. Mit „Der letzte Exorzismus“ folgt nun der neuste Vertreter dieses etwas anderen Filmgenres und versucht die Glaubwürdigkeit alter Teufelsaustreibungen zu hinterfragen und stellt dabei so manches Exorzistenklischee auf den Kopf.

Der Film zieht durch seinen Hauptcharakter, Reverend Marcus, dessen entwaffnenden, offenen Charme und charakterliche Widersprüchlichkeit den Zuschauer unmerklich auf die Seite der Skeptiker. Man beobachtet die vom Reverend meisterlich dargebotene Farce mit diabolischem Vergnügen, weil man spürt, dass der Geistliche bald im wahrsten Sinne des Wortes sein böses Wunder erleben wird. Daniel Stamm, der deutsche Regisseur des Films erzeugt mit Hilfe seines charismatischen Protagonisten ein interessantes, doppelbödiges Schauspiel, stets zwischen ernsthaften Zweifeln und der vagen Möglichkeit doch einer übernatürlichen Erscheinung beizuwohnen. Die beiden Hauptdarsteller Patrick Furin und Ashley Bell machen dies mit einer absoluten Glaubwürdigkeit erst möglich. Man denkt als Zuschauer tatsächlich wahrhafte Menschen und keine gespielten Charaktere vor sich zu sehen. Außerdem ein interessantes Detail: Viele der Filmcharaktere besitzen die echten Vornamen ihrer Schauspieler.

Die große Schwäche des Films ist jedoch sein Ende. Die letzten 20 Minuten, in denen der Film von einem Klischeefettnapf in den nächsten tritt und ihm merklich die Luft ausgeht. Was zuerst wie ein unspektakuläres aber stimmiges Ende aussieht, mutiert binnen Sekunden zu einem einzigen okkulten Südstaatenklischee, das noch weiter auf die Spitze getrieben wird, in dem es zu einer unfreiwilligen Genreparodie verkommt. Quentin Tarantino soll sich nach der Filmpremiere an den Regisseur gewandt haben und sich lautstark über das Ende beklagt haben. Verständlich. Aber siehe da, Tarantino war nicht etwa aufgrund der Klischeehaftigkeit des mäßigen Showdowns enttäuscht. Er erwartete vielmehr einen ultimativen Endkampf zwischen gut und böse. Darüber lässt sich nur den Kopf schütteln. Tarantino scheint weder das Genre noch das Konzept des Films verstanden zu haben, stattdessen blieb er gedanklich irgendwo bei Schwarzeneggers „End Of Days“ stecken. In Anbetracht dessen kann das tatsächliche Ende zähneknirschend gutgeheißen werden. Dennoch bleibt der Gedanke, was wäre wenn die letzten Minuten des Films ähnlich mehrdeutig und unterschwellig gelungen wären, wie der Rest des Films? Man wäre vielleicht Zeuge eines neuen Genreklassikers geworden, die Frage wäre nur gewesen, welchem?


7/10

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