Donnerstag, 30. September 2010

Olos Favoriten - 99 FRANCS (39.90)

Olos Top50: 99 francs (39.90)
Die französische Antwort auf "Fight Club". Selbstverliebt, selbstzerstörerisch und abgrundtief verdorben. Ein Genuss!
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film


99 francs
(39.90)

Der Vergleich ist schnell gezogen: "99 francs" (auf deutsch: "39.90") wirkt wie der pazifistische, verdorbene Bruder von "Fight Club". Anstatt mit Hawaiihemd und Seife kommt dieser im Designeranzug und einer Menge Kokain daher. Zwei Filme, zwei Herangehensweisen, eine Aussage:
Alles was du hast hat irgendwann dich.

Dabei geht "39.90" etwas oberflächlicher zu Werke, als David Finchers moderner Klassiker und beschränkt sich auch nur auf die Werbeindustrie. Dafür versucht der Film erst gar nicht seine Botschaften und Seitenhiebe in eine Geschichte zu verpacken, sondern konzentriert sich ganz auf seinen Protagonisten und Ekelpaket Octave. Und das zurecht, denn Octave IST die Geschichte. Sein Werdegang vom seelenfressenden Werbefachmonster zum reumütigen und liebesbedürftigen Gutmenschen enthält alles, was eine Satire braucht. Warum der Film teilweise als Komödie beworben wurde und auch im Trailer diesen Anschein erweckt, steht wohl in den Sternen. Es würde auch niemand auf den Gedanken kommen "Fight Club" als Kampffilm zu definieren, oder??

Der Film besitzt eine audiovisuelle Kraft, die ihres gleichen sucht und vielleicht als eine Mischung aus Fight Club und Requiem For A Dream beschrieben werden kann. Videoclipästhetik, Werbeklischees und eine epileptische Tour de Force prägen Octaves selbstzerstörerische Odyssee.
Der Standpunkt des Films ist von Anfang an kein Geheimnis. Der Film will anklagen, bloßstellen und sensibilisieren. Dabei passiert alles mit einer solchen Leichtfüßig- und Belanglosigkeit, dass man wirklich auf der Hut sein muss. Das Lachen bleibt einem nicht bloß im Hals stecken man verschluckt sich regelrecht daran.
Besonders beeindruckend ist die Erzählweise des Films. Charaktere, die direkt mit den Zuschauern sprechen sind heutzutage ein nettes Stilmittel, aber nicht wirklich revolutionär. Eine solche Zuwendung des Regisseur an den Zuschauer lässt jedoch schon eher aufhorchen. Es ist eine Wonne zu sehen, wie Regisseur Jan Kounen die erzählerischen Ebenen durchbricht. Es soll nur soviel verraten werden. Der Abspann verleiht dem Film eine völlig neue Ebene. Das Filmende ist wie die Werbeindustrie selbst manipulierend. Es beendet nicht bloß den Film, es veredelt ihn und zeugt von einer begnadeten Selbstironie.

Lange Rede kurzer Sinn:
Eine Satire in Perfektion mit einem formidablen Hauptdarsteller und einem Regisseur, der es noch schafft sowohl inhaltlich als auch visuell zu überraschen. Ein Film wie ein Stimulanzmittel für Sinne und Verstand.

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