Samstag, 14. August 2010

Filme - SUMMER WARS

KINO: Summer Wars
Tron, WarGames, Digimon und eine große Portion japanischer Familienwerte. Ein einzigartiger Mix, der zwar nicht vollends überzeugt, aber durchwegs fasziniert 8/10
Kinostart: 12.08.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Summer Wars


Regisseur Mamoru Hosoda machte mit seinem letzten Film "Das Mädchen das durch die Zeit sprang" auch hierzulande von sich reden. Ein kleiner, intimer Film über ein Mädchen mit besonderen Fähigkeiten. Aber ausnahmsweise wurde diese Ausgangslage nicht dazu verwendet, die Welt erneut zu retten, sondern stattdessen begleitet man einen Teenager bei seinen alltäglichen Problemen mit dem Erwachsenwerden.

Ein ähnliches Konzept wendet der Regisseur auch bei seinem neusten Film „Summer Wars“ an. Dieses Mal ist es kein Mädchen sondern eine ganze Familie, die mit einem außergewöhnlichen Element konfrontiert wird, genannt OZ. Ein technologisch hoch entwickeltes soziales Netzwerk, das Eigenschaften von Facebook, Second Life oder World of Warcraft in sich vereint. Ganz Japan ist an dieses Netz angeschlossen. Einzelpersonen, Kommunen, öffentliche und militärische Einrichtungen, sogar komplette Stadtbetriebe und Unternehmen. "Summer Wars" versteht sich aber weniger als kritische Auseinandersetzung mit der Privatsphären-Paranoia 2.0 (wie sie besonders in Deutschland wieder herrscht) sondern nutzt die Thematik, um die zerrütteten Familienverhältnisse näher zu beleuchten. OZ dient als dramaturgisches Instrument, das nicht die Angst vor Google oder Facebook schüren, sondern ganz altmodisch den Stellenwert der Familie betonen soll. Der Cyberwar dient dabei als Schlachtfeld für die Avatare. Abstrakt und doch vertraut. Cyberspace Klischees in bester "Tron" Tradition werden mit japanischer Kampf- und Mangaästhetik verbunden. Eine Mischung aus "Digimon" und "WarGames" ist das Resultat.

Filme im und über den modernen Cyberspace haben wieder Hochkonjunktur. "Summer Wars" stellt der Versuch dar, gewisse Aspekte des World Wide Webs auf einer persönlichen Ebene zu schildern. Zeitgleich mit "Summer Wars" startet ebenfalls "8. Wonderland", ein ambitionierter Versuch den Einfluss des Internets auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen mit Cyberterrorismus in Verbindung zu bringen. In den kommenden Monaten folgen anschließend "The Social Network", die Gründung von Facebook als klassischer Thriller sowie "Tron: Legacy", die lange erwartete Fortsetzung einer Cyberspace Filmikone. Selbst der kürzlich gestartete „Inception“ kann als moderne Internetmetapher rund mit all seinen Eingriffen in die Privatsphäre verstanden werden.

Moderner Cyberkrieg trifft auf biedere Familienfeierlichkeiten, hektische 3D-Computerwelten treffen auf idyllisches Zeichentrickpanorama. "Summer Wars" steckt voller Gegensätze, die vor allem für westliche Gewohnheiten nicht immer einfach zu schlucken sind. Dennoch bietet der Film faszinierende Einblicke in die japanische Kultur und Denkweise, zwischen japanischer Familientradition und Technikaffinität. Sollte man nach "Summer Wars" nicht genug von faszinierenden Animewelten bekommen, so darf man sich auf September freuen. Dann findet nämlich mit "Ponyo" der neuste Film von Meister Hayao Miyazaki ("Chihiros Reise ins Zauberland", "Das wandelnde Schloss") seinen Weg in die deutschen Lichtspielhäuser. Zwei Animes in zwei Monaten, vielleicht besteht doch noch Hoffnung für die hiesige Manga- und Animecommunity.


8/10

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