Montag, 30. August 2010

Filme - RAMMBOCK

KINO: Rammbock
Zombiehatz nach altem Muster aber mit deutsch-österreichischem Flair 7/10
Kinostart: 09.09.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Rammbock


Die deutschsprachige Filmlandschaft war bislang vor allem für ihre Art bekannt, die eigene Vergangenheit filmisch aufzuarbeiten und sie ganz nach dem berühmten Vorbild deutscher Dramaturgen mit einer eigenen Dynamik zu versehen. Doch auch im Horrorfach kamen einige vielversprechende Ansätze hervor, dennoch reichte es nie aus, um sich einen eigenen Namen zu machen. Zumindest nicht wie es beispielsweise Frankreich oder Spanien geschafft hatten. Dies könnte sich in naher Zukunft ändern, denn mit „The Last Exorcism“ und „Rammbock“ kommen im September gleich zwei Horrorfilme in die Kinos, die aus deutscher Feder stammen und eine beachtlichen Resonanz bei den einschlägigen Festivals auf der ganzen Welt für sich verbuchen konnten.

„Rammbock“ stellt das Spielfilmdebüt des Österreichers Marvin Kren dar, der zuvor an der Hamburger Media School studierte und 2008 abschloss. Der Film kann bestenfalls als Low-Budget Produktion beschrieben werden, was man dem Film jedoch in keiner Minute anmerkt. Auch wenn der Film nie dazu gedacht war, im Kino ausgewertet zu werden, seine kurze Filmdauer von nicht einmal 70 Minuten zeugt davon, bietet er dennoch die komplette Bandbreite an guter alter Zombiekost, die vor allem Genrefans begeistern dürfte.

Was „Rammbock“ auszeichnet ist sein ernster Grundton. Er nimmt die ausbreitende Epidemie nicht als ironisches Sprungbrett. sondern eifert seinen großen Vorbildern in beinahe akribischer Perfektion nach. George A. Romero und Danny Boyle, die Zombieväter der alten und neueren Filmgeschichte, werden in diesem Film zu Göttern erhoben. In jeder Szene ist ihr Einfluss zu spüren. „Rammbock“ mutet jedoch keinesfalls wie eine billige Kopie an. Besonders das Setting in Berlin und die herrlich unpreziösen und authentischen Figuren sorgen für einen eigenständigen Ton, der irgendwo zwischen „Lindenstraße“ und „28 Days Later“ angesiedelt ist. Der Film machte aus seiner Geldnot wie bereits viele vor ihm eine Tugend, in dem er sich auf eine Gruppe Überlebender konzentriert. Die epische Tragweite der Apokalypse beschränkt sich auf einige Rundfunkdurchsagen und die obligatorischen schwarzen Rauchsäulen am Horizont. Stattdessen werden zwischenmenschliche Schicksale und der unausweichliche Verlust der eigenen Menschlichkeit als Symbol für den nationalen Ausnahmezustand genutzt. Dass der Film nicht auf ganzer Linie zündet liegt an seiner festgefahrenen Art. Er betet den Boden auf dem er wandelt zu sehr an und wagt es nicht neue Akzente zu setzen. Dadurch bleibt das Geschehen vorhersehbar bis zum bitteren Ende.

Rammbock wird gerne als Zombie-Liebeskomödie umschrieben. Dies liegt sicherlich im Auge des Betrachters, aber man sollte sich in erster Linie auf einen Ironie freien aber durch seinen bodenständigen Wiener Protagonisten amüsanten Zombiestreifen nach alter Schule einstellen. Die Liebesodyssee bleibt zwangsläufig auf der Strecke, auch wenn man Regisseur Marvin Kren am Ende durchaus eine verschrobene romantische Ader attestieren darf.

7/10

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