Montag, 16. August 2010

Filme - MOTHER

KINO: Mother
Gewohnt hochwertige koreanische Filmkunst mit Film Noir Anleihen, die am Ende leider übers Ziel hinaus schießt 8/10
Kinostart: 05.08.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Mother
(Madeo)


Moralisch geradlinige Filme begegnen uns jeden Tag. Das Schwache triumphiert über das Starke, das Gute bezwingt das Böse und am Ende siegt die Gerechtigkeit auf ganzer Linie. Die Entscheidung, ob der Held Gnade walten lassen soll, ist der höchste Grad an moralischer Komplexität, den sich Filme häufig leisten. So einfach macht es sich der koreanische Regisseur Joon-ho Bong in seinem neusten Film „Mother“ nicht. Mit Gerechtigkeitssinn, Gutmensch- oder schlichtem Schwarzweissdenken kommt man hier nicht weit. Der Zuschauer bekommt keine leichten Antworten serviert sondern muss selbst Stellung beziehen.

Der Film erzählt eine zunächst unspektakuläre Geschichte, die auf der bedingungslosen Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn gründet. Sie behütet und beschützt ihren geistig zurückgebliebenen Spross gegen alle Widerstände. Bis zu dem Tag, als ihr Sohn Hauptverdächtiger eines Mordprozesses wird und in Folge seiner mentalen Beeinträchtigung zum gefundenen Sündenbock der Polizei abgestempelt wird. Was folgt ist ein verzweifelter Versuch der Mutter die Unschuld ihres Sohns zu beweisen.
Eine einfache aber effektive Ausgangslage. Was „Mother“ auszeichnet ist die simple aber ausdrucksstarke Zeichnung seiner Charaktere. Der relativ geradlinige Fall wird durch die bruchstückhafte Erinnerung des Sohnes und die widersprüchlichen Indizien zusehends verkompliziert. Wie es sich für eine gute Kriminalgeschichten gehört, wird man als Zuschauer subtil dazu gedrängt mehrere Schritte vorauszudenken, um den Schuldigen zu entlarven bevor es der Film tut. Und darin zeigt sich die Stärke der Geschichte, die in ihrer Art nicht zufällig an Roman Polanskis Klassiker „Chinatown“ erinnert.

Die Stimmung des Films ist wie sein Genre schwer zu fassen. Was vergnüglich als eine Art subversive Familienkomödie beginnt, verwandelt sich in der zweiten Hälfte zu einem hintersinnigen Familiendrama mit kriminalistischen fein ausgearbeiteten Nuancen, die sogar leichte Film Noir Stilelemente aufweisen. Das koreanische Kino hatte seit jeher einen sehr eigenen Charakter, der sich sowohl visuell als auch dramaturgisch von anderen asiatischen Filmen distanzierte. Wie bereits bei seinem Vorgängerfilm „The Host“, konzentriert sich Regisseur Joon-ho Bong nicht bloß auf ein Zentralthema sondern versucht unentwegt dem Film weitere Fassetten hinzuzufügen. Besonders am Ende verzettelt sich der Filmemacher dadurch aber in zu vielen gut gemeinten Auflösungen anstatt sich auf ein Ende festzulegen. Denn besonders die Auflösung des Falls ist einer der Hauptgründe warum sich der Film im Nachhinein längerfristig im Gedächtnis festsetzt. Es liegt nicht nur an der Lösung des Falles sondern auch wie die Charaktere damit umgehen. Denn hier eröffnen sich die wahren Abgründe und die ganze Doppelbödigkeit ,die der Film bereit hält. Aber leider verpasste Joon-ho Bong den geeigneten Moment um den Film mit Nachdruck zu beenden und lässt ihn noch zehn weitere Minuten weiter laufen, was vor allem den Charakteren schadet. So bleibt einem am Ende ein starker und überzeugender Film in Erinnerung, der aber das Zeug gehabt hätte, es mit „Chinatown“ aufzunehmen.


8/10

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