Mittwoch, 4. August 2010

Filme - ME TOO

KINO: Me Too (Yo también)
Beeindruckend und authentisch, irgendwo zwischen einem hoffnungsvollen Liebesfilm und ernüchternden Drama angesiedelt 8/10
Kinostart: 05.08.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Me Too
(Yo también)

(Geschrieben für KultHit.de)

Filme in denen Menschen mit geistigen Behinderungen dargestellt werden, verfügen in der Regel über eine auffällige Gemeinsamkeit. Sie alle werden von talentierten Schauspielern und ihren beeindruckenden Leistungen getragen und ermöglichen es so dem Zuschauer für einen kurzen Moment in der Haut von kognitiv beeinträchtigen Menschen Platz zu nehmen.

Me Too folgt einem anderen Ansatz, bei dem kein gefeierter Schauspieler sondern ein Unbekannter namens Pablo Pineda im Mittelpunkt steht. Nicht irgendein Unbekannter sondern ein Mann, der mit Trisomie 21, dem sogenannten Down-Syndrom, geboren wurde. Und die Unterschiede sind erstaunlich. Einen Film zu sehen, in dem der Hauptdarsteller die Behinderung nicht spielt, sondern viel mehr der Kamera offenbart, eröffnet dem Zuschauer komplett neue Einsichten. Und um alle Zweifel auszuräumen, Pinedas Down-Syndrom öffnet zwar die Tür in den Film, aber letztendlich wird man von seiner Rolle und seinem Schauspiel ergriffen. Die Darbietung von Lola Dueñas sorgt dafür, dass ein genügend starkes Gleichgewicht herrscht. Es ist eine beeindruckende Leistung von ihr, einem solch dominanten Gegenpart standhalten zu können.

Je weiter der Film voranschreitet, desto mehr kristallisiert sich eine alte Weisheit heraus. Normalität gibt es nicht und wenn, dann nur auf subjektiver Ebene. Erst wenn man hinter die Fassade blickt erkennt man, dass keineswegs nur die Figur von Daniel mit seiner offensichtlichen Behinderung der Norm widerspricht sondern auch Laura, die durch ihre Vergangenheit gebrandmarkt ist. Der Film stellt einen Kontrast zwischen geistiger und emotionaler Behinderung her. Daniel, auf der einen Seite sehnt sich danach Liebe zu schenken und geliebt zu werden. Er schluckt die täglichen Erniedrigungen und kämpft dagegen an, nicht wie ein Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden. Zusehends leidet jedoch sein Selbstvertrauen und seine Lebensfreude unter diesem Druck. Bei Laura steht die Welt im Vergleich dazu Kopf, sie wird aufgrund ihres attraktiven Aussehens zwar akzeptiert, kann aber damit nicht umgehen. Emotionen und besonders Liebe sind für sie Fremdwörter. Sie kompensiert ihre Leere durch ziellose Bettgeschichten und das Erhaschen von männlicher Aufmerksamkeit. Seiten einer Borderline-Persönlichkeit offenbaren sich bei ihr und in Anbetracht ihrer bis zuletzt unausgesprochenen Vergangenheit erschliesst sich dem Zuschauer ihre emotionale Isolation.

Der Zuschauer erfährt aus erster Hand, was es heisst durch Trisomie 21 beeinträchtigt zu sein. Nicht bloß durch Daniel, sondern auch durch einige Nebencharaktere, die zeigen, wie man als Behinderter ständig wie ein Kind behandelt und bevormundet wird.

Der Trailer von Me Too erweckt den Eindruck eines zwar ernsthaften, aber auch lebensfrohen Liebesfilms, der einer aussergewöhnlichen Beziehung eine Chance gibt. In einer perfekten Welt stünde ihre Liebe über allem. In der Realität würde jede Chance auf eine gesunde Beziehung im Keim erstickt werden. Und das ist vielleicht die alles entscheidende Frage, auf die der Film hinausläuft. Ist einer solchen Liebe zumindest im Film eine Zukunft vergönnt? Die Auflösung des Film bietet keine leichtfertigen Antworten, nur Liebe.ilm bietet keine leichtfertigen Antworten, nur Liebe.


8/10

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