Donnerstag, 26. August 2010

Filme - MARY & MAX (zum D-Kinostart)

Zum deutschen Kinorelease gibt es nochmals meine Rezension zum Film. Man merkt es vielleicht, der Film liegt mir sehr am Herzen und auch wenn er in Deutschland erst mit über einem Jahr Verspätung erscheint, sollte er trotzdem mit aller Kraft beworben werden. Näher kann man dem Zauber des Kinos kaum kommen!

Kleine Randnotiz: Der Film gibt es in der Schweiz seit einigen Monaten bereits als DVD/Blu-Ray zu kaufen. Aber ohne deutsche Tonspur nur mit Untertiteln, aber das ist ohnehin zu verschmerzen.

KINO: Mary & Max
Ein Film, zum Schmelzen schön, steinerweichend niedlich und der mit seiner tief verwurzelten Melancholie mitten ins Herz zielt. 10/10
Kinostart: 26.08.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Mary & Max
(geschrieben für KultHit.de)

„Vor 40 Jahren gab es Harold & Maude. Vor 20 Jahren gab es Wallace & Gromit. Jetzt ist die Zeit reif für: MARY & MAX“

Eine Tagline, die den Kern des Films sehr treffend definiert. Der australische Regisseur Adam Elliot blieb mit dem Kinodebüt seinen erzählerischen Wurzeln treu. Wie sein Oscar prämierter Kurzfilm „Harvie Krumpet“ lebt auch „Mary & Max“ von den losen Erzählungen seiner Hauptfiguren. Eine eigentliche Handlung existiert nicht, viel mehr entsteht der erzählerische Sog aus emotionalen Momentaufnahmen und ausgesprochenen Gedanken. Die Charaktere sind der Film. Kein Wunder also, dass die beiden mit unendlich vielen kleinen exzentrischen Eigenschaften und Anekdoten ausgestattet wurden, die nicht selten an die liebenswerte Verschrobenheit eines Jean-Pierre Jeunet Films erinnern.

Bei „Mary & Max“ handelt es sich um keinen niedlichen Kinderfilm. Das beweisen die eingestreuten Themen wie Suizid, Depression, Autismus und diverse Formen von Angstzuständen, die sich stets unter dem Schleier der süßen Charaktere verstecken, was aber nicht ihre Wirkung schmälert. Besonders gegen Ende wird der Zuschauer in ein Wechselbad der ausufernden Emotionen gestürzt und in diesen Momenten beweist der Film sein einzigartiges Wesen zwischen Knuddelplastik und ernster Melancholie. Auch visuell wurden eigene Wege gegangen, um den Kontrast zwischen eines scheinbar kindgerechten Stop-Motion Animationsfilms und den psychologisch anspruchsvollen Aspekten der Themen zu unterstreichen. Entstanden ist ein in Schwarzweiss- und Sepiatönen getauchter Film, der tatsächlich irgendwo zwischen dem sanften Anarchismus von „Harold & Maude“ und der cartoonigen Liebenswürdigkeit von „Wallace & Gromit“ zu finden ist.

Musikalisch sollte man genau hinhören. Selten entfalten alte Klassiker einen solch dichten neuen Zauber wie im Falle von „Mary & Max“. Leroy Andersons „The Typewriter“ findet man ebenso auf der Tonspur wie „Zadok der Priester“, besser bekannt als die UEFA Hymne. Sergei Prokofievs „Tanz der Ritter“ gesellt sich neben den Oldie „Qué Será, Será“. Ein griechischer Sirtaki neben Puccinis „Humming Chorus“ aus „Madame Butterfly“. Eine einzigartige, wenn nicht sogar verrückte Mischung voll fremder Assoziationen. Und doch schafft es der Film alle bisherigen Erinnerungen auszublenden und die Lieder in ein völlig neues Licht zu setzen. Mary und Max selbst werden von dem, ebenfalls zweckentfremdeten Lied „Perpetuum Mobile“ akustisch umrahmt. Das Stück ist bereits im Trailer zu hören und verleiht den beiden Hauptcharakteren eine liebevolle, zarte, beinahe zerbrechliche Melancholie.

Mary und Max verbindet eine ganz besondere Freundschaft, die alle bestehenden platonischen und romantischen Grenzen sprengen. Der Film ist zum Schmelzen schön, steinerweichend niedlich, besitzt einen eigenen entwaffnenden Humor und zielt mit seiner tief verwurzelten Melancholie mitten ins Herz.
Es bleibt nur eine Frage: Warum wurde dieser Film bei den diesjährigen Oscarverleihungen schamlos übergangen?

10/10

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