Donnerstag, 1. Juli 2010

Vorpremiere: TOY STORY 3

KINO: Toy Story 3
Kurz und bündig: Gereifter und herzerweichender Abschluss und einfach nur ein wunder-wunderschöner Film! 9/10
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

Toy Story 3


Lange hatte sich John Lasseter gegen Fortsetzungen der eigenen Filme gewehrt. Selbst Toy Story 2 war zunächst nur als zweitklassige DVD Premiere geplant gewesen, mauserte sich jedoch während der Vorproduktion zusehends zu einem kinowürdigen Projekt, weshalb er zur bestätigenden Ausnahme der Regel hochgestuft wurde. Nach der Übernahme durch den Disney Konzern kam dieses Thema erneut bei Pixar auf den Tisch. Disney liess John Lasseter die Wahl, entweder sie produzieren weitere Fortsetzungen in eigener Regie oder Disney setzt seine eigenen Animationsabteilungen darauf an, in diesem Fall aber außerhalb des Kontrollbereichs von Pixar. Da mit Toy Story 3 nun der erste von drei angekündigten Fortsetzungen, neben Cars 2 und Monster AG 2, unter dem Label von Pixar in den Startlöchern steht, darf davon ausgegangen werden, dass Lasseter seine Filmbabies nicht weggeben konnte oder wollte. Man kann also wieder aufatmen.

Regisseur Lee Unkrich, Co-Regisseur von Toy Story 2 oder Findet Nemo, sah sich vor kaum überwindbaren Aufgaben, die ihn nach eigener Aussage täglich von neuem zur Verzweiflung brachten. Einerseits musste er den beliebten Vorgängern gerecht werden, in dem er ihren naiven Charme, ihren Witz und Warmherzigkeit reproduzierte. Gleichzeitig musste Pixars Reifungsprozess Rechnung getragen werden. Pixar war noch nie "nur" eine Schmiede für Kinderfilme sondern besaß immer das gewisse Etwas, eine tief verwurzelte Leidenschaft die auch Erwachsene fesseln konnte und die mit jedem Film noch ein Stück wuchs.

Der Kern von Toy Story 3 wurde bereits in der ersten Fortsetzung vorweggenommen. Das Dilemma von Spielzeugen, die nicht mit ihren Kindern heranwachsen können und deswegen abgeschoben werden. Jedes Spielzeug weiß, dass dieser Zeitpunkt irgendwann naht und wird somit mit den eigenen Existenzängsten konfrontiert. Die Suche nach Bestimmung, die Frage nach Leben und Tod durchzieht den ganzen Film und verleiht ihm eine zart-bittere Melancholie, die bereits aus den Vorgängern bekannt sind.
Eine Vielzahl an neuen, mal mehr und mal weniger knuffigen Charakteren ergänzen das bestehende Ensemble. Wer genau hinschaut entdeckt sogar Totoro aus Hayao Miyazakis gleichnamigen Anime.

Sobald sich dem Zuschauer eine seelische Achterbahn nach der anderen offenbart, merkt man, dass nicht nur Andy sondern die ganze Toy Story Reihe aus den Kinderschuhen entwachsen ist. Bedeutend erwachsener und auch düsterer präsentiert sich der Film. Die Existenzängste der Spielzeuge rücken in den Mittelpunkt und werden, in Anbetracht der uneingeschränkten Jugendfreigabe durch die FSK, auf sehr drastische Weise dargestellt. Aber nicht bloß der Überlebenswille der Spielzeuge wird geprüft, sondern auch ihre Bestimmung hinterfragt. Ohne Andy, der als 17 jähriger Junge vielleicht noch aus sentimentalen Gründen an seinen Spielzeugen hängt, wird sich über kurz oder lang auch mental von diesen lösen. Also wie soll sich ein Spielzeug verhalten, das sich dieser Entwicklung bewusst ist? Sich an die Hoffnung ewiger Freundschaft klammern oder sich seinem bitteren Schicksal ergeben? Die Auflösung bringt Gewissheit. Die finale Wendung überrascht nicht, aber man ist aufgrund der Art wie es geschieht vollkommen ergriffen und den Tränen nah.
Einen weiteren Spagat den Unkrich mit seinem Team hinlegen musste, war von technologischen Natur. Der letzte Toy Story Film kam 1999 in die Kinos, was eine Ewigkeit in der Entwicklung des digitalen Films darstellt. Aber um die Kontinuität zu bewahren, durften die Spielzeuge nicht plötzlich zu fotorealistisch wirken. Das selbe galt für die Menschen, die im Avatar Zeitalter auch von Pixar nah an der Perfektion umgesetzt werden könnten, was aber im völligen Widerspruch des Toy Story Universums stünde. Also entschied man sich den Look der Vorgänger beizubehalten und lediglich im Detail zu verbessern. Aber besonders die Charaktere und die Menschen wirken nun viel lebendiger und authentischer, die Gefühle springen nun noch schneller auf den Zuschauer über.
Wie man es sich seit Up gewohnt ist, wurde der stereoskopische Effekt sehr behutsam eingesetzt. Hauptsächlich fand er seine Verwendung um räumliche Tiefe zu schaffen. Billige Jahrmarkttricks sucht man also glücklicherweise vergebens und nur in dramaturgisch sinnvollen Momenten wird auch der Raum außerhalb der Leinwand genutzt.

Man sollte Schönheit nicht schlecht reden und Toy Story 3 verdient das Prädikat wunderschön, in allen Belangen. Aber eine Blöße gibt sich der Film dennoch. Einerseits ist er sehr klassisch angelegt. Auf Überraschungen wartet man vergebens und sowohl Handlung als auch Charaktere sind zwar glaubwürdig, aber auch altbacken. Zudem wurde wie bereits erwähnt eines der Randthemen aus Toy Story 2 übernommen und ausgebaut. Dies bringt leider das Gefühl mit sich sich, die Geschichte bereits zu kennen. Dass der neue Bösewicht nur eine umgekehrte Abwandlung des alten Stinky Pete ist, unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich.
Aber wen kümmern solche Haarspaltereien, wenn Toy Story 3 lieb gewonnene Charaktere auf solch intensive Art und Weise zu einem verdienten und zufrieden stellenden Abschluss führt, der kein Auge trocken und kein Herz unberührt lassen wird. Unter Garantie!
Und wie der Regisseur Lee Unkrich in Berlin selbst sagte, soll es bei einer Trilogie bleiben (mal sehen inwiefern der enorme Erfolg des Films daran was ändern wird). Aber er versprach, dass die Charaktere zurückkehren würden, nämlich 2011 im Vorprogramm von Cars 2. Genug Zeit also um sich bis dahin die ganze Trilogie an einem Stück anzusehen und sich dem Wechselbad der Gefühle hinzugeben. Wieder und immer wieder!


9/10

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